Durchaus ein Grund zum Feiern

Die eiserne Lady ist tot. Für zahlreiche Menschen ist das ein Grund zum Feiern – schließlich hat Margaret Thatcher gemeinsam mit Ronald Reagan die Ideologie des Neoliberalismus nicht nur salonfähig gemacht, sondern ihr gleich auch zur nachhaltigen Umsetzung in der globalen Weltwirtschaft verholfen. Maggie Thatcher hat die einst einflussreichen britischen Gewerkschaften zerschlagen, die Steuern gesenkt, die Staatsausgaben massiv gekürzt, dereguliert und liberalisiert wo immer es nur möglich war und damit ein gnadenloses Verarmungsprogramm für den größten Teil der arbeitenden Bevölkerung in Gang gesetzt, das inzwischen sehr erfolgreich dazu geführt hat, dass in ganz Europa immer mehr Menschen überhaupt keinen Job mehr bekommen, während die anderen für immer weniger Geld immer mehr arbeiten müssen. Nur eine kleine Schicht von Chefs und Funktionären am oberen Ende der Nahrungskette kann sich immer mehr Geld in die eigenen Taschen schaufeln und das dann wiederum im Offshore-Steuerparadies zu noch mehr Geld machen. Für das dann andere arbeiten müssen.

Kein Wunder, dass die Leute in Großbritannien auf den Straßen getanzt haben, als die Nachricht vom Tod der eisernen Lady die Runde gemacht hat. Ausgerechnet die Bild-Zeitung hat die Heldentaten der Margaret Thatcher in Kürze ganz gut zusammengefasst. Allerdings hat sie diese Aufzählung bild-üblich mit einer unglaublich dummen Frage überschrieben: „Woher kommt dieser Hass auf Maggie?“

Die Antwort ist so einfach wie naheliegend: Der alternativlose Umbau des britischen Sozialstaates in eine neoliberale Geldmaschine für wenige Profiteure hat neben ein paar schicken neuen Hochhäusern in der Londoner City jede Menge Verlierer produziert, die nun unter miesen und sich ständig verschlechternden Bedingungen irgendwie überleben müssen. Ich kann mir vorstellen, dass in Europa auch einige Leute auf den Straßen tanzen werden, wenn unsere Lady Alternativlos einmal das Zeitliche segnet. Allerdings ist unsere Bundeskanzlerin nur eine geschickte Mitläuferin in Sachen Neoliberalismus – sie profitiert vom Zerstörungswerk ihrer britischen Vorkämpferin, das sie nun nicht weniger gnadenlos europaweit vollstreckt.

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Über modesty

Akademisch gebildetes Prekariat. Zeittypische Karriere: anspruchsvolle Ausbildung, langwieriger Berufseinstieg, derzeit anstrengender, aber schlecht bezahlter Job mit unsicherer Perspektive. Vielseitige Interessen, Literatur, Film, Medien, Wissenschaft, Politik, Geschichte, Gesellschaft, Zeitgeschehen. Hält diese Welt keineswegs für die beste aller möglichen, hofft aber, dass sie besser werden kann. Möchte gern im Rahmen der bescheidenen Möglichkeiten dazu beitragen.
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3 Antworten zu Durchaus ein Grund zum Feiern

  1. aurorakater schreibt:

    Der Tod eines Menschens ist nicht gerade ein grund, um zu feiern, aber seine Leben und seine Handlungen einzuschätzen ist gerecht und MT kann man in der Erinnerung nur verfluchen, wenn man zu den von ihrer Politik betroffenen gehört. Wenn es eine Hölle gibt, liebe Teufelchen, laßt sie schmoren … !

  2. Hans 62 schreibt:

    Herr, lass die „eiserne Lady“ wenigstens ohne weitere Umweltschäden und in schlechter Erinnerung verrosten.

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