Das ist echt swag! Über Jugendworte, die keiner kennt

Kann ja sein, dass ich einfach zu alt bin. Aus der Perspektive meiner Kinder bin ich ohnehin hoffnungslos überaltert (auch wenn meine Eltern mir noch immer nicht glauben, dass ich schon seit Ewigkeiten erwachsen bin). Aber das Jugendwort des Jahres 2011 ist ja wohl mehr als ein epic fail, das kennt nämlich wirklich keiner: swag.

Ich hab’s getestet! Nicht eine/r von meinen jungen Kollegen und Kolleginnen, allesamt mit überdurchschnittlicher Internet-Bildung und einem von aktueller Coolness durchdrungenen Wortschatz gesegnet, kannte diesen Begriff. Und nicht mal meine fortgeschrittenen Teenie-Kinder konnten damit etwas anfangen! Obwohl sie seit Jahren nur noch diesen fürchterlichen Chat-Slang sprechen, der geschrieben ohnehin nur aus einer eigenartigen Kombination von Akronymen und Sonderzeichen besteht.

Vermutlich hat sich die Jury gedacht: „Dieses Mal nehmen wir ein Jugendwort, das so cool und abgefahren ist, dass nicht mal die Jugendlichen es kennen!“ Und voilà, der-die-das Swag erblickte die Welt. Dieses Wort hat alles, aber keine beneidenswerte, lässige Ausstrahlung, die es angeblich beschreiben soll – und, da bin ich ja voll altmodisch, warum muss das deutsche Jugendwort des Jahres ein Begriff sein, der niemals deutsch war oder jemals sein wird?

Bad Couture

Denglisch wird auch nicht besser, wenn es Frenglisch ist: Schlechte Schneiderei oder was?

Es ist ja nicht so, dass ich deutsch bzw. Deutsches für besser als alles andere halten würde, das ja nun wirklich nicht. Aber ich habe nun mal was gegen Denglisch. Es ist schlimm genug, wenn diese ganzen Polit- und Businessleute immer ihr Pseudoenglisch absondern, hier ein Iwent, da eine Messitsch, und dort ein megacooles Späschel am Point of Interest samt Service of No Return, wenn der Koalzenter-Äidschent am Ende der Warteschleife (warum gibt es dafür eigentlich keinen denglischen Begriff?!) mal wieder zero Ahnung hat oder einfach unzureichend gebrieft wurde. Nee ey, genug Ohrenkrebs!

Ich meine, dann doch wenigstens richtiges Englisch. Mit dem Jugendwort Nr. 2, dem epic fail, kann ich schon deutlich mehr anfangen. Da braucht man sich nur umzuschauen: Unsere ganze Bundesregierung ist ein prima Beispiel für einen veritablen epic fail. Inklusive so ziemlich allem, was sie tut oder lässt.

Auch mit dem Guttenbergen habe ich kein Problem, also mit dem Begriff, nicht unbedingt mit der Tat, die er umschreibt. Damit gerät hoffentlich nicht so schnell in Vergessenheit, wofür der Namensgeber KT von und zu eigentlich steht, sofern er tatsächlich wieder in die Politik will.

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Über modesty

Akademisch gebildetes Prekariat. Zeittypische Karriere: anspruchsvolle Ausbildung, langwieriger Berufseinstieg, derzeit anstrengender, aber schlecht bezahlter Job mit unsicherer Perspektive. Vielseitige Interessen, Literatur, Film, Medien, Wissenschaft, Politik, Geschichte, Gesellschaft, Zeitgeschehen. Hält diese Welt keineswegs für die beste aller möglichen, hofft aber, dass sie besser werden kann. Möchte gern im Rahmen der bescheidenen Möglichkeiten dazu beitragen.
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