Der moderne Sklavenhandel

Die so genannte Globalisierung hat nicht, wie ihre Befürworter argumententiert haben, „Erste-Welt-„Bedingungen in die ganze Welt verbreitet, in dem sie alle Regionen der Welt an den wunderbaren Möglichkeiten des technischen Fortschritts teilhaben lässt, sondern im Gegenteil „Dritte-Welt“-Bedingungen für alle herbei geführt: Die ehemals vergleichsweise gut verdienenden Arbeiter und Angestellten in Europa und Nordamerika konkurrieren jetzt mit Arbeitern und Angestellten in Indien, Südamerika und Asien, den es, aufgrund historischer Ungerechtigkeiten, vergleichsweise schlecht ging. Doch wie sich zeigt, gibt es zwar in Indien, China und anderen Ländern, in denen die Leute in Durchschnitt bisher skandalös arm waren, nun eine besser verdienende Mittelschicht und vor allem eine sehr kleine, aber dafür rasant reich werdende Oberschicht, der Masse der Leute geht es aber durch die Globalisierung von Wirtschaftsprozessen keineswegs besser, im Gegenteil: Der Grad der Ausbeutung nimmt weltweit zu.

Eine soziale Revolution wäre mal wieder an der Zeit...

Nach und nach werden sämtliche Errungenschaften des Sozialismus geschliffen und ausgerottet.

Auch in Deutschland lässt sich das beobachten. Zwar ist die unsere Regierung wahnsinnig stolz darauf, dass in diesem unseren Lande so viele Menschen wie hoch nie zuvor arbeiten gehen müssen. Dass Millionen dieser Menschen auch von einem Vollzeitjob nicht leben können ist eine der Kehrseiten der Medaille: Viele Jobs gibt es eben nur, weil die Arbeit so billig geworden ist. Und wer seine Lebenszeit mit einem öden Job verschwenden muss, der so wenig abwirft, dass man sich trotzdem noch von der Hartz-4-Agentur schikanieren lassen muss, kann sich nur damit trösten, dass er oder sie nicht so lange damit leben muss. Geplagte und gestresste Menschen sterben früher – es war schon immer so und das wird auch so bleiben, dass die Hungerleider den Gutverdienern auch noch ihre Renten finanzieren, weil sie einfach nicht lange genug leben, um sich ihr bisschen Rente auszahlen zu lassen. Davon mal abgesehen, dass die Renten inzwischen so weit abgesenkt wurde, das selbst Normalverdiener es kaum noch schaffen, überhaupt eine Rente auf Grundsicherungsniveau zu erreichen.

Aber es geht immer noch schlimmer und damit zurück zur Globalisierung: Die Überflüssigen der Welt wandern klassischerweise in Regionen aus, in denen sie auf eine bessere Existenz hoffen – auf diese Weise hat sich die Arbeitslosigkeit in Europa am Ende des 20. Jahrhunderts in Europa trotz rasanter Wirtschaftskrisen in Grenzen gehalten: Die Leute kauften sich mit ihrem letzten Ersparten eine Überfahrt und gingen nach Amerika. Heute sind die Philippinen einer der weltweit größten Exporteure von Arbeitskräften. Diese werden über ein System illegalen Menschenhandels, das in vielerlei Hinsicht an den früheren Sklavenhandel erinnert, in Länder mit entsprechendem Bedarf verteilt – das sind heute beispielsweise die klassischerweise dünn besiedelten Wüstenstaaten rund um den Persischen Golf.

Wie ich im Hintergrund las, sind die meisten der philippinischen Arbeitskräfte für den Export Frauen, die mit dem Versprechen, den philippinischen Mindestlohn von 400 Dollar monatlich zu erhalten, angeworben und dann als Dienstmädchen oder Haushaltshilfen nach Saudi-Arabien, Kuwait oder die Vereinigten Arabischen Emirate geschickt werden. Dort werden sie dann wie Sklaven unter miesesten Bedingungen gehalten – der Arbeitgeber behält die Papiere und meistens auch den Lohn ein, die Frauen müssen den Familien ihrer Herren rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Nicht nur Ausbeutung und Schikanen sind an der Tagesordnung, sondern auch sexuelle Übergriffe und Gewalt. Die Frauen haben keinerlei Chance, sich zu wehren. Gelingt ihnen die Flucht und schaffen sie es, sich zur philippinischen Botschaft durchzuschlagen, kann es Monate oder Jahre dauern, bis sie die Erlaubnis erhalten, nach Hause zurückzukehren.

Natürlich gibt es das in mehr oder weniger krasser Ausprägung auch in anderen Ländern, in Deutschland ist das die oft osteuropäische oder asiatische Pflegehilfe für Opa oder Oma, in den USA sind es mexikanische Haushaltshilfen, die ohne gültige Papiere noch viel billiger und williger sind und so weiter und so fort. Sklaverei ist also keineswegs eine Sache der Vergangenheit – nur dass sich die modernen Sklaven oder vor allem Sklavinnen oft „aus freien Stücken“ in die Hände der Sklavenhändler begeben und diese für ihre Dienstleitung auch noch bezahlen. Existenzielle Not ist schon eine prima Sache, um die Weltwirtschaft in Schwung zu halten.

Mehr dazu in dem Artikel von Walden Bello: Der Handel mit Arbeitskräften – eine moderne Form der Sklaverei erschienen im Hintergrund.

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Über modesty

Akademisch gebildetes Prekariat. Zeittypische Karriere: anspruchsvolle Ausbildung, langwieriger Berufseinstieg, derzeit anstrengender, aber schlecht bezahlter Job mit unsicherer Perspektive. Vielseitige Interessen, Literatur, Film, Medien, Wissenschaft, Politik, Geschichte, Gesellschaft, Zeitgeschehen. Hält diese Welt keineswegs für die beste aller möglichen, hofft aber, dass sie besser werden kann. Möchte gern im Rahmen der bescheidenen Möglichkeiten dazu beitragen.
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