Politiker in die Produktion – äh, Wirtschaft!

Was macht eigentlich Roland Koch?

Es ist ja nun keineswegs so, dass ich mich nicht wie so viele andere gefreut hätte, dass der Hessen-Hi-Hi-hilfe, da wäre es jetzt fast mit mir durchgegangen, beschlossen hatte, in der Versenkung zu verschwinden. Aber natürlich war klar, dass er irgendwann wieder auftauchen würde. Irgendein gut dotierter Vorstandsposten findet sich für abgehalfterte Popolitiker ja immer, besonders, wenn sie sich selbst abgehalftert haben.

Nun ist zu lesen, dass der Baukonzern Billiger Berger eine interessante Vakanz hat, der sucht nämlich einen neuen Vorstandsvorsitzenden. Nun mag man sich ja fragen, warum einer, der von der krisengeschüttelten Dauerbaustelle Politik die Nase voll hatte, ausgerechnet in die nicht weniger krisenanfällige Bauwirtschaft wechseln möchte. Aber wahrscheinlich ists der schnöde Mammon: Während so ein hessischer Ministerpräsident nur lumpige 190.000 Euro im Jahr bekommt, kann so ein Vorstandschef mit einskommairgendwas Millionen Euro Jahresgehalt rechnen. Und einer mit so guten Verbindungen in die Politik, die ja bekanntlich auch immer mal wieder ein Großprojekt nicht nur beschließt, sondern auch durchprügelt…

Das bringt mich jetzt nicht ganz zufällig auf das Thema „überzogene Manager-Gehälter“. Darüber kann man sich natürlich aufregen. Denn es ist klar, dass ein Millionen-Gehalt nichts mit Leistung zu tun hat. Dieses ganze „Leistung-muss-sich-wieder-lohnen“-Gefasel ist ohnehin nur fürs gemeine Volk. Leistung lohnt sich nämlich gar nicht. Nur Geld verdienen lohnt sich, und da kommt so ein Simpel mit einem normalen Job ohnehin nie hin. Gut, dass die Leute das nicht kapieren.

Natürlich hat so ein Manager auch eine Menge zu tun, vom Aufstehen über die schlechte Presse zum Frühstück, die ewigen Stunden im Dienstwagen oder dem Firmenjet, die Geschäftsessen, die Empfänge, wo man bei Hummerhäppchen networking betreiben muss, bis die Mundwinkel fransig sind, da muss man flexibel schleimen können dass es trieft und gleichzeitig hammerhart bei der Verhandlung der Bestechungsgelder sein, nebenbei noch die ganzen Kostensenkungs- und Prozessoptimierungs-Pläne abzeichnen, die eifrige Abteilungsleiter ausarbeiten, jede Menge Leute entlassen lassen und in der Talkshow die richtigen Worte finden, um die ganzen Grausamkeiten als alternativlos hinzustellen und dann noch nach Feierabend die süßen Praktikantinnen bei Laune halten, weil die sonst am Ende auch noch bezahlt werden wollen. Uff.

Okay, den letzten Teil kann man sich bei Roland Koch schwer vorstellen.

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Über modesty

Akademisch gebildetes Prekariat. Zeittypische Karriere: anspruchsvolle Ausbildung, langwieriger Berufseinstieg, derzeit anstrengender, aber schlecht bezahlter Job mit unsicherer Perspektive. Vielseitige Interessen, Literatur, Film, Medien, Wissenschaft, Politik, Geschichte, Gesellschaft, Zeitgeschehen. Hält diese Welt keineswegs für die beste aller möglichen, hofft aber, dass sie besser werden kann. Möchte gern im Rahmen der bescheidenen Möglichkeiten dazu beitragen.
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