Nachrichten-Sender machen blöd

Jetzt ist es wissenschaftlich nachgewiesen: Nachrichten im Fernsehen tragen zur Verblödung bei – insbesondere wenn sie von Sendern kommen, die ein bestimmtes Sendungsbewusstsein haben. Mir fallen da spontan ein paar deutsche Sender ein, auf die das auch zutreffen könnte, aber in der Studie der Fairleigh Dickinson University im US-Staat News Jersey ging es um den US-Sender Fox News. Die Forscher stellten fest, dass jemand, der gar keine Nachrichten sieht, über aktuelle politische Ereignisse besser Bescheid weiß, als jemand, der seine Informationen über Fox News bezieht. Nun kann es natürlich durchaus sein, dass das die Absicht dahinter ist – die Leute sollen gar nicht informiert, sondern immun gemacht werden gegen Fakten, die den Verantwortlichen nicht in den Kram passen. Klappt offenbar ganz prima.

Das geht hier auch ohne Fox News. So wird derzeit überall behauptet, dass es auf dem Arbeitsmarkt derzeit allen Krisen zum Trotz ganz gut aussehen würde. Focus titelt „Milder Herbst sorgt für Rekordtief“ , der Spiegel schreibt „Arbeitslosigkeit sinkt im November überraschend stark“ und in der Süddeutschen lesen wir: „Arbeitsmarkt immun gegen Finanzmarkt-Turbulenzen“ . In der Tagesschau heißt es „Zahl der Arbeitslosen sinkt weiter“ . Und so weiter und so fort, es gibt ja sonst nicht viele gute Nachrichten. Und die braucht es derzeit dringend, denn damit kann man wunderbar davon ablenken, dass bei Großunternehmen die systematische Vernichtung von Arbeitsplätzen ungebremst weiter betrieben wird – denn jeder Angestellte mehr verursacht nur überflüssige Kosten, die den Gewinn schmälern.

Bei Banken und Versicherungen ist im Zuge der segensreichen Dauerkrise ein permanenter Stellenabbau im Gange, aber natürlich nicht nur dort: Der größte deutsche Stromkonzern Eon hat vor ein paar Tagen bestätigt, dass er 11.000 der weltweit insgesamt 80.000 Stellen abbauen werde, davon 6.500 Arbeitsplätze in Deutschland. Und nebenbei kann Eon der Bundesregierung noch elegant einen reinkoffern, weil als Begründung für diese Entlassungswelle der von Schwarzgelb beschlossene Atomausstieg herhalten muss.

Einer der größten Telefonnetzwerk-Ausrüster der Welt, Nokia Siemens Networks, will die Anzahl seiner Beschäftigten um 25 Prozent zu kürzen und international 17.000 Arbeitsplätze streichen, darunter ebenfalls Tausende in Deutschland. Aber auch die Telekom hat massiv Stellen abgebaut, andere Konzerne ziehen in Regionen weiter, wo die Leute noch billiger sind – so wie Nokia von Bochum nach Rumänien gegangen ist und von dort weiter nach Asien. Der Druckmaschinen-Hersteller Manroland, ebenfalls einer der größten seiner Art, hat Insolvenz angemeldet – und es ist abzusehen, dass auch hier von den 6.500 Arbeitsplätzen nicht allzu viele übrig bleiben werden, sofern der Konzern nicht komplett platt gemacht wird.

Dazu kommt seit Jahren der Stellenabbau im öffentlichen Dienst, weil ja gespart werden muss, auch im Gesundheitswesen klagen die Leute, dass immer weniger Mitarbeiter immer mehr schaffen müssen, weil überall gespart und gestrichen wird. Ärzte und Klinikpersonal streiken immer wieder, weil die Belastung kaum noch auszuhalten ist. Und auch im Bildungswesen werden gut ausgebildete Fachkräfte zunehmend durch ungelernte Billig-Jobber ersetzt – statt teurer studierter Lehrkräfte übernehmen zunehmend fachfremde Honorarkräfte den Unterricht. Nicht, dass ich etwas gegen Förster, Bürokaufleute oder Fremdsprachensekretärinnen hätte, im Gegenteil, ich finde es gar nicht schlecht, wenn Leute aus der Praxis Schülern etwas bei bringen. Dass man die Leute aber einen hammerharten Lehrerjob für einen Bruchteil eines üblichen Lehrergehalts machen lässt, und das ohne die Sicherheit des unkündbaren Beamtenstatus samt komfortabler Pension – das ist himmelschreiend. Und man kann jemanden, der entweder die Wahl hat, gar kein Geld zu verdienen, oder einen unvorteilhaften Honorarvertrag zu unterschreiben, natürlich auch nicht verdenken, dass sich in der Situation lieber für den beschissenen Honorarjob entscheidet.

Denn arbeitslos zu sein entgegen aller Gerüchte, die irgendwelche Westerwelles oder Sarrazins in die Welt setzen, kein Vergnügen – auch wenn die Zahl der Arbeitslosen ja wunderbarerweise immer geringer wird. Wie kommt das also zustande? Grippewelle? Masern? BSE?

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Über modesty

Akademisch gebildetes Prekariat. Zeittypische Karriere: anspruchsvolle Ausbildung, langwieriger Berufseinstieg, derzeit anstrengender, aber schlecht bezahlter Job mit unsicherer Perspektive. Vielseitige Interessen, Literatur, Film, Medien, Wissenschaft, Politik, Geschichte, Gesellschaft, Zeitgeschehen. Hält diese Welt keineswegs für die beste aller möglichen, hofft aber, dass sie besser werden kann. Möchte gern im Rahmen der bescheidenen Möglichkeiten dazu beitragen.
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2 Antworten zu Nachrichten-Sender machen blöd

  1. Norbert schreibt:

    Du hast recht, und es ist unbestritten, daß die Blöden immer mehr werden. Derweil werden die Daumenschrauben zunehmend fester angezogen, und der deutsche Michel glotzt verdutzt ob der Katastrophen… „Nein, nur ja keine griechischen Verhältnisse! Wir haben in Doitschland ja eine Demokratie, und da muß die Politik endlich mal was unternehmen!“ – Was soll man dazu sagen? Diese Welt ist eben NICHT die beste aller möglichen…

  2. burakumi schreibt:

    Kleiner Film Tipp am Rande, es geht um die Quote der TV Industrie und ein paar Aussteiger: FREE RAINER Absolut empfehlenswert.

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