Es ist doch bloß Geld!

Ich kann und will es nicht mehr hören, dieses Krisengeheul, dieses Eurolamento. Ich kann ja doch nichts tun: Egal was oder wen ich wählen würde, es hätte ja doch keine Auswirkungen auf die Weltfinanzgeschäfte. Selbst die mächtigsten Politiker sind allenfalls Moderatoren der Kapitalismus-Show. Die Schrauben werden wo anders gestellt – auch wenn die ganzen Wirtschaftsexperten auch nicht immer wissen, warum was welche Auswirkungen hat. Und vor allem, warum die ganze wunderbare Kapitalismus-Maschine für die Europäer so aus dem Ruder läuft.

Die ganzen Leute auf der Straße müssen es ohnehin erleiden, egal, was sie dazu meinen. Selbst wenn der Euro an die Wand fährt und nichts mehr wert sein sollte, wir müssen doch morgen wieder antreten, um Miete, Kaffee und Butterbrot bezahlen zu können. Egal in welcher Währung. Ja, natürlich kann und muss man sich Gedanken machen: Was ist mein Sparbuch morgen noch wert? Kaufe ich mir lieber was davon, solange ich noch einen gewissen Gegenwert bekomme? Oder mache ich endlich mal richtig Urlaub, denn wer weiß, ob ich mir das jemals wieder leisten kann? Kaufe ich mich in eine Biokooperative ein, damit ich auch noch was Vernünftiges zu essen bekomme, wenn die Wirtschaft erstmal kollabiert ist?

Fragen über Fragen.

Dabei möchte ich den Leuten zurufen: Es ist doch bloß Geld! Überlegen wir doch lieber, wie man die Menschen mit dem zum Leben nötigen versorgt, und lassen den ganzen Scheiß mit Banken und Börsen. Von Finanzprodukten kann bei genauer Betrachtung doch kein Mensch leben! Sie lassen weder Kartoffeln wachsen, noch bauen sie Häuser. Im Gegenteil: Sie verhindern, dass diejenigen, die eine Wohnung brauchen, darin wohnen können. Sie saugen die Leute bloß aus, um ihre Erfinder reich zu machen. Es ist doch nicht so, dass sich in Griechenland oder Spanien jetzt plötzlich die Äcker und Häuser in Luft auflösten, es gibt doch weiterhin Olivenhaine, Bäckereien, Ziegenherden und Maschinen. Und das alles soll plötzlich nichts mehr wert sein, weil sich ein paar Leute um ein paar Nullen vertan haben? Verrückt!

Produziert doch lieber für euch selbst, liebe Leute, wenn der Markt so undankbar ist. Dieses Wirtschaftssystem ist nicht zu retten, diese ganzen Opfer, die uns jetzt abverlangt werden, führen doch nur dazu, dass die meisten noch ärmer werden, damit ein paar Spitzenmanager noch mehr Milliarden aus dem Verkehr ziehen können. Das tun die doch nicht für uns, auch wenn ständig so getan wird. Wir sind nur die Idioten, die die Maschine am Laufen halten sollen. Den Profit machen andere. Aber die wirklich wichtigen Tatsachen berichten unsere Medien ohnehin nicht.

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Über modesty

Akademisch gebildetes Prekariat. Zeittypische Karriere: anspruchsvolle Ausbildung, langwieriger Berufseinstieg, derzeit anstrengender, aber schlecht bezahlter Job mit unsicherer Perspektive. Vielseitige Interessen, Literatur, Film, Medien, Wissenschaft, Politik, Geschichte, Gesellschaft, Zeitgeschehen. Hält diese Welt keineswegs für die beste aller möglichen, hofft aber, dass sie besser werden kann. Möchte gern im Rahmen der bescheidenen Möglichkeiten dazu beitragen.
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6 Antworten zu Es ist doch bloß Geld!

  1. EuroTanic schreibt:

    Sehr richtig. Schuld sind nicht die paar korrupten und kriminellen Politiker und Bonzen, sondern die Millionen blinden Konsumenten und willfärigen Arbeitssklaven,

    • modesty schreibt:

      So etwas würde ich nie behaupten – auch die korrektesten und unbestechlichsten Politiker könnten doch an der Funktionsweise des Kapitalismus nichts ändern. Und selbst die aufgeklärtesten und kritischsten Verbraucher nicht: Die sind also nicht „schuld“. Der Fehler liegt im System. Der Witz am Kapitalismus (der verniedlichend gern „freie Marktwirtschaft“ genannt wird) ist nicht, dass es möglichst vielen Menschen gut gehen soll, sondern dass mit dem Einsatz von Kapital Geld verdient wird. Und das ist auch jetzt in der Krise der Fall: Irgendwelche Kapitalisten, die aufs richtige Pferd gesetzt haben, werden schon höllisch Reichbach mit der Krise machen. Nur diejenigen, die jeden Tag arbeiten müssen, weil sie eben nicht genug Geld haben, haben nichts davon. Das ist keine Entgleisung des Kapitalismus, sondern im Gegenteil: Genau so funktioniert er.

  2. Zorn schreibt:

    Ja…, das ist schon war, aber mangels eines Erfolgserlebnisses ertappe ich mich oft dabei, daß ich mich mit mir selbst rede. Leider ist das auch keine Lösung, da die Dummheit grenzenlos ist…schade um uns. (Warum gibt es keine Listen gleichgesinnter??)

  3. Zorn schreibt:

    Warum muß ein Beitrag noch moderiert (zensiert) werden ? Ich werde das mal verfolgen.

    • modesty schreibt:

      Ich zensiere nicht. Allerdings will ich bei Leuten, die ich nicht kenne, erst einmal sehen, was sie zu sagen haben. Wer freigeschaltet ist, kann einfach posten.

      Ich möchte einfach nicht, dass das Forum planlos vollgemüllt wird – Meinungsfreiheit ist super, aber ein gewisses Niveau sollte vorhanden sein…

  4. Pingback: Europa im Ausverkauf | Gedanken(v)erbrechen

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