Langweiler leben länger

Gute Nachricht für alle, deren Leben nicht Klatschmagazin-tauglich ist: Langweiler leben länger! Das jedenfalls haben die US-Psychologen Howard Friedman und Leslie Martin heraus gefunden. Gleichzeitig erteilen sie der gesamten Ratgeber-Branche eine entschiedene Absage, denn Gesundheits- und Ernährungstipps oder Empfehlungen für bestimmte Sportarten seien wirkungslos. Und auch die notorische Behauptung, dass Optimismus ein längeres Leben befördere halten sie für falsch. Im Gegenteil zeige sich, dass gerade Optimisten, die immer daran glauben wollen, dass sie für ihre positive Einstellung zum Leben belohnt werden, häufig weniger lange leben als skeptische Menschen, eben weil Optimisten eher Risiken eingehen, die ein vorsichtiger Mensch vernünftigerweise vermeidet.

„Es ist gut belegt, dass glückliche Menschen gesünder sind. Viele nehmen deshalb an, dass Glück zu Gesundheit führt, aber wir konnten das nicht feststellen. Eine gute Arbeit zu haben, mit der man etwas anfangen kann, eine gute Bildung, eine gute und dauerhafte Liebesbeziehung, Kontakt zu anderen Menschen – diese Dinge führen zu Gesundheit und Glück.“

Andererseits ist es natürlich schon erstaunlich, dass man für die triviale Feststellung, dass es kein Rezept für ein langes Leben gibt, jahrelange Studien betreiben muss.

Natürlich bleibt einmal mehr festzustellen, dass Menschen, denen es gut geht, länger leben, als solche, denen es schlecht geht. Zahlreiche Studien belegen immer wieder, dass arme Menschen früher sterben als gut situierte, die sich nicht nur ein insgesamt angenehmeres Leben, sondern auch bessere medizinische Versorgung leisten können. Dazu passt auch, dass immer wieder Statistiken veröffentlicht werden, die zeigen, dass sich der Gesundheitszustand von Menschen, die arbeitslos sind, verschlechtert, weshalb sie durchschnittlich nicht so lange leben, wie Menschen, die einen guten Job haben. Das spielt nämlich auch eine Rolle: Leute, die schwer schuften müssen, dafür aber schlecht entlohnt werden, werden auch nicht alt. Wer dagegen gut verdient und sich dafür nicht übermäßig anstrengen muss, hat das große Los gezogen.

Aber es gibt trotzdem individuelle Faktoren, natürlich können auch Reiche sich zu Tode saufen oder mit dem Porsche gegen einen Brückenpfeiler brettern, während manche arme Oma vielleicht besonders alt wird, weil sie sich nie Fastfood und sonstige Drogen leisten konnte und immer mit dem Rad fahren musste, weshalb sie fit wie ein Turnschuh geblieben ist.

Aber inzwischen weiß ein jeder, der mit offenen Augen durch die Welt geht, dass die Behauptung, dass jeder seines Glückes Schmied sei, eine verdammte Lüge ist: Natürlich ist es gut, sich einer gesunden Lebensweise zu befleißigen, wenn man lange leben will. Wie man lebt, hängt in erster Linie davon ab, ob schon die Eltern Geld hatten oder nicht.

Klar, man kann sich auch aus ungünstigen Verhältnissen nach oben arbeiten, aber die Regel ist das nicht. Wer sich nicht anstrengt, hat gar keine Chance. Wer sich geschickt anstellt und bereit ist, viel zu leisten kann Glück haben und belohnt werden. Aber man kann sich auch zu den aktuellen Niedriglöhnen ins Elend arbeiten oder gar keine Chance bekommen, obwohl man gute Zeugnisse und auch sonst alles richtig gemacht hat. Wie glücklich und gesund man damit langfristig sein kann, sei einmal dahin gestellt.

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Über modesty

Akademisch gebildetes Prekariat. Zeittypische Karriere: anspruchsvolle Ausbildung, langwieriger Berufseinstieg, derzeit anstrengender, aber schlecht bezahlter Job mit unsicherer Perspektive. Vielseitige Interessen, Literatur, Film, Medien, Wissenschaft, Politik, Geschichte, Gesellschaft, Zeitgeschehen. Hält diese Welt keineswegs für die beste aller möglichen, hofft aber, dass sie besser werden kann. Möchte gern im Rahmen der bescheidenen Möglichkeiten dazu beitragen.
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2 Antworten zu Langweiler leben länger

  1. Lisa schreibt:

    Ich denke auch, dass es kein Patentrezept für Glück und Gesundheit gibt, allerdings klafft durch die ständigen negativen Gesundheitsreformen die Versorgung bei gesundheitlichen Mängeln schon sehr auseinander und wird immer mehr abhängig von der Größe des Geldbeutels. Zudem werden ja viele Krankheiten durch psychische Belastungen und Sorgen ausgelöst, die natürlich bei Geldproblemen mehr präsent sind als wenn man finanziell abgesichert ist. Allerdings nützt umgekehrt auch alles Geld nichts, wenn man krank ist und das Geld nicht genießen kann.

  2. Pingback: Wer schlechter lebt, ist schneller tot | Klardenker Esslingen a. N.

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