Schlecker ist tot – mehr Millionäre in Deutschland

Ein letztes Mal Schlecker: Die Drogeriekette mit den vielen hässlichen Läden ist nach einer Reihe von Skandalen und Verzweiflungstaten endgültig erledigt. Als Anton Schleckers eigentliche unternehmerische Leistung gilt inzwischen, dass er die Pleite so lange heraus gezögert habe.

Nun stehen, je nach Quelle, 13.000 oder gar 14.000 Schlecker-Mitarbeiterinnen vor dem Aus – aber letztlich erleben sie nur das, was sehr viel mehr Menschen in Ostdeutschland schon längst erleben mussten – sie dürfen noch beim Ausverkauf dabei sein, bei der Abwicklung helfen und stehen dann vor dem Nichts. Der bisherigen Einsatz wird nicht belohnt, sie zählen am Ende nicht.

„Wir haben hier wie die Sklaven gearbeitet. Wir sind früh gekommen, spät gegangen, haben keine Pause gemacht. Wir haben die Toiletten saubergemacht, Fenster geputzt,“ zitiert das Handelsblatt eine Schlecker-Frau. „Wir sind wirklich sauer. Das ist eine Katastrophe.“

Aber es gibt nicht nur schlechte Nachrichten: Beispielsweise gibt es in Deutschland immer mehr Millionäre. Nach Angaben der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) ist die Anzahl der deutschen Haushalte, die über umgerechnet mehr als eine Million amerikanische Dollar – das sind derzeit 807.000 Euro – in Form von Bargeld, Wertpapieren oder Fonds verfügen, im Jahr 2011 trotz Euro-Krise gegenüber dem Vorjahr um 8 Prozent gestiegen. Mit insgesamt 345.000 Millionärshaushalten liegt Deutschland weltweit den fünften Platz hinter den Vereinigten Staaten, Japan, China und Großbritannien und knapp vor der Schweiz.

Bei den Superreichen, also Haushalten mit einem Finanzvermögen von mehr als 100 Millionen Dollar, rangiert Deutschland sogar auf Platz drei hinter Amerika und Großbritannien – noch vor Russland und China. Die Zahl dieser hochvermögenden deutschen Haushalte blieb mit 807 konstant – da wüsste man doch gern, wer auf Kosten der anderen dermaßen viel Kohle zusammenraffen konnte. Nur mit früher aufstehen und länger arbeiten schafft man das nicht – da muss man nur die Schlecker-Frauen fragen. Arbeit lohnt sich nämlich nicht. Aber, oh Wunder der Statistik, die Deutschen haben keinen Grund zum Jammern, denn im Durchschnitt sind sie so reich wie nie zuvor.

Obwohl Millionen gezwungen sind, mit dem mickrigen Hartz-IV-Satz irgendwie zu überleben, haben deutsche Haushalte inzwischen über 10 Billionen Euro an Vermögen aufgehäuft. Ganz vorn dabei sind die Pfennigfuchser von Aldi, also nicht die Kunden, sondern die Eigentümer der Discount-Kette. Die sind auch nicht nett zu ihren Angestellten, aber noch gibt der Erfolg ihnen recht.

Aber es ist nicht so, dass die Krise prinzipiell an Vermögenden vorüber gehen würde: In stärker von der Krise betroffenen Ländern wie Spanien und Italien heißt es, sei die Zahl der Millionärshaushalte im vergangenen Jahr zurückgegangen.

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Über modesty

Akademisch gebildetes Prekariat. Zeittypische Karriere: anspruchsvolle Ausbildung, langwieriger Berufseinstieg, derzeit anstrengender, aber schlecht bezahlter Job mit unsicherer Perspektive. Vielseitige Interessen, Literatur, Film, Medien, Wissenschaft, Politik, Geschichte, Gesellschaft, Zeitgeschehen. Hält diese Welt keineswegs für die beste aller möglichen, hofft aber, dass sie besser werden kann. Möchte gern im Rahmen der bescheidenen Möglichkeiten dazu beitragen.
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