Ein Wort zum Sonntag

Ein kurzes Wort zum Sonntag. Dieser ist ja von alters her der Religionsausübung vorbehalten, denn am siebten Tage ruhte selbst Gott von seiner ganzen Schöpfung aus.

Sonntags ruht folglich auch die Arbeit, die Leute gehen in die Kirche, danach zum Sonntagsbraten nach Hause oder zum Frühschoppen in die Wirtschaft und erfreuen sich an allem, was es an sonntäglichen Erbauungen sonst noch gibt.

Ähnliches kann auch Samstags oder Freitags der Fall sein, je nach dem, welchen Wochentag es in spezifischer monotheistischer Zählweise jeweils erwischt hat, nur geht man dann zum Beten und Besinnen in die Synagoge oder die Moschee und erfreut sich danach am jeweiligen Feiertagsprogramm, ohne Schweinefleisch und gegebenenfalls auch ohne Alkohol.

Aber mittlerweile ist mit dem Schwinden der Religion aus dem Alltag auch der Sonntag profan geworden. Ein verschwindend geringer Teil derer, die sich irgendwie als Christen definieren, geht tatsächlich in die Kirche.

Nicht, dass ich das bedauerlich fände. Im Gegenteil. Wenn man sich mal ansieht, was Religionskriege in der bisherigen Menschheitsgeschichte angerichtet haben, muss man zu dem Schluss kommen, dass es ohne Religion sicherlich friedlicher zuginge – denn leider ist Religion nicht nur „Opium fürs Volk“, das die Elenden mit der Hoffnung auf ein besseres Leben im Jenseits tröstet und sie in ihrem irdischen Elend belässt, sondern auch knallhartes Speed, auf dem die Leute auch im Diesseits zu den verrücktesten Taten fähig sind.

Und ich denke da ausdrücklich nicht nur an islamistische Terrorbomber, sondern beispielsweise auch an christliche Missbraucher. Die Kirche hat sich in der letzten Zeit einmal mehr als ewiggestriger Unterdrückungs- und Machtapparat geoutet. Warum noch daran festhalten? Natürlich hat ein Kruzifix im Klassenraum nichts zu suchen, genauso wenig eine Lehrerin mit Kopftuch. Und weg mit der Kirchensteuer!

Nein, es gefällt mir überhaupt nicht, wenn in Deutschland nun andere Religionen auf dem Vormarsch sein sollten. Aber nicht, weil ich den Islam für gefährlicher oder schlechter halte als das Christentum. Sondern, weil ich Glauben an sich für gefährlich halte. Glauben entzieht sich naturgemäß der Rationalität, ich glaube ja eben das, was ich nicht beweisen kann. Und Menschen werden komisch, wenn sie von etwas überzeugt sind, das sie nicht beweisen können. Der Glaube (und das kann auch der Glaube an Scientology oder an den perfekten Markt sein) rechtfertigt Dinge, bei denen sich ein vernünftiger Mensch an den Kopf fasst. Insbesondere, wenn man dem vermeintlich besseren Glauben angehört.

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Über modesty

Akademisch gebildetes Prekariat. Zeittypische Karriere: anspruchsvolle Ausbildung, langwieriger Berufseinstieg, derzeit anstrengender, aber schlecht bezahlter Job mit unsicherer Perspektive. Vielseitige Interessen, Literatur, Film, Medien, Wissenschaft, Politik, Geschichte, Gesellschaft, Zeitgeschehen. Hält diese Welt keineswegs für die beste aller möglichen, hofft aber, dass sie besser werden kann. Möchte gern im Rahmen der bescheidenen Möglichkeiten dazu beitragen.
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