Ramsauers Deutschkurs oder Klappstulle im ICE

Donnerwetter, Peter Ramsauer! Wenn auf die Bahn schon kein Verlass mehr ist und auch sonst nichts mehr funktioniert, dann muss man sich auf das Eigentliche besinnen. Und was ist eigentlicher als die schöne deutsche Sprache! Weg mit dem hässlichen Denglisch, her mit den guten deutschen Begriffen, dann weiß auch jeder gleich, was Sache ist. Ob Klapprechner oder Klappstulle, ob Tafelschreibblock oder Jahresendzeitfigur (geflügelt). Es geht doch nichts über ein gutes deutsches Wort zur rechten Zeit!

Jetzt gibt es zumindest im Verkehrsministerium wieder Projektgruppen statt einer Task Force, es werden Ideen gesammelt und nicht das Brain gestormt. Und ganz ehrlich, warum sollte man eine Auftaktveranstaltung auch „Kick-Off-Meeting“ nennen? Überhaupt die schöne alte Veranstaltung, wie solide klingt dieser Begriff gegen das flüchtige und unverbindliche Event, selbst wenn dieses ohne Ende gehypt wird. Auch wenn der biedere Veranstaltungsort dann schon wieder deutlich hinter der coolen Location zurückfällt. Aber man kann nicht alles haben, eine urbane Location mit Eventcharakter, sowas geht natürlich gar nicht, das kann dann ruhig wieder Bahnhof heißen, selbst wenn der tiefer gelegt wird. Cool und deutsch schließt sich halt aus. Und das macht auch nichts. Vielleicht werden Fahrscheine wieder bezahlbar, wenn sie nicht mehr als hochnäsiges Ticket daher kommen? Und den Service-Point kann man getrost abschaffen, denn Service findet ohnehin nicht mehr statt.

Wobei, Service gabs früher auch nicht, das hieß einmal Kundendienst, soweit ich mich erinnere, oder auch Kundenbetreuung. Auf den Punkt gebrachter Kundendienst wäre natürlich zu schön um wahr zu sein. Da bringt man die Leute nur auf falsche Gedanken. Also weg mit dem Service-Point, schließlich heißt das Travel-Management jetzt auch wieder ganz bescheiden Reisestelle. Wenn der Verkehrsminister nach dieser mutigen und entschlossenen Initiative für die deutsche Sprache auch dafür sorgen würde, dass die deutsche Bahn wieder zuverlässig und zu vernünftigen Preisen funktioniert, wären viele Menschen sicherlich noch glücklicher. Doch leider ist das nicht zu erwarten, den der ICE wird nicht in „Großstadt-Verbindungs-Schnellzug“ umbenannt. Wobei auch niemand was dagegen hätte, wenn zwischen kleinen Städten auch ab und zu mal ein Regionalzug fahren würde. Am besten pünktlich.

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Über modesty

Akademisch gebildetes Prekariat. Zeittypische Karriere: anspruchsvolle Ausbildung, langwieriger Berufseinstieg, derzeit anstrengender, aber schlecht bezahlter Job mit unsicherer Perspektive. Vielseitige Interessen, Literatur, Film, Medien, Wissenschaft, Politik, Geschichte, Gesellschaft, Zeitgeschehen. Hält diese Welt keineswegs für die beste aller möglichen, hofft aber, dass sie besser werden kann. Möchte gern im Rahmen der bescheidenen Möglichkeiten dazu beitragen.
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