Bruttosozialprodukt schaffen mit immer mehr Waffen

Deutschland ist ja gern stolz auf seine Meisterschaft in allen möglichen Dingen, gern wäre Deutschland wieder Exportweltmeister! Aber die USA und China sind einfach größer und stärker. Trotzdem, Platz drei ist ja auch nicht schlecht – dank der fleißigen deutschen Fachkräfte auch im Niedriglohnbereich ist die deutsche Wirtschaft auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig.

Auch bei den Rüstungsexporten kommt Deutschland mit 9 Prozent am Waffen-Weltmarkt an dritter Stelle hinter den USA, die mit 30 Prozent vorn liegen, gefolgt von Russland mit 24 Prozent Weltmarktanteil.

Nun sind Waffen ein problematisches Gut, das dem Weltfrieden nicht unbedingt zuträglich ist. Andererseits kann man mit Kriegsgerät wunderbar Geld verdienen. Und wenn deutsche Waffenschmieden die offenbar vorhandene Nachfrage nicht bedienen, dann tun es eben andere. Deshalb ist es reichlich sinnlos, an die deutsche Regierung zu appellieren, sie solle doch bitte ihre Rüstungsexporte in Kriegs- und Krisenregionen überdenken. Wenn die Bundesregierung Bedenken hätte, würde sie die Lieferung von Kriegsschiffen, Kampfpanzern und -flugzeugen ja nicht genehmigen. Es ist doch nicht so, dass deutsche PolitikerInnen nicht wüssten, dass man mit Waffen Kriege führen und Menschen umbringen kann. Egal, was man dem deutschen Politpersonal an Ignoranz unterstellen will, so doof sind unsere Abgeordneten gewiss nicht.

Schild mit Piktogramm: Durchgestrichene Pistole

Keine Ahnung, was auf dem Schild steht, aber das Piktogramm scheint eindeutig.

Allerdings ist eine Mehrheit von ihnen bei der Güterabwägung: „Keine Waffen – gute Tat für den Weltfrieden – gutes Gewissen“ kontra „Waffen-Exporte – gute Tat für die deutsche Rüstungsindustrie – lieber kein Gewissen“ zu einem anderen Ergebnis gekommen als die lieben Leute von Aktion Aufschrei und die wenigen unbelehrbaren Pazifisten im deutschen Parlament.

Womit ich den Menschen, die einen Stopp von Waffenhandel und Rüstungsexporten fordern, durchaus unterstelle, dass sie wirklich guten Willens sind und ihre Forderungen ernst meinen. Aber genau deshalb sollten sie genau überlegen, was sie da eigentlich fordern. Sie wollen beispielsweise, dass ein gutes Geschäft nicht getätigt wird, weil dadurch auch Diktatoren und autoritäre Regimes Waffen in die Hände bekommen, mit denen Menschen umgebracht werden. Als ob Waffen in den Händen demokratischer Regierungen oder irgendwelcher im Westen beliebter Freiheitskämpfer weniger tödlich wären! Da muss man nur die Afghanen mal fragen, ob es einen Unterschied macht, wenn ihre Angehörigen von den Taliban oder US-Soldaten umgebracht werden.

Am prinzipiellen Problem, dass die Wirtschaft eben auch dank der Produktion von Waffen und Rüstungsgütern floriert, ändern die Forderungen der Rüstungsexportgegner überhaupt nichts. Natürlich kann man auch mit anderen Gütern Geld verdienen – mit friedlich genutzter Atomtechnik beispielsweise. Oder mit der Spekulation mit Grundnahrungsmitteln. Alles extrem problematisch, aber so lange damit ein Geschäft zu machen ist, wird es gemacht. Warum also nicht gleich fordern, ein Wirtschaftssystem zu ächten, in dem aus Leben und Tod ein Geschäft gemacht wird?

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Über modesty

Akademisch gebildetes Prekariat. Zeittypische Karriere: anspruchsvolle Ausbildung, langwieriger Berufseinstieg, derzeit anstrengender, aber schlecht bezahlter Job mit unsicherer Perspektive. Vielseitige Interessen, Literatur, Film, Medien, Wissenschaft, Politik, Geschichte, Gesellschaft, Zeitgeschehen. Hält diese Welt keineswegs für die beste aller möglichen, hofft aber, dass sie besser werden kann. Möchte gern im Rahmen der bescheidenen Möglichkeiten dazu beitragen.
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2 Antworten zu Bruttosozialprodukt schaffen mit immer mehr Waffen

  1. kucaf schreibt:

    Ja, so ist es mit dem Kriegsgerät, es bringt Gewinn und noch mehr Gewinn, ja Maximalgewinn, wobei der Gewinn in „Krisengebieten“ am größten ist. Auch ein Grund, warum Krisengebiete erhalten, ausgeweitet und gepflegt werden! Krieg, die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln, ist selbst Wirtschaftsfaktor, denn wo sonst durchläuft eine Ware so schnell und effizient den Reproduktionsprozess?
    In diesem Zusammenhang sei an folgendes Marxzitat erinnert: „Das Kapital hat einen Horror vor Abwesenheit von Profit, oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf die Gefahr des Galgens. Wenn Tumult und Streit Profit bringen, wird es sie beide encouragieren (anfeuern).“
    http://ml-theorie-gedanken.kucaf.de/2010/07/23/profit-und-waghalsigkeit-des-kapitals/

  2. Enkelopa schreibt:

    Gott im Himmel – und die Waffenhersteller
    Gott im Himmel
    Wir bitten dich o Herr erbarme dich der Leidgeprüften, der Kinder, der Mütter, der Väter die in den Kriegsgebieten dieser Welt vertrieben, verletzt, getötet wurden. Wir beten für alle die furchtbares Leid erleben müssen.
    Frau Lydia Schwarz geht jeden Sonntag zur Messe in die Kirche und betet innbrünstig an Gott. Jeden Sonntag wirft sie einen 5 Euro-Schein in den Klingelbeutel, an Weihnachten du zu Ostern einen Zehner. Sie ist schon seit Kindheit sehr gläubig und ist sich sicher nach ihrem Tod in den Himmel zu kommen.
    Montags geht sie wieder zur Arbeit, wie schon seit 35 Jahren. Sie arbeitet bei einer Rüstungsfirma und montiert seit mehreren Jahren Sprengminen. Sie weiß nicht (oder will sie nicht wissen?), dass durch die von ihr montierten Minen mehrere Dutzend Menschen getötet wurden. Kinder getötet wurden, verstümmelt wurden, Beine oder (und) Arme abgerissen wurden. Dass die von ihr gefertigten Minen unermessliches Leid in die ganze Welt bringen. Ihr Mann arbeitet in der Panzer-Fertigung, zwei Söhne in der Munitionsfabrik.
    Was wohl der liebe Gott, den Sie anbetet, wohl über die Familie denkt?
    Gedankenlose – bodenlos dumme – oder gewissenlose Mörderbande? Was denken wohl die Opfer?
    Einer der Abteilungsleiter in der Rüstungsfabrik quält schon hin und wieder das Gewissen und er denkt darüber nach mit was er da sein Geld verdient. Er bittet Gott in seinen Gebeten um Vergebung, beichtet sogar dem Pfarrer und spendet dann immer einen Hundert Euro Schein. Er hofft wohl, dass Gott genau so ein gewissenloser korrupter Strolch ist wie viele andere und sich bestechen lässt. Mit dem Hinweis, dass der Abteilungsleiter ja auch eine Familie zu ernähren hat und es in der Nähe keine andere Arbeit gibt, steckt der Pfarrer den Hunderter ein und vergibt dem Mordwerkzeughersteller die Sünden. Was wohl die Opfer dazu sagen würden?
    Einer der Hauptaktionäre der Rüstungsfirma hat kein schlechtes Gewissen. Er will und braucht viel Geld für sich und seine Familie.
    Er spendet 100.000 EUR für eine neue Orgel in der Kirche. Nicht wegen dem nicht vorhandenen Gewissen.
    Durch diese Spende steigt seine Reputation in der Gemeinde ungemein. Beim nächsten Kirchbesuch, den er heuchlerisch über sich ergehen lässt, wird er namentlich erwähnt. Die Anerkennung seiner Person und seiner Familie steigt in der Bewunderung über seine Großzügigkeit um mehrere Stufen.
    Mit wie viel Leid, wie viel Toten, mit welchem Grauen wurde diese Spende erkauft?
    Ob sich der liebe Gott, der doch mit der Orgel gepreist werden soll, sich darüber freut?

    Wenn der liebe Gott ein gewissenloses Arschloch ist, dann freut er sich und vergibt allen.

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