Attentat am Kollwitzplatz: Peinliche Schwaben

“Das Peinlichste am Schwabenland, mal von der Landschaft abgesehen, sind doch sicherlich die Schwaben” schrieb einmal ein großer Dichter. Nein, Goethe war es nicht, aber Max Goldt, der bekanntlich auch gut ist. Als er das schrieb, war noch nicht absehbar, wie über alle Maßen recht er behalten sollte: Heute musste ich in der Berliner Zeitung lesen, dass extrem peinliche Menschen im Namen der Eingeborenen aus Deutsch-Südwest am Kollwitzplatz einen Spätzle-Anschlag auf das Denkmal für Käthe Kollwitz verübt haben.

terrourists go home

Das gilt auch für Spätzle-Werfer!

Was haben die Schwaben ausgerechnet gegen Käthe Kollwitz? Die sozial engagierte Künstlerin wurde 1867 in Königsberg geboren, lebte und arbeitete aber seit 1891 im damaligen Arbeiterbezirk Prenzlauer Berg in Berlin. Kaiser Wilhelm II bezeichnete ihre sozialkritischen Arbeiten als „Rinnsteinkunst“, was aber eher als Auszeichnung zu begreifen ist, denn die Elite jener Zeit liebte Pomp und verklärenden Historismus. Der ausdrucksstarke, expressive Stil von Käthe Kollwitz dagegen zeichnet ein realistisches Bild der weniger schönen Umstände, unter denen Wilhelms Untertanen leben mussten. Die Kunstszene Berlins dagegen war aufgeschlossener: 1919 wurde Käthe Kollwitz zur Professorin ernannt und dadurch als erste Frau Mitglied der Preußischen Akademie der Künste. Bekannt sind vor allem ihre Plakate, etwa „Nie wieder Krieg!“ oder „Nieder mit dem Abtreibungsparagrafen!“

Zwar war Käthe Kollwitz nie Mitglied einer Partei, sie stand aber der Arbeiterbewegung nah und gehörte zu den Unterzeichnerinnen des Dringenden Appells, mit dem 1932 bekannte Persönlichkeiten wie Albert Einstein, Erich Kästner, Heinrich Mann, Ernst Toller und eben Karl und Käthe Kollwitz für den Aufbau einer einheitlichen Arbeiterfront aus SPD und KPD gegen den Nationalsozialismus warben. Kein Wunder, dass die Nazis sie 1933 zum Austritt aus der Akademie zwangen und sie von ihrem Posten als Leiterin der Meisterklasse für Grafik entfernten, wie auch wenige Jahre später ihre Kunstwerke aus der Berliner Akademieausstellung. Käthe Kollwitz starb kurz vor dem Ende des 2. Weltkrieges in Moritzburg (Sachsen).

Für mich steht fest: Wer das Denkmal dieser Frau mit was auch immer besudelt, hat weder in Prenzlauer Berg, noch in anderen Berliner Bezirken irgendetwas verloren. Geht nach Hause, ihr verblendenden Spätzle-Werfer und versinkt vor Scham gleich mit euerm Stuttgarter Hauptbahnhof unter der Grasnarbe. Wenn ihr wenigstens den Thierse beworfen hättet, ihr feiges Pack. Aber Käthe Kollwitz! Oberpeinlich.

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Über modesty

Akademisch gebildetes Prekariat. Zeittypische Karriere: anspruchsvolle Ausbildung, langwieriger Berufseinstieg, derzeit anstrengender, aber schlecht bezahlter Job mit unsicherer Perspektive. Vielseitige Interessen, Literatur, Film, Medien, Wissenschaft, Politik, Geschichte, Gesellschaft, Zeitgeschehen. Hält diese Welt keineswegs für die beste aller möglichen, hofft aber, dass sie besser werden kann. Möchte gern im Rahmen der bescheidenen Möglichkeiten dazu beitragen.
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3 Antworten zu Attentat am Kollwitzplatz: Peinliche Schwaben

  1. Das zeigt nur einmal mehr, daß diese fatzkes nicht bloß kein hochdeutsch, sondern sich auch nicht benehmen können. Wer im ehemaligen arbeiterbezirk Prenzlauer Berg eßwaren auf denkmäler wirft und nicht auf politiker, sollte sofort in sein heimatland abgeschoben werden.

  2. MCBuhl schreibt:

    Naja, den Anschlag finde ich zwar auch nur mäßig humorvoll, aber es hat nichts mit Käthe Kollwitz, viel aber mit W.Thierse zu tun, der am Platz wohnt. Gibt ja eine Bekennerhomepage dazu…
    P.S. Ihr dürft die peinlichen gerne behalten, wir wollen sie nicht (zurück) 🙂

  3. Tabul A. Raza schreibt:

    Daß die Schwaben ihre Spätzle wegwerfen, ist schon mal ein guter Anfang. Nun sollten sie noch einiges andere hinterherwerfen, und möglichst auf ein besser ausgewähltes Ziel.

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