Atomkraft, Krebs und Statistik

Die Bundesregierung sieht also keinen Zusammenhang zwischen dem maroden Atommülllager im Salzstock Asse und dem Anstieg von Krebsfällen in der Umgebung. Warum auch, denn dann würde es noch schwieriger, ein Endlager für das hochgiftige Zeugs zu finden.

Die erhöhten Krebsraten könnten nicht durch die Strahlenbelastung erklärt werden, wie es in der Antwort des Umweltministeriums auf eine Anfrage der Grünen heißt. Um den beobachteten Anstieg der Krebsfälle mit Strahlung erklären zu können, müsse „die Dosis etwa 10000-mal höher sein als beobachtet“ – behauptet zumindest die Parlamentarische Staatssekretärin Ursula Heinen-Esser (CDU). Eine Analyse seltener Krebserkrankungen in einer kleinen Region unterliege „zwangsläufig starken statistischen Schwankungen“. Ja, wenn nur noch starke Raucher in die Umgebung von Atommüll-Endlagern ziehen, beispielsweise. Oder andere Menschen, die durch ihren unvernünftigen Lebenswandel Krebs riskieren, weil sie sich ungesund ernähren. Oder zu viel mit dem Handy telefonieren – obwohl man die Schädlichkeit von Mobilfunkstrahlung ja auch noch nicht wissenschaftlich beweisen konnte. Dass WLAN-Funk Bäumen schadet, dagegen schon.

Gut, dass wir keine Bäume sind! Dann müssen wir nicht immer da rumstehen, wo es am meisten strahlt, sondern können uns wo anders hin bewegen, in einen Bunker beispielsweise, in den weder Mobilfunk- noch sonstige Strahlung dringt!

Mit der Statistik ist das ja so eine Sache, manchmal muss man sie gar nicht fälschen, sondern nur richtig interpretieren, um die gewünschten Ergebnisse zu erhalten: In Auswertungen einer bestimmten Anzahl von Gemeinden könnten höhere Erkrankungsraten allein aufgrund des statistischen Zufalls gefunden werden. Im Landkreis Wolfenbüttel selbst seien die Daten unauffällig, wiegelt das Ministerium ab. Das kann ja sein, aber interessant ist es schon, dass gerade um Atomanlagen herum immer besonders krebsaffine Leute wohnen. Ich habe Freunde, die in der Umgebung des Atomkraftwerks Krümmel aufgewachsen sind. Dort gibt es ebenfalls eine Häufung von Leukämieerkrankungen. Ein Freund erzählte mir, dass aus seinem Abiturjahrgang schon vier seiner Freunde an Krebs gestorben seien. Er ist wie ich ein Endsechziger-Jahrgang, die Leute sind also mit Anfang 40 noch nicht in einem Alter, wo man langsam Krebs bekommt, wenn man an den typischen Alterskrankheiten nicht sterben will.

Aus meinen Abijahrgang wüsste ich noch keinen, der an Krebs gestorben ist, aber ich hatte auch das Glück, in einem sehr strukturschwachen Gebiet aufzuwachsen, in dem das nächste Atomkraftwerk in sicherer Entfernung lag. Wobei das relativ nächste AKW Würgassen auch dafür bekannt war, dass sich in seiner näheren Umgebung eine signifikant höhere Krebsrate bei Kindern auftrat. Schon gemein, dass die empfindlichen Leute immer in den falschen Gebieten wohnen.

Nun ist es aber so, dass der Staat natürlich weiß, dass es Risiken beim Betrieb von Atomanlagen gibt. Das ist durchaus einkalkuliert. Dafür gibt es ja ein Bundesamt für Strahlenschutz und diesen ganzen Apparat. Wenn der Staat nicht wüsste, dass Atomkraft gefährlich ist, könnte er sich das auch sparen. Er weiß es aber, und er will das Risiko managen. So lange nur ein paar und nicht zu viele Leute sterben, ist das ein vertretbares Risiko. Und so lange es so wenige sind, die deshalb sterben, dass man das auch mit dem statistischen Rauschen erklären kann, umso besser. Dafür gibt es dann auch Gegenden, in denen weniger sterben, als statistisch zu erwarten ist, so gleicht sich das alles aus. Wenn viel zu viele sterben, wie das nach der Katastrophe von Tschernobyl der Fall war, dann kann auch mal ein Staat an den Folgen (und den Kosten dafür) zusammenbrechen. Es ist davon auszugehen, dass die Bundesregierung, egal wer an der Regierung ist, keineswegs wünscht, dass eine solche Katastrophe eintritt.

Aber man sollte sich als Atomkraftgegner auch nicht der Illusion hingeben, der Staat könnte doch eigentlich nicht wollen, was er da tut. Die guten Leute in der Regierung könnten den Leuten doch nicht so etwas gefährliches und giftiges wie Atomkraftwerke und Atomend- oder Zwischenlager in ihren Nachbarschaft zumuten. Doch, das können die. Und das tun die auch. Und nicht, weil die das für ungefährlich halten. Sondern weil sie meinen, dieses Risiko müssen man eingehen, wenn man in der Atomindustrie auf dem Weltmarkt mitspielen will.

Wenn man wirklich will, dass das anders wird, muss man in der Kritik sehr viel fundamentaler und radikaler werden, als die Anti-Atom-Bewegung das derzeit ist. Nichts gegen die Leute, die sich dafür einsetzen, dass dieser Wahnsinn endlich aufhört. Aber es hat keinen Sinn, seinen Protest an eine Regierung zu adressieren, die beschlossen hat, dass Atomkraft nun einmal dazu gehört – trotz der bekannten Risiken für Mensch und Umwelt und trotz der enormen Kosten, die für den weiteren Betrieb (allein was so ein blöder Castor kostet, vom Transport ganz zu schweigen…) und die Endlagerung des Mülls noch aufzuwenden sind.

Über modesty

Akademisch gebildetes Prekariat. Zeittypische Karriere: anspruchsvolle Ausbildung, langwieriger Berufseinstieg, derzeit anstrengender, aber schlecht bezahlter Job mit unsicherer Perspektive. Vielseitige Interessen, Literatur, Film, Medien, Wissenschaft, Politik, Geschichte, Gesellschaft, Zeitgeschehen. Hält diese Welt keineswegs für die beste aller möglichen, hofft aber, dass sie besser werden kann. Möchte gern im Rahmen der bescheidenen Möglichkeiten dazu beitragen.
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3 Antworten zu Atomkraft, Krebs und Statistik

  1. Axel schreibt:

    Endlager für alle ! Wer will noch eins, wer hat noch keins ? Heute im Angebot !
    Die Nikolausaktionswoche: Bauen Sie zwei Endlager für den Preis von einem. Nur solange der Vorrat reicht. Greifen sie zu solange die Castoren noch warm sind ! Und das ist noch nicht alles. Dazu gibt´s noch einen Kipplader, eine Wasserpumpe und 5 Mio. Euro Bestechungsgeld für den Standort ihrer Wahl, gratis ! Schlagen sie ein ! Die ersten 10 Standorte bekommen noch ein Gefälligkeitsgutachten oben drauf, für nix.

  2. Ireneusz Cwirko schreibt:

    Die Untersuchungen zu der Ursachen der Häufung der Krebsfälle werden zu keinem Ergebnis führen, weil die Modelle der Unwissenschaft im Bezug auf die Elementarteilchen und die Ursachen der gravitativen Wirkung einfach vorbei an der Wirklichkeit gehen.

    Auf Grund meiner Überlegungen zu der Beschaffenheit der Materie und des Raumes würde ich Behaupten, dass es doch ein Prozess gibt der eine erhöhte Rate der Krebserkrankungen zu Folge haben kann.
    Wer mehr über die Grundlagen erfahren möchte könnte sich auf meiner Internetseite informieren.
    http://www.cwirko.de

    Stark abgekürzt sieht dieser Vorgang wie folgt:

    Ein Bestandsteil des Zerfallsprozesses der Atome ist die Entstehung der Elementarelemente des Raumes der Vakuolen. Das hat aber zur Folge dass die Oszillation der schon in einem Raumvolumen enthaltenen Vakuolen auf die neuentstandene Vakuolen aus den Zerfallsprozessen übergehen müssen. Insgesamt bewirkt dass aber, dass die Synchronisation der Rotation der Materie bildenden Vakuolen gestört wird und so eine Störung der gravitativen Wirkung verursacht.

    Wenn wir es das einfach uns darstellen möchten würde es bedeuten, dass in einer Umgebung der radioaktiven Quelle eine negative Gravitationsanomalie sich bildet.

    Bei der Benutzung von sehr empfindlichen Graviemeter kann ich mir vorstellen diesen Effekt experimentell messen zu können.

    Diese Verringerung der gravitativen Wirkung hat aber ein destruktiver Einfluss auf die biologischen Prozesse insbesondere auf die Faltung der Proteine und die Rekombination der DNA und RNA. Bei Verringerung der Synchronisation der Oszillationen der Materie werden die Proteine nicht ordentlich gefaltet. Solche falsch gefaltete Proteine sind für den Organismus unbrauchbar in schlimmsten Fall aber schädlich.
    In Verbindung mit verstärkt auftretendem Fehler bei Rekombination der DNA und RNA kommt es zu Häufung der Krebsfälle. Weil die Kinder eine besonders hohe Rate solchen Prozesse Aufweisen ist diese Häufung auch besonders ausgeprägt.

    Natürlich ist die Zahl der Erkrankungen bedauerlich aber wir konzentrieren uns nur auf einer Spitze des Eisberges,
    Die Wirkungen sind viel gravierender und belasten die gesamte Population in der Region. Der menschliche Organismus ist sehr plastisch und in der Lage mit solchen Störungen für gewisse Zeit klar zu kommen. Mit dem Alter verringert sich diese Fähigkeit zu Selbstregeneration und die Menschen sterben viel früher auf Grund von Krankheiten die man nie in Leben in Verbindung mit radioaktiven Strahlung bringen würde.

    Deswegen sollten die Untersuchungen auch die Lebenserwartungsrate (von Menschen die seit 70-er Jahren in der Umgebung von Asse leben) berücksichtigen. Meiner Meinung nach liegt sie in der Umgebung von Atomlager und Atomkraftwerken deutlich niedriger als wo anders.
    Die Menschen dort sterben also viel früher weil die Störung der Prozesse der Synthese der Proteine generell gestört ist und zu ganzen Reihe der Krankheiten führt..

    Diesen Effekt lässt sich nur durch die breit angelegten Genetischen Untersuchungen von tausenden von Menschen beweisen, was natürlich Kostenmäßig nicht zu bewältigen ist.

    Aber Sterblichkeitsrate ist ein sicheres Indiz für diesen Mechanismus.

  3. Pingback: Fatale Mischung: Technikgläubigkeit und Gottvertrauen | Gedanken(v)erbrechen

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