Wikileaks enthüllt den Irak-Krieg – und jetzt?

Die Enthüllungsplattform Wikileaks überschwemmt das Internet mit 400.000 Dokumenten zum Irak-Krieg.

Aber wozu das alles? Allein die schiere Menge macht es schwer, den ganzen Kram überhaupt zu lesen. Und vermutlich steht nichts drin, was nicht schon längst bekannt war. So in etwa hat sich auch der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, Chris Perrine, geäußert. Aber was hätte er auch sonst sagen sollen?

Dass die USA den Terror verschärft haben, weil sie in ein ohnehin am Boden liegendes, chaotisches Land voller ungelöster Konflikte noch eine Menge Waffen und eine Menge zusätzlichen Hass gebracht haben, ist offensichtlich. Dass gemordet und gefoltert wurde ist leider auch nicht neu. Vielleicht wird nun das komplette Ausmaß des Schreckens sichtbar – aber was ändert es am Leid der Betroffenen, das genauer zu messen?

Interessant ist natürlich, dass es überhaupt einen so gigantischen Haufen Material gibt – die US-Bürokratie ist im Verwalten ihrer Verbrechen und Unzulänglichkeiten offenbar ähnlich akribisch wie die Nazi-Bürokratie es war, die bekanntlich für jeden KZ-Insassen eine ordentliche Karteikarte angelegt hat – auf diese Weise wurde das Ausmaß einer Vernichtung dokumentiert, bei der die meisten Leichen ja nicht mehr auffindbar waren.

Aber zurück zu den aktuellen Wikileaks-Veröffentlichungen. Was werden sie daran ändern, dass die USA nun einmal tun, was sie für richtig halten? US-Außenministerin Hillary Clinton hat ja bereits klargestellt, dass die USA keineswegs darüber erfreut sind, dass Wikileaks so fleißig war. Der Aktentsunami bedrohe die nationale Sicherheit der USA und gefährde Leben. Gut, das erste ist klar, das zweite USA-typisch heuchlerisch – denn wenn es darum ginge, weltweit Menschenleben zu retten, könnten die USA einfach aufhören, andere Staaten mit ihren Vorstellungen von Demokratie und Freiheit bzw. Ruhe und Ordnung zu beglücken. Aber genau das ist nicht absehbar.

Genausowenig, wie absehbar ist, dass sich die USA in irgendeiner Form für das, was sie den Menschen im Irak (und in so vielen anderen Staaten, in denen die USA ihren menschenfreundlichen Terror verbreiten) angetan haben, verantworten werden müssen.

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Über modesty

Akademisch gebildetes Prekariat. Zeittypische Karriere: anspruchsvolle Ausbildung, langwieriger Berufseinstieg, derzeit anstrengender, aber schlecht bezahlter Job mit unsicherer Perspektive. Vielseitige Interessen, Literatur, Film, Medien, Wissenschaft, Politik, Geschichte, Gesellschaft, Zeitgeschehen. Hält diese Welt keineswegs für die beste aller möglichen, hofft aber, dass sie besser werden kann. Möchte gern im Rahmen der bescheidenen Möglichkeiten dazu beitragen.
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Eine Antwort zu Wikileaks enthüllt den Irak-Krieg – und jetzt?

  1. Sepp Aigner schreibt:

    Es ist, finde ich, schon wichtig, die Verbrechen im Detail zu veröffentlichen. Mächte wie die USA (oder auch Deutschland) sind Meister im Vertuschen. Die Wikileaks-Fleissarbeit wird noch in Jahrzehnten abrufbar sein und macht Geschichtsklitterung schwieriger. Ich glaube, den meisten Menschen ist auch nicht so klar wie den wenigen politisch interessierten, was für ein Ausmass die Kriegsverbrechen im Irak haben. Die neue Veröffentlichung wird das vielen präsenter machen.
    Mehr ist nicht. An der USamerikanischen Politik wird das natürlich keinen Deut ändern. Und problematische Seiten hat die Sache auch. Darauf hat heute opablog hingewiesen: http://opablog.twoday.net/stories/8400291/

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