Sarrazin und die SPD

Doch noch mal Sarrazin. Während viele Genossen in der SPD ihn lieber gestern als sofort losgeworden wären, verzögert jetzt auch noch das Baby von Andrea Nahles den Rauswurf des unbequemen Thilo. Denn Andrea ist Verfahrenbevollmächtigte der Partei und als solche für das Verfahren gegen Thilo Sarrazin zuständig. Wenn sie in den Mutterschutz geht, gibt es keinen Stellvertreter, also ruht das Verfahren.

Nun werden die Genossen die Zeit nicht nutzen, sich zu überlegen, warum genau sie ihren Vor- und Scharfrechner loswerden wollen. Keine Frage, dass die Gedanken, die Herr Sarrazin auch vor Erscheinen seines Aktendicken Machwerks über die Selbst-Abschafftung der Deutschen, immer mal wieder geäußert hat, äußerst bedenklich sind. Und zwar nicht nur, weil er über neue Erkenntnisse in Biologie und der Genetik nicht besonders gut informiert ist. Sondern weil sie in der Tendenz tatsächlich zusammenfassen, was viele Deutsche sich ebenfalls denken. Es ist ja keineswegs so, dass der Aufschrei, den Herr Sarrazin provoziert, ein schockierter wäre. Im Gegenteil, viele fühlen sich bestätigt, dass da einer mal laut sagt oder schreibt, was sich der deutsche Bürger so denkt.

Nämlich, dass Ausländer ganz okay sind, wenn sie arbeitsam sind, Geld verdienen und Deutschland voran bringen. Und die anderen, genau wie die faulen Sozialschmarotzer mit deutschen Vorfahren, eben nicht. Dass Religion auch in Ordnung ist, wenn sie denn irgendwie jüdisch-christlich daher kommt und nicht mit Schwert und Kopftuch (wobei es in der Bibel durchaus Stellen gibt, wo das ganz anders steht, aber sei’S drum) und Terrorbombern.

Dass es schlecht ist, wenn nur dumme und faule Menschen Kinder bekommen, die dann auch wieder dumm und faul werden und Deutschland mehr kosten als sie nutzen. Lieber sollen die fleißigen Klugen mehr Kinder bekommen, damit die dann auch klug und fleißig am steigenden Bruttosozialprodukt werkeln können.

Die Genossen in der SPD machen es sich zu einfach, indem sie Sarrazin die Rassisten-Ecke stellen. Aber dann müssen sie nicht weiter darüber nachdenken, was sie wirklich von den Gedanken des Herrn S. unterscheidet. Das ist bei genauer Analyse leider gar nicht so viel.

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Über modesty

Akademisch gebildetes Prekariat. Zeittypische Karriere: anspruchsvolle Ausbildung, langwieriger Berufseinstieg, derzeit anstrengender, aber schlecht bezahlter Job mit unsicherer Perspektive. Vielseitige Interessen, Literatur, Film, Medien, Wissenschaft, Politik, Geschichte, Gesellschaft, Zeitgeschehen. Hält diese Welt keineswegs für die beste aller möglichen, hofft aber, dass sie besser werden kann. Möchte gern im Rahmen der bescheidenen Möglichkeiten dazu beitragen.
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2 Antworten zu Sarrazin und die SPD

  1. Veronika Mertens schreibt:

    Die Politiker und auch die Medien, die Thilo Sarrazin nur aufgrund seiner Meinungsäußerung und auch der aufgestellten Thesen verurteilen, sollten sich schämen. Wir sind ein demokratisches Land, indem die freie Meinungsäußerung im Grundgesetz verankert ist. Thilo Sarrazin wird seit Jahren in den Medien verzerrt und unvollständig zitiert. Ich habe dieses Buch vollständig gelesen und finde weder Hinweise auf Rassismus noch falsche Aussagen. Es ist doch schließlich nicht neu, daß man sich als Deutscher teilweise wirklich als Fremder im eigenen Land fühlt.

    Auch unser für seine Rede zur Deutschen Wiedervereinigung hochgelobter Bundespräsident Wulf irrt sich, wenn er sagt, der Islam gehöre zu Deutschland. Ich möchte darauf hinweisen, daß es in unserer Geschichte zu keiner Zeit einen Zusammenhang mit dem Islam gab. Darüber sollte man nachdenken, bevor solche unqualifizierten Äußerungen in der Öffentlichkeit verbreitet werden.

  2. modesty schreibt:

    Dass es in Sarrazins Buch keine falschen Aussagen gibt, behaupte ich ausdrücklich nicht.
    Ich kritisiere Sarrazin durchaus und weise deshalb noch einmal auf meinen Sarrazin-Beitrag auf dem Ein-Euro-Blog hin. Allerdings kritisiere ich auch die SPD, die sich nicht ernsthaft mit dem auseinandersetzt, was Sarrazin sagt, sondern versucht, ihn kaltzustellen, damit sie sich mit den unbequemen Dingen, die Sarrazin ausspricht, eben nicht weiter auseinander setzen muss. Das ist feige und führt zu nichts.

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