2011 war ein schlimmes Jahr. Aber was kommt 2012?

2011 war ein schlimmes Jahr, gut dass es bald vorbei ist. Ich weine diesem Jahr keine Träne nach: Erst ein Frühling voll falscher Hoffnungen, die arabischen Volksaufstände, dann Fukushima. Die Wutbürger in Deutsch-Südwest wählen einen grünen Ministerpräsidenten, der jetzt den S21-Bau durchsetzen muss (da kann ich in all dem Elend ein schadenfrohes Grinsen nicht unterdrücken). Die USA unter dem ach so demokratischen Obama killen Osama, später EHEC statt Sonne und mitten im verregneten Sommer die Attentate in Norwegen und soziale Unruhen in London. Zwischendurch immer mal Bankenkrise, Finanzkrise, Wirtschaftskrise, Eurokrise, Untergang der Demokratie, vor allem in Griechenland, immer wieder Rettungsschirme und natürlich Sparpakete, so groß und schwer, wie nur das gemeine Volk sie tragen kann. Hungersnöte, Erdbeben, Überschwemmungen, ein irrer Krieg gegen Gaddafi, Zombie-Grippe-Viren aus dem Labor und der Atommüll bleibt in der Asse.

Ein Pessimist würde nun sagen, dass es ja kaum noch schlimmer werden kann – aber als unverbesserlicher Optimist sage ich natürlich: Doch, es kann. Und es wird noch schlimmer werden.

Warnhinweis: Dieser Fahrstuhl fährt Sie nicht in die Hölle

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Die Eurokrise ist inzwischen so gegenwärtig, dass sie in den Nachrichten kaum mehr vorkommt – ist ja bloß Geld, möchte man meinen, nur ist klar, wer am Ende wieder leer ausgeht. Jedenfalls nicht die, die eh schon mehr als genug Kohle haben. Dafür hat unsere kritische Presse zum Jahresende hin nochmals so richtig miese Schlagzeilen, denn selbst der Spiegel hat gemerkt, dass Deutschland zum Billiglohn-Land verkommen ist. Es gibt immer mehr Arbeitslose, die vorher so miese Jobs hatten, dass sie gleich Hartz IV bekommen, wenn sie wieder arbeitslos werden. Die Süddeutsche weiß, dass die Arbeitslosenstatistik geschönt wird und außerdem müssen immer mehr Rentner mit Abschlägen in Rente gehen, weil sie nicht bis 65 durchhalten oder zwischendurch arbeitslos waren. Altersarmut, Kinderarmut, Suppenküchen, Menschen mit komischen Masken auf öffentlichen Plätzen, Piraten im Parlament, der Verfassungsschutz schützt sich vor der Verfassung und lässt Neonazis unbehelligt morden, Super-Gutti wird beim Abschreiben erwischt, darf aber Baron der Herzen bleiben, die FDP hat keinen Bock und Angela Merkel noch ein paar Sorgenfalten mehr und das alles live per Twitter und auf Facebook. Und irgendwas war mit der Linkspartei. Oder nee, die NPD soll mal wieder verboten werden.

Kein Wunder, dass ich mich in diesem Jahr um Jahrhunderte gealtert fühle, obwohl es so schnell vorbei war. Jetzt noch ein paar letzte Jahresrückblicke und das sinnlose Jahresendgeballer überleben und auf zu neuen Ufern. Ist auch dringend nötig, denn das Wasser steht uns eh bis zum Hals. Einen guten Rutsch wünsche ich aus naheliegenden Gründen also nicht, dafür aber alles Gute und viel Glück. Wir werden es brauchen.

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Über modesty

Akademisch gebildetes Prekariat. Zeittypische Karriere: anspruchsvolle Ausbildung, langwieriger Berufseinstieg, derzeit anstrengender, aber schlecht bezahlter Job mit unsicherer Perspektive. Vielseitige Interessen, Literatur, Film, Medien, Wissenschaft, Politik, Geschichte, Gesellschaft, Zeitgeschehen. Hält diese Welt keineswegs für die beste aller möglichen, hofft aber, dass sie besser werden kann. Möchte gern im Rahmen der bescheidenen Möglichkeiten dazu beitragen.
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5 Antworten zu 2011 war ein schlimmes Jahr. Aber was kommt 2012?

  1. Sepp Aigner schreibt:

    Die Zeiten werden zwar ganz bestimmt nicht besser, aber ich wünsch Dir trotzdem ein gutes neues Jahr.

  2. vunkenvlug schreibt:

    auch dies jahr wird die welt in gewohnter manier untergehen

  3. vunkenvlug schreibt:

    dass es etwas eigenartiges werden würde, wenn ich mich ans schlagermachen setze, durftest Du erwarten.
    über die technischen mängel bitte ich hinwegzuhören. auch hier ist die idee bedeutsamer als ihre ausführung.
    das standbild stammt übrigens von einem nicht genannten friedhof. so habt Ihr auf verwundene weise anteil am zustandekommen des filmchens.

    so klein so tot

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