Nato sei Dank: Libyer dürfen wieder ans Meer!

Eigentlich wollte ich nichts mehr zu den aktuellen Nachrichten aus Libyen schreiben, weil die ohnehin so dermaßen verlogen und blöd sind, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll: Überraschenderweise haben auch die Geheimdienste der westlichsten Demokratien eng mit Gaddafi zusammen gearbeitet. Nein so etwas! Als ob sich CIA und Co jemals zu schade gewesen wären, mit Tyrannen und Diktatoren schlimmsten Kalibers zu kooperieren. Im Gegenteil. Typen wie Augusto Pinochet, Manuel Noriega oder Saddam Hussein wären ohne die Hilfe der CIA doch kaum an die Macht gekommen und vor allem geblieben – es wäre doch viel eher eine Nachricht gewesen, wenn die Geheimdienste nicht mit ihrem lieben Freund Gaddafi zusammen gearbeitet hätten. Im Antiterror-Kampf ist bekanntlich jedes Mittel recht, warum also nicht gleich echte Experten ran lassen, wenn es um die „Befragung“ von Terrorverdächtigen geht?

In Deutschland werden Polizisten ja schon für die Androhung von Folter bestraft, selbst wenn es darum geht, einem Kindesentführer sein Opfer zu entreißen (welches leider schon tot war, als sich die Ermittler noch darum bemühten, es zu retten). Also lieber Fachkräfte ranlassen, die nicht von demokratischen Skrupeln in der Ausübung ihrer Tätigkeit gehindert werden, sondern effizient Ergebnisse liefern. Wie beispielsweise die geschätzten Kollegen vom libyschen Geheimdienst.

Baden am Müggelsee

Nein, natürlich ist das nicht Libyen, sondern nur der Müggelsee. Aber der wurde vor gut 20 Jahren ebenfalls befreit. Nur Victory-Zeichen sieht man keine mehr

Die Tagesschau hat es jetzt aber doch geschafft, mich mit einer Meldung über die neuen Badefreuden im befreiten Rebellistan so aufzuregen, dass ich doch noch ein paar Worte ablassen muss. Dieser Beitrag hat auf jeden Fall einen Ehrenplatz auf dem Friedhof der bescheuertsten Meldungen verdient: Die Libyer dürfen nun endlich Gaddafis Privatstrand benutzen! Dafür haben die vergangenen Monate des Nato-Bombenterrors ja wirklich gelohnt. Die Leute sind so glücklich, dass sie sogar ohne richtige Badesachen ins Meer springen! Nun, vielleicht haben sie gar keine mehr, weil ihre Häuser samt Inhalt in Schutt und Asche gelegt wurden. Aber nun können sie es sich ja in Gaddafis schicken Strandhäuschen bequem machen. Und befreit in Unterwäsche baden gehen. Als ob es unter Gaddafi keinen Strand und kein Meer für die Libyer gegeben hätte. Sogar die Sonne soll gelegentlich geschienen haben. Aber was ist all das gegen die neue Freiheit…

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Über modesty

Akademisch gebildetes Prekariat. Zeittypische Karriere: anspruchsvolle Ausbildung, langwieriger Berufseinstieg, derzeit anstrengender, aber schlecht bezahlter Job mit unsicherer Perspektive. Vielseitige Interessen, Literatur, Film, Medien, Wissenschaft, Politik, Geschichte, Gesellschaft, Zeitgeschehen. Hält diese Welt keineswegs für die beste aller möglichen, hofft aber, dass sie besser werden kann. Möchte gern im Rahmen der bescheidenen Möglichkeiten dazu beitragen.
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2 Antworten zu Nato sei Dank: Libyer dürfen wieder ans Meer!

  1. Und wann darf damit gerechnet werden, daß der Griebnitzseestrand befreit wird?

    Und all die anderen schönen seen, die in Brandenburg privatisiert worden sind, damit die fetten bonzen dort unter sich sind?

    Wenn das freiheit ist, daß das volk an privatstränden baden darf, dann gibt es die hier nicht.

    • modesty schreibt:

      nee anders herum: Genau das ist Freiheit! Also, dass Strände privatisiert werden. Jeder hat die Freiheit, sich einen Privatstrand zu kaufen. Theoretisch. Gaddafi hat seinen Privatstrand nicht unter demokratisch-marktwirtschaftlichen Bedingungen privatisiert, das ist also etwas ganz anders. Ein quasi diktierter Privatstrand geht gar nicht. Genauso, wie die Kommunalpolitiker in Potsdam lange nicht begreifen wollten, dass sie keinen öffentlichen Weg am Griebnitzsee diktieren können. Die hätten den Uferstreifen ja zum Vorzugspreis kaufen können. Haben sie aber nicht. Sie wollten die Grundstücke verkaufen, aber den Uferweg behalten. So etwas ging nur in der DDR. Schade eigentlich.

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