Ein Wort zur kritischen Berichterstattung

Inzwischen muss man als Zeitungsverleger oder Chefredakteur ja beleidigt sein, wenn einem der Wulff noch nicht auf die Mailbox gequatscht hat, um irgendwelche Berichterstattung über ihn zu unterbinden. Aber selbst wenn Wulff einige wichtige Presseleute vergessen hat: Der Mann einmal mehr bewiesen, dass er selbst der einzige ist, der ihm wirklich gefährlich werden kann: In einem Land, das sich so viel auf seine freie und kritische Presse einbildet (warum sie gar nicht frei und kritisch sein kann, habe ich an anderer Stelle geschrieben), ist der Versuch, irgendwelche Berichterstattung zu unterdrücken, geradezu eine Garantie für den Eröffnungsbeitrag in der Tagesschau. Gestern um 20 Uhr war es endlich so weit – und wie zu erwarten war, fielen die Kommentare dazu dann auch nicht besonders freundlich aus. Nicht, dass mir Christian Wulff in irgendeiner Weise leid täte – aber gibt es wirklich nichts wichtigeres zu berichten, als die Selbstdemontage eines hoffnungslos überschätzten CDU-Bundespräsidenten?

Offenbar nicht. Und auch das sagt sehr viel über den Zustand dieses Landes, seines Politpersonals und unserer freien und unabhängigen Presse aus.

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Über modesty

Akademisch gebildetes Prekariat. Zeittypische Karriere: anspruchsvolle Ausbildung, langwieriger Berufseinstieg, derzeit anstrengender, aber schlecht bezahlter Job mit unsicherer Perspektive. Vielseitige Interessen, Literatur, Film, Medien, Wissenschaft, Politik, Geschichte, Gesellschaft, Zeitgeschehen. Hält diese Welt keineswegs für die beste aller möglichen, hofft aber, dass sie besser werden kann. Möchte gern im Rahmen der bescheidenen Möglichkeiten dazu beitragen.
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2 Antworten zu Ein Wort zur kritischen Berichterstattung

  1. Sepp Aigner schreibt:

    Als Wulff noch der regionale Konzern-Repräsentant in Niedersachsen war, haben solche Spielchen hinter den Kulissen funktioniert. Der Mann kapiert offenbar nicht, dass er und sein Amt ein Nichts sind, wenn Springer und die ganze Meute ihn auf den Kicker nehmen. Die interessantere Frage ist aber, warum sie das tun. An dem überforderten Provinzbürokraten persönlich kann es nicht liegen. Es geht wohl um das Amt selber.

  2. DrBonn schreibt:

    Was ist hier eigentlich los? Bild inszeniert und alle folgen. Bild bildet tatsächlich Meinung und keiner merkt etwas. Eine eigene Meinung hat niemand mehr, nur der Bildhetze folgen alle. SZ, taz und Co sind auch nicht besser. Was hat der eigentlich so Schlimmes gemacht? Ist sonst nichts los? Langeweile und deswegen gegen den Kopf treten? Wer ohne Schuld ist…

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