Margot Honecker, die ARD und der Sozialismus

„Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.“ Dieser Satz aus dem Evangelium des Johannes kam mir in den Sinn, als ich die geifernden Artikel las, mit denen die Sendung Der Sturz -Honeckers Ende, die gestern in der ARD zu sehen war, begleitet wird. Die Dokumentation von Eric Friedler hatte eine gute Quote, und sie offenbart, dass der kalte Krieg noch längst nicht vorbei ist. In der Sendung war das erste Interview zu sehen, das Margot Honecker seit dem Ende der DDR gegeben hat.

Margot Honecker, die Frau an Erichs Seite, die „einst mächtigste Frau der DDR“, wie die ARD behauptet, Volksbildungsministerin und überzeugte Sozialistin – noch immer. Das nimmt man ihr übel. Deshalb sieht man in ihr nur die „Gattin des letzten Diktators auf deutschem Boden“. Der letzte Diktator wird allerdings als welt- und realitätsfremder Trottel dargestellt, der weder kapierte, was in seinem Land vor sich ging, noch, was eigentlich sein Job war. Denn wäre er jener Diktator, der er angeblich gewesen sein soll, tatsächlich gewesen, dann hätte er ja einfach diktieren können, dass seine vorgeblichen Mitstreiter mit der Demontage der DDR aufhören sollen. Hat er aber nicht. Insofern war er wohl wirklich ein Trottel. Oder er hatte gar nicht jene unumschränkte Macht, die ein Diktator genießt. Letztlich ist es auch egal – Fakt ist, dass der angebliche Diktator von seinen Getreuen aus dem Amt gejagt wurde und am Ende sogar bei einem Pastor unterkriechen musste. Honecker im Kirchenasyl! Ausgerechnet! Immerhin, meine Achtung vor Kirchenleuten ist durch diesen Akt des Pastor Holmer wieder deutlich gestiegen. Nein, es sind nicht alle schlecht!

Fakt ist aber auch: Niemand hat Angst vor Erich Honecker gehabt. Seine Leute haben ihn vor lauter Eifer, sich dem überlegenen kapitalistischen Westdeutschland an den Hals zu werfen, fallen lassen wie eine heiße Kartoffel. Sie haben ihn einfach ignoriert. Das heißt: So wichtig kann er nicht gewesen sein. Es war einfach egal, ob er samt Frau krepiert, ob ein Pöbel ihn aufknüpft oder ob er abhaut. Honecker war faktisch noch bedeutungsloser als ein bundesdeutscher Bundespräsident, der beim Volk in Ungnade gefallen ist. Diktator? Lächerlich!!!

Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich bin kein Ossi, kein nativer jedenfalls. Ich bin im sogenannten Zonenrandgebiet aufgewachsen, jener Ungegend, wo nach Osten hin die Welt zuende war. Meine Eltern, eingefleischte CDU-Wähler, die ließen kein gutes Haar an den Sozialisten. Ich bin wirklich nicht in einem DDR-freundlichen Umfeld aufgewachsen. In der Schule hielt ein Verwandter einer Lehrerin ergreifenden Vorträge über die Ausreise seiner Familie, erzählte von den Schikanen, denen er und seine Familie ausgesetzt waren, nachdem sie den Ausreiseantrag gestellt hatten. Immerhin: Sie kamen in den Westen. Wie viele andere. Es tauchten immer wieder neue Schüler auf. Und wir hörten regelmäßig die Berichte über Menschen, die ihren Fluchtversuch nicht überlebten. Und ich bin sicher: Die haben nicht gelogen. Die haben erlebt, was es heißt, ein System gegen sich zu haben.

Es gab Ausflüge an den Grenzstreifen, dieser hässlichen, zackigen Narbe durch den Wald. Durch die Felder, sogar durch Dörfer. Es war quasi das Ende der Welt. Wir gruselten uns, wenn wir den Todesstreifen sahen, die Wachtürme mit den Grenzern. Die Grenzer, die mit Hunden patrouillierten. Und die nie zurückwinkten, so oft wir es auch versuchten. Und ich fragte mich, warum diese DDR eine solche Angst hatte, dass sie sich mit diesem Todesstreifen umgab. Vor wem hatten die dermaßen Angst?!

Heute muss ich sagen; Ja, die hatten zu recht eine solche Angst. Die haben versucht, ihre Leute vor dem Zugriff des globalen Kapitalismus zu schützen. Aber sie waren nicht in der Lage, das ihrem Volk schlüssig zu erklären. Hätten die Griechen, die Spanier, die Portugiesen geahnt, was der Zugriff des internationalen Kapitalismus auf ihr Land bedeutet, die hätten doch mindestens so eine Grenze errichtet! Aber jetzt ist es eh zu spät.

Und, hier hat die Volksbildungsministerin Margot Honecker kläglich versagt, ihr Volk ist wie eine blöde Herde zur D-Mark übergelaufen. Nein, es ging nicht um die Freiheit. Das behauptet nur der Gauck. Es ging darum, endlich ein richtiges Geld in den Händen zu halten, für das man die ganzen tollen Westprodukte kaufen kann. Dass man sich für dieses Geld auch selbst verkaufen muss, war den guten Ossis bestimmt nicht klar. Sonst wäre das Ding vielleicht anders ausgegangen. Aber so ist das nun mal: Für ein richtiges Geld muss man bluten. Deshalb ist auch kein Opfer zu groß für den Euro. Und wer das nicht glaubt, der muss nur mal die Nachrichten ansehen.

Die Sozialisten, zu denen sich Erich und Margot Honecker zählten, wollten ihr Volk vor dem Zugriff des Weltkapitals schützen. Leider haben sie das nicht besonders gut gemacht. Die DDR war kein Paradies. Aber man konnte dort ganz gut leben, ohne Konkurrenzdruck und Zukunftsangst. Auch in Westdeutschland war es für die Leute gemütlicher, solange es mit der DDR eine Alternative gab – weil die Kapitalisten ja beweisen mussten, dass ihr Modell das bessere wäre. Also war man nett zu der arbeitenden Bevölkerung, damit sie nicht auf die Idee kamen, nach drüben zu gehen. Man sieht ja, was jetzt los ist: Niemand muss mehr nett zu den Leiharbeitern oder Billigjobbern sein. Die haben ja keine Wahl mehr. Höchstens Spitzenkräfte und Manager werden noch umworben, der Rest muss sehen, wo er bleibt.

Und, wo wir gerade dabei sind: Auch Kuba ist kein Paradies. Trotzdem schmerzt es mich, dass die kubanische Regierung inzwischen sturmreif geschossen ist: Jetzt gibt Kuba genau dieses heilige Gut auf: Sie überlassen ihre Bevölkerung der Benutzung durch das Kapital. China tut das ganz offensiv, andere, angeblich noch sozialistische Länder eher heimlich, etwa Vietnam oder auch Laos. Die DDR hat auch versucht, eine alternative Wirtschaftsform aufzubauen, mit der sie sich vom Weltmarkt abgekoppelt hat, um genau das zu vermeiden: Ihre Menschen dem internationalen Kapital preis zu geben. Sie schuften zu lassen für privaten Profit.

Statt dessen sollten sie am Aufbau des Sozialismus arbeiten, an einer gerechteren Gesellschaft, die jedem eine Chance gab. Aber allein mit der Tatsache, dass die gut ausgebildeten Ossis unsere schönen Waschmaschinen für Quelle zusammengeschraubt haben, ist dieser Anspruch erledigt! Und Michail Gorbatschow, der große Held des Westens, hat diese Entwicklung vorangetrieben. Klar, dass die Wessis den lieben. Er hat den Ausverkauf des Sojwet-Imperiums eingeleitet. Und, ehrlich: Ich gehe davon aus, dass er es irgendwie gut gemeint hat. Er wollte vom offenbar überlegenen Kapitalismus lernen – aber damit hat er dem real existierenden Sozialismus die falsche Medizin verabreicht. Kapiert, was er da angerichtet hat, hat er nicht. Insofern widerspreche ich Margot Honecker: Gorbi ist kein Lügner. Er hat einfach nicht kapiert, was der eigentliche Widerspruch von Kapitalismus und Sozialismus ist. Das spricht auch nicht gerade für ihn.

Zurück zur DDR: Den Herrschenden ist nicht gelungen, ihrem Volk beizubringen, warum sie tun, was sie tun. Darin liegt für mich das eigentliche Versagen der DDR. Warum diese ganzen sinnlosen Grausamkeiten? Natürlich auch wieder typisch: Margot Honecker soll sich für die schrecklichen Zustände im Jugendarrest Torgau entschuldigen. Ich bezweifle nicht, dass dort schreckliche Dinge geschehen sind. Aber die Misshandlung, ja systematische Missachtung von Heimkindern, von asozialen oder „schwer erziehbaren“ Kindern, die gab es auch im Westen! Die Arbeit am Film Bambule war einer der Gründe für Ulrike Meinhof, sich der RAF anzuschließen. Die schrecklichen Zustände in den westdeutschen Kinderheimen, das Unrecht, das den Kindern und Jugendlichen dort geschehen ist. Das gab es auch in der DDR. Beides ist furchtbar! Und gerade von einem sozialistischen Staat hätte ich das weniger erwartet, als von einem kapitalistischen, der die Leute halt zurichtet, so wie er sie haben will. Aber bezeichnenderweise hebt die ARD-Dokumentation ausgerechnet das hervor. Wer war in dieser Zeit eigentlich für westdeutsche Kinderheime zuständig? Wer ist für den Missbrauch in westlichen, kirchenlichen Kinderheimen zuständig? Oder für den Missbrauch an Schülern und Schülerinnen der westdeutschen Odenwaldschule?

Nein, ich denke nicht, dass Margot Honecker eine Heilige war. Diese Frau mit dem eigenartig stahlhelmblauen Haar hatte Macht, und sie hat sie gewiss nicht immer so eingesetzt, wie ich das getan hätte. Aber sie ist nicht nur für das ganze Unrecht zuständig, das in der DDR geschehen sein soll, sondern immerhin auch für ein exzellentes Bildungssystem – ich kenne eine ganze Reihe Ostdeutscher, die davon profitiert haben. Gerade die Menschen in meinem Alter, die kurz vor der Wende schon Abitur oder eine Ausbildung gemacht haben, meinen, dass die mit dem Bildungssystem der DDR eigentlich ganz gut gefahren sind. Und: Entgegen anderslautender Gerüchte durften auch Kinder von Republikflüchtigen oder Pfarrern studieren. Auf Staatskosten, wenn sie nur begabt waren.

Advertisements

Über modesty

Akademisch gebildetes Prekariat. Zeittypische Karriere: anspruchsvolle Ausbildung, langwieriger Berufseinstieg, derzeit anstrengender, aber schlecht bezahlter Job mit unsicherer Perspektive. Vielseitige Interessen, Literatur, Film, Medien, Wissenschaft, Politik, Geschichte, Gesellschaft, Zeitgeschehen. Hält diese Welt keineswegs für die beste aller möglichen, hofft aber, dass sie besser werden kann. Möchte gern im Rahmen der bescheidenen Möglichkeiten dazu beitragen.
Dieser Beitrag wurde unter einfach nur ärgerlich, Medien, Politisches abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

23 Antworten zu Margot Honecker, die ARD und der Sozialismus

  1. Norbert schreibt:

    Naja – ein typischer „Westblick“, wenn auch nicht einer von den mainstreamigen, hetzerischen, verblödenden… Nein, Margot Honecker hat nicht kläglich versagt. Sie warnte schon 1971 auf einem Pädagogischen Kongreß (und das auch nicht zum ersten und auch nicht zum letzten Mal) vor den Folgen der Konterrevolution. Das war bekannt, und es war Unterrichtsbestandteil. Was wir heute erleben, ist die Praxis zur damaligen Theorie. Der Verrat ging ja bekanntlich von der Sowjetunion aus (XX.Parteitag der KPdSU, 1956). Walter Ulbricht hat sich lange dagegen gewehrt. Nur die DDR war ja abhängig vom „großen Bruder“. Erich Honecker war kein Verräter, anders als dieser „unverzüglich“ oder dieser kriminelle „Pizza-Hut-Vertreter“ da. Letzterer ist ein Lügner! Das läßt sich vielfach belegen. Solche Lumpen gab es leider! Es war eben nicht Dummheit, sondern es war ein Verbrechen. Bezahlen mußten dafür die einfachen Menschen, die Arbeiter, und profitiert hat vor allem die westdeutsche Bourgeoisie.

    Und welches DDR-Unrecht ist denn da bitte gemeint? Daß welche die DDR nicht mochten, war bekannt, und daß auch solche Leute auf Staatskosten studieren konnten, ist wohl auch bekannt. Sie haben auf die Hand geschissen, die sie einst gefüttert hat. Sonst hätten solche miesen Typen wie dieser Gaug oder die heutige Kandesbunzlerin damals wohl kaum das Abitur machen können, und sogar noch Stipendium kassieren dürfen. Wenn wir hier also über „Unrecht“ reden, dann bitte konkret und nicht so pauschal. Straftaten waren auch in der DDR strafbar. Und einen Schießbefehl gab es in der DDR nicht! Den braucht man nicht mal in den USA, wenn man kurzerhand einen „Verdächtigen“ umlegen will. Bei der NVA waren die scharfen Patronen abgezählt und mußten wieder abgeliefert werden. Auch diejenigen, welche heute Schauermärchen über DDR-Kinderheime erzählen, lassen sich das anschließend gut bezahlen…
    Also – nicht persönlich nehmen. Ich habe die DDR lange genug erlebt, ebenso die Probleme, über die ich auch nicht glücklich war…

    • monologe schreibt:

      Mutiger, relativierender Artikel. Die Beschreibung eines Wandels, mithin die des eigenen, der sich an den Folgen jenes Wandels vollzogen hat.
      „Norbert“: wie, „…miese Typen wie dieser Gaug…“; Probleme, „über die ich auch nicht glücklich war…“ ? – kusch!

      • ostdenken schreibt:

        Norbert erklärt und greift nicht an. So ist seine Antwort zu verstehen, auch wenn sie vielleicht polemischer klingt. Das behaupte ich jetzt mal in jugendlichem Leichtsinn aus der Kenntnis der beiden deutschen Kommunikationsmuster heraus. Ostdeutsche sind, gerade weil sie nicht diskriminierend denken, immer etwas forscher. Es geht ihnen um den Sachbezug, um Tatsachen, die es darzulegen gilt. Nicht darum, wer diese Tatsachen hervorbringt. Es geht also nicht um Kritik am Autor, sondern an der Sache.
        Für westdeutsche Ohren klingt das schnell wie ein Angriff, da sie Wert legen auf Höflihckeit und political correctness. Auch, weil Westdeutsche die sensibleren Psychen haben, Norbert! Wir müssen darauf Rücksicht nehmen, Westdeutsche sind nicht so selbstbewusst. Wie auch, bei der Bildung und Erziehung! An Institutionen werden systematisch Denkverbote erteilt und Selbstzweifel gesät.

  2. kucaf schreibt:

    Nun habe ich die Sendung selbst nicht gesehen, musste zu diesem Zeitpunkt arbeiten, aber die verschiedensten Kommentare in den Medien sind mir nicht entgangen. Der entscheidende Vorwurf war, dass die Frau keine Reue zeigt, also sich nicht Asche übers Haupt streut, wie so viele anderen.
    Die Grauen Männer und Frauen sind überall, so zogen nicht wenige zur Wende und in vorauseilenden Gehorsam, ihr Büßerhemd über und versprachen gutzumachen, was sie vorher nicht gutgemacht hatten! Was immer das auch war, sie haben es in jedem Fall schlecht gemacht, allein schon weil sie es gut machen wollten und machten so schlecht, was eigentlich gut war. Nicht diese Frau und sie steht nicht allein, was der eigentliche Vorwurf ist, welcher ihr gemacht wird und damit allen anderen, welche es ablehnen sich ein Büßerhemd überzustreifen, sondern weiter Aufrecht ihren Weg gehen!
    Genau betrachte und so manche Aussage über die DDR in ihrer Konsequenz besehen, hätte es keine Wende gegeben, wäre die DDR gewesen, wie sie durch die Meinungsmachemedien dargestellt wird und vom gemeinem Bürger gesehen werden soll.
    Letztlich sind die Ursachen vielfältig, welche zum Untergang der DDR geführt haben und das die DDR als Unrechtsstaat verunglimpft wird, liegt in der Natur gesellschaftlichen Seins, welches durch Herrschaft bestimmt wird. Und wie Unrecht, Recht schafft, manifestiert letzteres das erste, immer aber im Interesse der Machthabenden! Ja, sie war ein Unrechtstaat, aus Sicht des Kapitals, sie hat ihm keine Rechte zugebilligt und das Recht in der DDR war auf die Menschen gerichtet, stellte ihre allgemeinen Interessen in den Mittelpunkt, nicht die Interessen einiger weniger. Und zu guter letzt befand sich die DDR in einem permanenten Kriegszustand, war permanenter Bedrohungen ausgesetzt. Sie befand sich in einem Kampf, welcher mit allen Mitteln geführt wurde und welchen sie unter den bestehenden, sich entwickelnden Bedingungen nicht gewinnen konnte. Das hat aber weniger mit der Unfähigkeit zur entsprechenden Kommunikation zu tun, als vielmehr mit Freiheit, im marxistischen Sinne*. Die Menschen in der DDR lebten nicht auf einer Insel und auch wenn die Wellenbrecher stark waren, so konnten sie den ständigen Stürmen letztlich nicht standhalten, weil viele das Schwimmen verlernt hatten und aus mangelnder praktischer Erfahrung die Gefahren des stürmischen Meeres unterschätzten.

    * http://ml-theorie-gedanken.kucaf.de/2010/10/27/freiheit/

  3. blechtrommler schreibt:

    War es auch wirklich die Honecker?
    In einem dieser größeren Blätter las ich letztes Jahr ein „Interview mit Honneckers Enkel in Chile“. Interviewer wie „Enkel“ wussten damals „beide“ nicht,, dass nicht Honecker die Mauer gebaut hatte und parlieren über die Bauchschmerzen des „Enkels“ mit dem Großvater ob dieser Tat…
    http://www.zeit.de/2011/10/Honeckers-Enkel?

  4. Auch diese ARD-doku ändert nichts daran, daß es falsch war, wie man mit der familie Honecker in der zeit der sogenannten »wende« und danach umgegangen ist. Ich bin generell kein freund von staatsoberhäuptern, aber es läßt doch tief blicken, daß man herrn Honecker in der BRD in Moabit einsperrte – dem knast, in dem er bereits in der zeit des faschismus 10 jahre gesessen hatte. Die »letzten aufzeichnungen«, die 1992 dort entstanden, werde ich auf jeden fall lesen.

    Die meisten, die aus der DDR rauswollten, waren nicht politisch verfolgt, sondern wirtschaftsflüchtlinge. Viele von denen hatten auf kosten der arbeiterklasse studiert – und sich dann überlegt, daß sie im westen mit ihrem abschluß viel besser verdienen könnten – da war manch einem die familie egal, da gab es keine »zwangsadoption«, wie gern behauptet wird (und wie beispielsweise die schmonzette »frau vom Checkpoint-Charlie« glauben machen will). Die kinder blieben für gewöhnlich beim im stich gelassenen partner in der DDR.

    Ist ein komisches ansinnen zu verlangen, Margot Honecker solle sich für Torgau entschuldigen. Ich habe lange genug in der BRD gelebt, um erzählen zu können, daß schüler, die mit punkfrisuren dort in den 80er jahren zum unterricht erschienen, absolut nicht willkommen waren. Deren schulkarrieren endeten meist schnell, womit die möglichkeit zum studium natürlich hinüber war – aber die gab es ohnehin nur gegen geld (und letzteres gilt auch noch heute). Wer kriminell war, wurde eingesperrt. Gern wurde man auch mit ausländischen austauschschülern an die grenze gekarrt, wo man erst betroffen über den zaun schauen mußte, um anschließend in einer BGSkaserne mit propagandagedöns und schlechtem essen gequält zu werden. Übelst konnte es einem bekommen, wenn man aus widerspruchsgeist oder aus naivität die falschen fragen stellte oder etwas falsches dazu sagte. Schließlich durfte man die DDR trotz der offiziellen anerkennung nicht so wirklich als eigenständigen staat betrachten.

  5. provinzbewohner schreibt:

    ein wirklich guter text zum staat ddr. leider fehlt immer mehr „ddr.bürgern“ und „neudeutschen“ das wissen um diese fakten. und durch solche „hetzpropaganda“ wie der genannte beitrag wird bei den „geborenen wessis“ nur das bild von der ddr gepflegt, was man ihnen jahrrzehntelang in schule und medien vermittelt hat.

  6. thom schreibt:

    Ein sehr ausgewogener Artikel trotz und gerade, weil er auf der anderen Siete stand. Respekt dafür !

  7. Atheist schreibt:

    Dieser ausgeprägte ARD/NDR-Propaganda-Film von Eric Friedler über Margot und die DDR war einfach unsäglich demagogisch. Der Kalte Krieg dauert eben fort und die Ideologen und Betonköpfe fordern solche Propaganda und Agitation. Ich glaube Goebbels oder K.E. Schnitzler hätten das nicht besser gekonnt! Dämonisieren, Delegitimieren und Hetzen was das Zeug hält – das dumme Volk wird sich schon irgendwie geistig manipulieren lassen.

    • Norbert schreibt:

      Der Vergleich des Nazi-Propagandaministers Goebbels mit dem DDR-Journalisten Karl-Eduard von Schnitzler ist eine Verleumdung – da verschlägt es einem fast die Sprache! Denn die Kommunisten – und K.E. von Schnitzler war Kommunist! – waren die ersten, die 1933 von den Nazi verfolgt und ermordet wurden. Auch wenn hier die Feststellung durchaus richtig ist, daß dieser ARD-Propaganda-Film über Margot Honecker unsäglich demagogisch war…

      • ostdenken schreibt:

        Norbert, klar gebe ich dir recht, die Reportage hätte niveauvoller sein können. Wie eigentlich alles heutzutage. Aber: denk auch mal an uns junge Ostdeutsche. Auch wir möchten verstehen. Wenn nur geschwiegen wird und alle brav am Hartgeld kauen, hängen wir in der Luft. Also: redet, redet! Redet mit uns, helft uns. Nur weil wir jünger sind, heißt das nicht, dass wir uns unser Leben so vorstellen wie Westdeutsche oder Kapitalisten.

  8. vunkenvlug schreibt:

    die derartig hirnverbrannt betriebene propaganda hat den von einigen vermutlich beabsichtigten nebeneffekt, jede suche nach historischer wahrheit schon im ansatz zu zerstören. ALLES gerät unter propagandaverdacht.

    da darf man sich über manche entwicklungen im osten nicht wundern.

  9. Andreas schreibt:

    Der Artikel ist sehr ausgewogen.
    Die geschichtliche Tragödie des Versagens dieser Art von „Sozialismus“ besteht darin, dass
    das heutige System seine Rechtfertigung für alle Zeiten daraus ableitet: alles ist besser als das
    – und wenn die Welt dabei untergeht!

    • Norbert schreibt:

      Es ist eine falsche und sehr einseitige Vorstellung, daß „diese Art von ‚Sozialismus‘ “ (und noch dazu in Gänsefüßchen) versagt habe. Siehe hierzu: http://sascha313.blog.de/2010/06/08/sozialismus-lebensfaehig-8760854/

    • ostdenken schreibt:

      Es ist genau anders herum: alles ist besser als Kapitalismus. Das deutsche Großkapital hat zu Profitzwecken an der nationalsozialistischen Ideologie gearbeitet, mach dir das bewusst. Faschismus und Kapitalismus sind einander nicht fremd. Damit ist dieses System für mich gestorben. Auch am 3. Februar 1947 stellte die CDU unter Adenauer fest: „Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist den staatlichen und sozialen Lebensinteressen des deutschen Volkes nicht gerecht geworden. Nach dem furchtbaren politischen, wirtschaftlichen und sozialen Zusammenbruch als Folge einer verbrecherischen Machtpolitik kann nur eine Neuordnung von Grund aus erfolgen. Inhalt und Ziel dieser sozialen und wirtschaftlichen Neuordnung kann nicht mehr das kapitalistische Gewinnstreben und Machtstreben, sondern nur das Wohlergehen unseres Volkes sein.“
      Und, haben sie sich daran gehalten? Sagt das nicht viel aus über die Intelligenz unserer heutigen Bevölkerung, weil sie genau diese Zusammenhänge nicht erkennt?

  10. blechtrommler schreibt:

    Brachte die ARD letzte Woche eine Dokumentation, “Der Sturz – Honeckers Ende” – sagt nun die Haupt-Augenzeugin, Honeckers Frau, so “Junge Welt” am 07.04.2012: »Ich habe dieses Interview diesem Kanal nicht gegeben«. weiter http://volksauge.wordpress.com/2012/04/10/vor-und-nachrichten/

  11. Schmidt schreibt:

    Zeitzeugen widersprechen den Auslegungen der Margot Honecker:

    Schießbefehl=Waffengebrauchsbestimmung
    -Indoktrination=Faktenvermittlung
    War die Honecker über alle Vorgänge informiert?
    H. Brehmer lt. Presse: „Ich gehörte der Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) an. Unsere Niederlage war verdient. Das gesellschaftliche Modell, das im Osten aufgebaut worden war, war eine Utopie, dann auch noch verkommen in militanten Machtstrukturen.“
    Schon in den sechziger Jahren begann die DDR als wichtigster Partner des Warschauer Vertrages mit dem Bau von Atombunkern flächendeckend, um das Land auf einen Nuklearkrieg vorzubereiten. Nur ein kleiner Personenkreis war informiert. Auch die Stasi hatte sich in allen 15 Bezirken mit teils atomsicheren Bauwerken etabliert – zum Nachteil der Wirtschaft. Was innerdeutsche Grenze und Mauer betrafen, dienten sie auch der Geheimhaltung.
    Gorbatschow ging davon aus, dass die Wirtschaft der Sowjetunion durch das Wettrüsten bald zugrunde gehen würde. In der DDR war dies schon in der 80er Jahren erkennbar. Trotz aller Probleme wurde noch 1983 das teuerste u. modernste Bauwerk des Ostblocks, nämlich der Honecker-Bunker als „Erichs Schutzbauwerk“ mit einem Wertumfang v. 250 Mio. Mark in Betrieb genommen – ganz abgesehen von Maßnahmen der DDR zum damaligen NATO-Doppelbeschluss. Die Vorbereitung u. Durchführung des sogenannten Honecker-Bunkers erfolgte allerdings in Regie der DDR-Regierung. Honecker und seine „Mitstreiter“ sollten hier vor Beginn eines atomaren Infernos einquartiert werden. Was war für die Zeit nach einem Kernwaffenschlag im Fall Überleben der Bunkerinsassen geplant? Zielland für Honecker war die ehemalige Sowjetunion. Frau Honecker müsste eigentlich auch darüber berichten. M. Tschernig: „Ich war inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheit und später Hauptamtlicher in der Abteilung XX der Bezirksverwaltung für Staatssicherheit Berlin. Wir haben Schicksale von rechtschaffenen Mitbürgern beeinflusst, wir haben Menschen in den Knast gebracht …“
    Gorbatschow verwies 1989 auf die Kompetenzen der DDR-Regierung in puncto innerer Sicherheit hin und lehnte eine Intervention ab. Die Honeckers protestierten, obwohl ihnen die Perestroika inhaltlich seit 1986 bekannt war. Kein neuer 17. Juni 53 – ein Desaster für Honeckers.
    Literatur: „Im Auftrag des Großen Bruders“, 2011.

  12. ostdenken schreibt:

    Danke für den schönen Text. Für mich bist du der erste Westdeutsche, der die Zusammenhänge Ost-West zu begreifen versucht, der kritisch denkt. Ich bin immer sehr beeindruckt von Westdeutschen, die es geschafft haben, der doch heftig durchgesetzten Indoktrination ihrer Gesellschaft zu entrinnen. Das erfordert viel Rückgrat und Verstand.

    • modesty schreibt:

      Es ist wirklich schwer – ich habe ziemlich lange gebraucht, um solche Gedanken denken zu können – ist wirklich nicht einfach unter den herrschenden Umständen. Aber wenn man den Dingen auf den Grund gehen will, muss man eben auch mal anders denken – das wird zwar angeblich dauernd gefordert, aber es kommt immer der gleiche Mist dabei raus. Wenn man Gesellschaft von den Interessen der „Leute wie du und ich“ her denkt, muss man früher oder später darauf kommen, dass der Denk- und Politikansatz, der in der DDR verfolgt wurde, der menschenfreundlichere ist.

  13. Norbert schreibt:

    –> zu Gorbatschow: http://www.kurt-gossweiler.de/artikel/zwiebgor.htm

    @Schmidt: … mmmh, ist aber schön abgeschrieben!!! Hätte so auch im Spiegel stehen können oder in der BILD-Zeitung. Dieser Kommentar ist ein Mischmasch aus unbewiesenen Behauptungen, Unterstellungen, Verleumdungen und Tatsachen! Wer soll sich da noch zurechtfinden. Das ist historisch gesehen wertlos! Im übrigen: es gibt auch seriöse Autoren!

  14. Heinz schreibt:

    @Scmidt,
    Sie sind in meinen Augen ein Schei….kerl.Ein „klassenbewußter,der AK treu dienender Offizier “
    Haben Sie nicht einen Fahneneid …..“.ich schwöre der DDR…..treu…“ geleistet?

    Auch einer von denen,die die AK verraten und zum Untergang- der DDR beigetragen haben.Wie sagte Lenin einmal ?Sie, (solche Verräter) sind keine Kommunisten –
    sie sind Radieschen,Außen rot und Innen weiß!

    VENCEREMOS ! Schmidt

    Heinz
    Kommunist- Offz. u. Kampfgruppenkommandeur – nie AD!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s