Vorwahlkrampf auf Republikanisch

Ich weiß nicht, ob es anderen auch so geht, aber die Berichterstattung über die Vorwahlen für die US-Präsidentschaftskandidaten nervt mich. Die Namen der republikanischen Versuchspfosten sind einem längst geläufiger als die Namen der Spitzenkandidaten der demnächst anstehenden Landtagswahl im Saarland. Nicht, dass einen nicht interessiere sollte, was so auf der Welt vor geht – aber warum ausgerechnet dieses widerliche Schauspiel, wie sich konservative Multimillionäre gegenseitig mit Dreck bewerfen?

Denn eins soll das demokratische Wahlvolk in unserem schönen Lande bestimmt nicht daraus lernen: Wie Demokratie wirklich funktioniert. Dabei kann man das an Barack Obama sehr schön lernen: Die Leute haben einen sympathischen, gut aussehenden Mann gewählt, der für US-Verhältnisse ziemlich aufgeschlossen und sogar an sozialen Problemen interessiert zu sein schien. Endlich ein US-Präsident mit dunkler Hautfarbe, als ob ihn allein das schon qualifizieren würde, zu wissen, wie es im Ghetto abgeht. Und was haben sie bekommen?! Einen verdammten US-Präsidenten, der die Interessen der Vereinigten Staaten von Amerika in der ganzen Welt durchsetzt!

Der US-Präsident ist nämlich kein Mensch, sondern eine Funktion. Und er funktioniert ganz hervorragend. Nur nicht so, wie die zumeist weniger privilegierten Leute gehofft haben, als sie Obama ihre Stimme gaben. Seine drei großen Versprechen hat er (ätsch, Wahlversprechen gelten nur vor der Wahl!) nicht erfüllt: Das illegale Folterlager in Guantanamo existiert noch immer – unter anderem auch weil kein Land die angeblich dort festgehaltenen Terroristen aufnehmen will, obwohl sich inzwischen heraus gestellt hat, dass keineswegs nur Terroristen dort eingekerkert wurden.

Die Kriege in Afghanistan und im Irak sind nicht beendet. Im Gegenteil, es sind mehr US-Soldaten im Einsatz als zuvor – und es sterben auch weiterhin sehr viele Menschen, und keineswegs nur US-Soldaten. Es gibt verstärkt Drohnenangriffe gegen Taliban- und mutmaßliche al-Qaida-Kämpfer. Die USA haben im Frühjahr 2011 eine Eliteeinheit losgeschickt und den angeblichen Terror-Chef Osama bin Laden in Pakistan aufgespürt und gekillt – ohne auch nur den Ansatz eines ordentlichen Verfahrens. Was für eine Verrohung im Vergleich zu den aufwendigen Nürnberger Prozessen, bei denen die USA den Deutschen und der Welt beigebracht haben, dass man auch den abartigsten Naziverbrechern den Prozess machen muss, bevor sie verurteilt werden. Der Krieg gegen den Terror gleicht einer mittelalterlichen Hexenjagd – und unter dem Friedensnobelpreisträger Obama findet diese zu neuen blutigen Höhepunkten.

Und zu schlechter Letzt ist die Kluft zwischen Arm und Reich im eigenen Land unter dem angeblichen Sozialisten Obama nicht kleiner geworden, im Gegenteil, sie wird immer tiefer. Das liegt natürlich auch daran, dass die immer weiter nach rechts rückenden Republikaner inzwischen frei drehen und sich nicht einmal kleinste, zur Sanierung des Landes dringend notwendige, Zugeständnisse abringen lassen. Denn die USA sind ebenfalls ein potenzieller Pleitestaat, nur dass sie zu groß sind und zu viel (auch militärische) Macht haben, als dass man sie zu irgendetwas zwingen könnte, wenn es hart auf hart kommt. Sie sind halt systemrelevant für den kapitalistischen Weltbetrieb.

Statt vernünftigen moderaten Steuererhöhungen zuzustimmen, feiern die fundamentalistischen Betonköpfe lieber Tea-Parties und sich selbst. Sollen ihre Landsleute doch reihenweise in ihren Notunterkünften verrecken, wenn sie so blöd waren, in der Dauerwirtschaftskrise Job und Haus zu verlieren. Denn wer nichts zu beißen hat, ist bekanntlich nur zu faul zum Arbeiten. Oder hat zum falschen Gott gebetet. Wobei es ja auch hierzulande noch genug Leute gibt, die diesen Unsinn glauben. Ach, es gäbe schon einiges zu berichten. Aber wir werden mit Pseudoberichterstattung über irgendwelche Prozentzahlen gelangweilt. Das ist genauso öde wie die unendliche Debatte zu den Dummheiten des Bundespräsidenten.

P.S. Dieser Repsen-Milliardär Dingens Romney hat doch was Interessantes gesagt. Nämlich, dass er sich um die Armen im Lande keine Sorgen macht, die hätten ja ihre soziale Hängematte. Da sieht man, wie weltfremd einer wird, der einfach zu viel Geld hat. Als ob nicht ausgerechnet diese rechten Arschlöcher seit Jahren alles daran gesetzt hätten, sämtliche Sozialprogramme zusammen zu streichen – Medicare, MedicAid und was es da sonst noch gibt bzw. gab. Die Republikaner missgönnen ihren weniger glücklichen Landsleuten ja sogar die derzeit massenhaft verteilten Lebensmittelkarten – wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen. Und wer nicht isst, braucht bald keinen Job mehr. So kann man soziale Probleme natürlich auch lösen.

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Über modesty

Akademisch gebildetes Prekariat. Zeittypische Karriere: anspruchsvolle Ausbildung, langwieriger Berufseinstieg, derzeit anstrengender, aber schlecht bezahlter Job mit unsicherer Perspektive. Vielseitige Interessen, Literatur, Film, Medien, Wissenschaft, Politik, Geschichte, Gesellschaft, Zeitgeschehen. Hält diese Welt keineswegs für die beste aller möglichen, hofft aber, dass sie besser werden kann. Möchte gern im Rahmen der bescheidenen Möglichkeiten dazu beitragen.
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Eine Antwort zu Vorwahlkrampf auf Republikanisch

  1. gnosis4you schreibt:

    Sie haben Recht, der US – Präsident ist eine Marionette, doch jetzt wo jemand kandidiert
    der die FED verstaatlichen und den Goldstandard wieder einführen will, nutzt das Volk
    nicht die Möglichkeit Ron Paul zu wählen.
    Muss wohl erst noch einiges passieren bevor die Menschen aufwachen.

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