Danke WikiLeaks! Ihr habt die FDP geoutet!

Jetzt doch noch mal WikiLeaks.

Ich muss zugeben, dass ich bislang nicht besonders freundlich über WikiLeaks gedacht und geschrieben habe – aber mir war einfach nicht klar, was es bringen soll, das Internet und somit „die Öffentlichkeit“ mit einem Wust von Informationen zu fluten, die für sich genommen sicherlich interessant, aber unkommentiert und unredigiert für Normalos kaum zugänglich sind. Es hat halt nicht jeder die Zeit und das Wissen, den Kram zu sichten und sich dann einen Reim drauf zu machen. Bis auf dieses ekelhafte Irak-Video da. Also nicht ekelhaft, weil WikiLeaks es veröffentlich hat, sondern weil es halt ekelhaft ist.

Seit ich die Berichterstattung über den zweiten Golfkrieg 1990/91 verfolgt habe, weiß ich, dass auch ein Videobeweis gefälscht sein kann. Zur Erinnerung für alle jüngeren: Das war der Krieg, der letztlich seine Rechtfertigung durch ein Video von Hill & Knowlton erhielt. Das ist eine US-PR-Firma, die im Auftrag der kuwaitischen Regierung ein Video drehte, in dem angeblich kuwaitische Babies von brutalen Irakern aus ihren Brutkästen gerissen wurden und deshalb auf dem kalten Krankenhausboden sterben mussten – eine Geschichte, die von hinten bis vorn erstunken und erlogen war, außer, dass die Iraker tatsächlich einen Grenzkonflikt mit Kuwait hatten. Das Video wurde aber als „authentischer Augenzeugenbeweis“ verkauft und in sämtlichen Nachrichtensendungen gebracht. Genau wie die angebliche Zeugenaussage einer jungen Kuwaiterin vor dem Kongress der Vereinigten Staaten, die die Abgeordneten dazu brachte, für die militärische Intervention zu stimmen.

Nein, Saddam Hussein war bestimmt kein netter Typ. Trotzdem haben die USA ihn unterstützt, solange er nützlich war. Danach haben sie ziemlich viel investiert, um ihn zu beseitigen, weil er ihnen gefährlich wurde. Der Irak ist bis heute ein Trümmerfeld und es wundert mich nicht, dass dort eigentlich nichts bis auf Terror funktioniert. Aber ich schweife ab.

Inzwischen habe ich noch einmal ernsthaft nachgedacht und mir einen Reim gemacht. Nein, ich hab den ganzen Kram nicht gelesen, dazu hatte ich leider keine Zeit. Aber wenn ich mir so ansehe, was alles gegen WikiLeaks und Julian Assange persönlich in Stellung gebracht wird – da steckt richtig was dahinter. Natürlich können die Amis das jetzt nicht auf sich sitzen lassen. Also dass sie undiplomatische Diplomaten haben, aber alles andere eben auch. Da werden eben mal Server-Kapazitäten für WikiLeaks von Amazon abgeklemmt – die wollen halt ihre eigenen Dienste im Netz behalten, was man ihnen letztlich nicht mal übel nehmen kann, die Welt ist halt, wie sie ist. Und Paypal, tja, Kohle ist halt die Grundlage von allem. Immerhin ist WikiLeaks noch am Netz, wie ich eben festgestellt habe. Das ist das Tolle am Internet, es ist halt anarchisch.

Vor ein paar Tagen hat Assange sich trotz internationalem Haftbefehl in einem Chat geäußert und ich hoffe doch sehr, dass es genügend Leute gibt, die letztlich gut finden, was er da macht, und ihn entsprechend unterstützen. Auch wenn sich das – zumindest für mich – nicht auf den ersten Blick erschlossen hat, was er eigentlich will.

Sorry, ich find halt nicht alles gut, was alle irgendwie gut finden. Oder halt nicht alle, es gibt ja momentan eine Menge, die das überhaupt nicht gut finden. Aber wenn genau die Leute, die immer von Freiheit überhaupt und Freiheit der Information faseln, genau diese Freiheit bekämpfen, wenn sie mal statt findet, dann muss man einfach mal darüber nachdenken, wessen Freiheit die eigentlich verteidigen. Jedenfalls nicht die Freiheit an sich. Und auch nicht die Freiheit von jedem. Sonst wäre WikiLeaks ja kein Problem.

Genau dazu gibt es einen schönen Beitrag, den ich auf contradictio gelesen habe. Warum selbst formulieren, was andere schon aufgeschrieben haben. Damit bestätige ich nebenbei auch eine Vermutung von Sepp Aigner, dessen Blog ich ebenfalls empfehle.

Und, ganz am Rande: Es freut mich diebisch, dass WikiLeaks ausgerechnet diese blöde FDP bloß stellt. Die anderen Parteien in Deutschland sind zwar auch peinlich, aber doch keine wie diese! Diese blöden Wichtigtuer, die man nicht mal erpressen muss, damit sie Interna ausplaudern?! Nein, aus reiner „Ich bin wichtig!“-Mentalität verraten die alles an jeden und jede. Ich hätte ja nicht gedacht, dass die FDP in meiner Achtung noch sinken könnte, aber sie hat es geschafft!

Nein, Hilfe, als Verräter würde ich die jetzt nicht einstufen. Die sind tatsächlich so drauf. Diese typische Einschleimer- Anpasser- Arschkriechermentalität – und gerade das Arschloch glaubt, besonders wichtig zu sein. Kann man nichts machen. FDPler finden Kapitalismus gut und glauben an die Börse und an den Weltmarkt und dass alles, aber auch alles gut wird, wenn man nur die Steuern senkt. Bis auf die Mehrwertsteuer. Arschlöcher halt.

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Über modesty

Akademisch gebildetes Prekariat. Zeittypische Karriere: anspruchsvolle Ausbildung, langwieriger Berufseinstieg, derzeit anstrengender, aber schlecht bezahlter Job mit unsicherer Perspektive. Vielseitige Interessen, Literatur, Film, Medien, Wissenschaft, Politik, Geschichte, Gesellschaft, Zeitgeschehen. Hält diese Welt keineswegs für die beste aller möglichen, hofft aber, dass sie besser werden kann. Möchte gern im Rahmen der bescheidenen Möglichkeiten dazu beitragen.
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