Schlimmer als im Fernsehen: Mord und Terror als Mittel der Außenpolitik

Bei der Lektüre des Artikels Obama ernennt Chef des Drohnen-Mordprogramms zum CIA-Chef auf der World Socialist Web Site fiel mir wieder einmal auf, wie erschreckend wenig Fiktion doch in den aktuellen US-Fernsehserien steckt. In Homeland beispielsweise wird die Geschichte des US-Sergeants Nicolas Brody erzählt, der nach langer Gefangenschaft im Mittleren Osten heimkehrt und in ein islamistisches Terrorkomplott verstrickt ist. Er hilft den Terroristen zwar nicht ganz freiwillig, aber schließlich doch – weil er weiß, dass der aktuelle US-Vizepräsident ein Kriegsverbrecher ist, der mit Drohnenangriffen zahlreiche Schulkinder getötet hat.

Und die Macher der Serie geben sich alle Mühe, Brodys Beweggründe nachvollziehbar aufzuzeigen – der Vize, der natürlich zuvor CIA-Chef war, ist ein brutales Arschloch, das gestoppt werden muss. Brody stoppt ihn zwar nicht wie eigentlich geplant durch ein Selbstmordattentat, aber im Laufe Serienfortsetzung durch einen sehr viel raffinierteren Angriff, für den er entsprechende Zugangsdaten beschafft. Ob bzw. wie Brody aus der Geschichte wieder heraus kommt, wird erst die dritte Staffel zeigen, auf die ich noch viel zu lange warten muss.

Stop-Schild

Der Wahnsinn muss einfach aufhören.

Zwischendurch muss ich mich also mit der Realität begnügen, die noch viel hässlicher und vor allem keine (kaputten, aber doch irgendwie integren) Helden bereit hält, die den Schurken entgegen treten. Denn es ist ja inzwischen bekannt, dass vom US-Geheimdienstes CIA ausgeführte Drohnenangriffe bereits zahlreiche unbeteiligte Zivilisten, Männer, Frauen und Kinder, getötet und verstümmelt haben – in der Serie wird die Bombardierung einer Schule noch von höchster Stelle vertuscht, nicht nur damit die Öffentlichkeit nichts erfährt, sondern auch die anderen CIA-Agenten nichts in den Unterlagen finden, womit sie möglicherweise ein Loyalitätsproblem bekommen könnten.

Aber wie sich zeigt, muss eigentlich gar nichts vertuscht werden: Die USA zeigen der Welt und den Terroristen, wie ernst sie den Krieg gegen den Terror nehmen und dass sie kein Problem damit haben, für die Wahrnehmung ihrer Interessen über Leichen zu gehen. Der Aufschrei der Empörung bleibt aus – zumindest in unseren Breiten. Es stört niemanden, dass Friedensnobelpreisträger Barack Obama angebliche Staatsfeinde ohne Prozess und Anhörung „ausschaltet“, wie das Morden in solchen Fällen bezeichnet wird. Insofern ist es nur konsequent, dass Obama seinen obersten Antiterrorberater John Brennan zum Chef seiner Mord- und Folterbehörde ernennt. Brennan ist seit 25 Jahren bei der CIA und war schon stellvertretender CIA-Direktor in der ersten Amtszeit von George W. Bush. Am Aufbau der neuen Polizeistaatmethoden in den USA war er ebenso beteiligt wie an der Etablierung von Mord und Folter als Instrumente moderner Außenpolitik.

Folgerichtig verteidigt Brennan das Drohnenprogramm zum ungesetzlichen Töten von Menschen nicht nur als legal, weil es schließlich kein internationales Gesetz gebe, das den Einsatz ferngesteuerter Flugzeuge zu diesem Zweck verbiete, sondern sogar als „ethisch“, weil mit Drohnen präzise gegen militärische Ziele vorgegangen werden könne und Kollateralschäden somit vermieden würden. Wenn das so ist, sind inzwischen wohl auch Frauen und Kinder, ja ganze Hochzeitsgesellschaften in Afghanistan, Pakistan und Jemen (demnächst kommt auch noch Mali dazu) inzwischen als militärische Ziele zum Abschuss frei gegeben. Manchen Völkern muss man Freiheit und Demokratie halt mit diktatorischen Mitteln nahebringen, damit sie die Lektion kapieren. Terroristen sind nämlich immer nur die anderen.

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Über modesty

Akademisch gebildetes Prekariat. Zeittypische Karriere: anspruchsvolle Ausbildung, langwieriger Berufseinstieg, derzeit anstrengender, aber schlecht bezahlter Job mit unsicherer Perspektive. Vielseitige Interessen, Literatur, Film, Medien, Wissenschaft, Politik, Geschichte, Gesellschaft, Zeitgeschehen. Hält diese Welt keineswegs für die beste aller möglichen, hofft aber, dass sie besser werden kann. Möchte gern im Rahmen der bescheidenen Möglichkeiten dazu beitragen.
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