Passau: Schule zur „Hallo-und-Tschüss-freien Zone“ erklärt

Die bayrischen Schulrektoren und Schulrektorinnen haben Probleme, wovon mancher Schulrektor einer Berliner, Kölner oder sonstigen Brennpunktschule nachts heimlich träumt. Die Rektorin der Passauer Mittelschule St. Nikola, Petra Seibert, wünscht sich, dass ihre Schüler sich nicht mehr mit „Hallo“ begrüßen oder mit „Tschüss!“ verabschieden. Die norddeutsche Einsilbilbigkeit gerade beim Abschied empfindet sie als unhöflich. Daher wurde ihre Schule zur „Hallo-und-Tschüss-freien Zone“ erklärt. Stattdessen werden jetzt die Grußformeln „Grüß Gott“ und „Auf Wiedersehen“ vorgeschrieben.

„Chill mal, Frau Seibert!“ mag man als Nichtbayer denken, aber der Proteststurm bleibt aus – im Gegenteil, der Sprecher des bayerischen Kultusministeriums, Ludwig Unger, findet, dass dieser Ansatz pädagogisch Sinn mache (so würde ich das allerdings nicht formulieren, entweder es ergibt Sinn, oder eben nicht – „machen“ ist ein Wort für das, was Hunde am Bäumchen tun) „Es ist ein positives Signal der Wertschätzung, aber man darf es nicht zum Dogma stilisieren.“ Begründet wird diese Maßnahme vor allem, dass ein bayrischer Personalchef ein flapsiges „hallo“ nicht gerne hören würde.

Nun ja, vermutlich kommt der eine oder andere Schüler von sich aus auf die Idee, dass man in einer solchen Situation nicht „Hey Alda, was geht?“, sondern lieber „Guten Tag“ sagt. Und diejenigen, die nicht von allein darauf kommen, sollte die Schule vielleicht tatsächlich auf eine angemessene Reaktion in der konkreten Situation vorbereiten.

Aber ständig „Grüß Gott“ sagen zu müssen, das geht gar nicht. Wie ausgegrenzt und diskriminiert müssen sich dann die nicht genuin bayrischen Schüler vorkommen? Oder dürfen sich Mohammed und Fatima dann auch mit einem freundlichen „Salaam aleikum“ begrüßen? Und was ist mit den vielen aus dem ganz nahen Osten zugewanderten Maiks und Janines, Devids und Cindies, bei deren Eltern Gott im Weltanschauungsunterricht keine Rolle gespielt hat? Dürfen die sich dann mit „Freundschaft!“ begrüßen, wie das in der Freien Deutschen Jugend üblich war? Was nebenbei ein wirklich netter Gruß ist, auf russisch klingt es fast noch schöner: „Druschba“.

Natürlich nicht, immerhin bietet Rektorin Seibert ein religionsneutrales „Guten Tag“ als Alternative für das schreckliche „Grüß Gott!“ an. Wobei man dieses auch mit einem munteren „Den sehe ich heute nicht!“ beantworten könnte.

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Über modesty

Akademisch gebildetes Prekariat. Zeittypische Karriere: anspruchsvolle Ausbildung, langwieriger Berufseinstieg, derzeit anstrengender, aber schlecht bezahlter Job mit unsicherer Perspektive. Vielseitige Interessen, Literatur, Film, Medien, Wissenschaft, Politik, Geschichte, Gesellschaft, Zeitgeschehen. Hält diese Welt keineswegs für die beste aller möglichen, hofft aber, dass sie besser werden kann. Möchte gern im Rahmen der bescheidenen Möglichkeiten dazu beitragen.
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