Anhaltender Boom im weltweiten Drogengeschäft

Das Leben ist hart und ungerecht. Um die Härten und Ungerechtigkeiten irgendwie aushalten zu können, gibt es eine immer größere Palette an Drogen, die auf die eine oder andere Weise dabei helfen, den öden Alltag zu vergessen. Deshalb verwundert es nicht, dass der Konsum an Rauschdrogen weltweit zunimmt und einige Regionen der Welt bereits von der Drogenmafia regiert werden. Würde es sich um einen legalen Wirtschaftszweig handeln, würde die Schlagzeile lauten, dass sich der weltweite Boom in internationalen Drogenhandel fortsetzt. Wachstum ist doch sonst immer das Geilste überhaupt.

Aber natürlich geht das in diesem Fall so nicht. Also stellte der Internationale Suchtstoffkontrollrat INCB gestern den Jahresbericht 2012 vor – und musste einmal mehr konstatieren, dass alles immer schlimmer wird. Die Huffington Post fragt nicht zu unrecht, ob nicht etwa der INCB selbst gefährlich für die Gesundheit sei, weil er einerseits nichts gegen gefährliche Medikamente habe, mit denen man wunderbar Geschäfte machen kann, während vergleichsweise harmlose Drogen, die man genauso gut als Medikament nutzen könne, verdammt und bekämpft würden. Auch habe der INCB nichts gegen Menschenrechtsverletzungen, die im Namen des Kriegs gegen Drogen begangen würden.

Legale Droge, immer wieder gern konsumiert.

Legale Droge, immer wieder gern konsumiert.

Aber wie das mit vielen Dingen so ist, wenn sie kapitalistisch geregelt werden: Das Geschäft als solches funktioniert nach den Regeln des Marktes und nicht nach moralischen Ansprüchen oder gesundem Menschenverstand. Wenn sich mit Drogen gute Geschäfte machen lassen, dann finden sich Menschen, die diese Verdienstmöglichkeiten nutzen – genauso wie Geschäfte mit Menschenhandel, Zwangsprostitution, menschlichen Organen oder Waffen gemacht werden, solange man sich damit dumm und dämlich verdienen kann. Und je schlechter die Verdienstmöglichkeiten mit anständigen, legalen Jobs werden, desto attraktiver wird es, sein Geld halt auf andere Weise zu verdienen.

Und so landen derzeit auch immer mehr „Badesalz-Drogen“ oder „Herbal Hights“ auf dem Markt, in denen Abfallstoffe der Pharmaindustrie recycelt werden. Die sind zwar nicht alle gefährlich, manche dafür aber um so mehr. Und oft wissen die Konsumenten gar nicht, was sie sich da eigentlich zuführen.

Doch auch der Missbrauch von verschreibungspflichtigen Medikamenten nimmt immer weiter zu – so werden immer mehr Kinder mit Ritalin ruhig gestellt, während sich Erwachsene mit Schmerzmitteln betäuben. Beliebt ist auch das Erkältungsmittel Aspirin Komplex, weil das darin enthaltene Pseudo-Ephedrin ein Grundstoff für die Herstellung von Crystal Meth ist. Dieses wiederum macht sehr schnell abhängig und ist extrem schlecht für die Gesundheit. Trotzdem nimmt der Konsum von Crystal Meth auch in Deutschland deutlich zu.

Die Versuche der Politik, dem weltweiten Drogenkonsum mit Regeln und Verboten zu begegnen, sind von vorn herein zum Scheitern verurteilt, weil sich an den Zuständen in der Welt, die dazu führen, nicht das geringste ändern wird – im Gegenteil, die Verschärfung der Krisen, die der Kapitalismus zwangsläufig hervorruft, werden dazu führen, dass immer mehr Menschen zu den immer vielfältiger vorhandenen Drogen greifen.

Ob nun weiterhin Berichte des INCB veröffentlich werden oder nicht.

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Über modesty

Akademisch gebildetes Prekariat. Zeittypische Karriere: anspruchsvolle Ausbildung, langwieriger Berufseinstieg, derzeit anstrengender, aber schlecht bezahlter Job mit unsicherer Perspektive. Vielseitige Interessen, Literatur, Film, Medien, Wissenschaft, Politik, Geschichte, Gesellschaft, Zeitgeschehen. Hält diese Welt keineswegs für die beste aller möglichen, hofft aber, dass sie besser werden kann. Möchte gern im Rahmen der bescheidenen Möglichkeiten dazu beitragen.
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Eine Antwort zu Anhaltender Boom im weltweiten Drogengeschäft

  1. Alfred Casimir schreibt:

    der Herr geht seltsame Wege

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