Alles so anstrengend

Ich bin müde.

Alles ist so unglaublich anstrengend.

Die gute Nachricht ist, dass mir mein Arbeitsplatz erstmal erhalten bleibt – wir haben es in den vergangenen Wochen, ach Monate sind es schon, geschafft, mit sehr viel Einsatz den Karren aus dem Dreck zu ziehen und wieder in die Spur zu bringen. Der Laden läuft weiter und das auch gar nicht schlecht – bisher war auch das übliche Sommerloch nicht allzu stark zu spüren.

Gleichzeitig ist das aber auch wieder eine schlechte Nachricht, denn die Latte liegt nun deutlich höher und mein Chef kann sich die Hände reiben. Denn wir haben ja bewiesen, dass wir richtig ranklotzen können, wenn es drauf ankommt. Natürlich ist das unser Job, für den wir seiner Ansicht nach ja eh schon zu gut bezahlt werden. Aber wir machen seinen ja auch noch mit – ohne in irgendeiner Form dafür belohnt zu werden, außer, dass wir uns weiter von ihm ausbeuten lassen dürfen.

Das frustriert mich.

Einerseits müssen wir unseren Chef von wichtigen Sachen fern halten, weil er einfach nicht einsieht, dass man bestimmte Dinge anders angehen muss. Denn er ist der Chef und hat sowieso immer recht. Und im Zweifelsfall kann er ohnehin alles besser als jeder Einzelne von uns, egal wie gut wir in unserem jeweiligen Job sind.

Aber wenn wir ihn aber einfach machen lassen, wie er will, endet es in vielen Fällen im Chaos, wenn nicht in der Katastrophe – und irgendwer, der am wenigsten dafür kann, kriegt es ab. Und dann wundert Cheffi sich, warum schon wieder jemand kündigt.

Zum Glück ist der Arbeitsmarkt so beschissen, dass es immer wieder Bewerber gibt, die bei uns anheuern wollen. Wobei das auch wieder so eine zusätzliche Arbeit ist, die dann wir Untergebenen am Hacken haben – Jobs ausschreiben, Bewerbungen sichten, Leute einladen, Bewerbungsgespräche führen – das machen wir jetzt auch noch nebenbei. Muss ja irgendwie weiter gehen. Und nur nicht die Bewerber mit einer zu frühen Konfrontation mit meinem Chef gleich wieder verschrecken.

Und dank der Hartz-IV-Keule rennen viele der Bewerber auch nicht gleich schreiend weg, wenn die Gehaltsverhandlungen losgehen. Lieber ein Scheißgehalt als keins. Geht mir ja nicht anders. Aber trotzdem wünsche ich mir, dass da mal ein gewaltiges Donnerwetter reinfährt.

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Über modesty

Akademisch gebildetes Prekariat. Zeittypische Karriere: anspruchsvolle Ausbildung, langwieriger Berufseinstieg, derzeit anstrengender, aber schlecht bezahlter Job mit unsicherer Perspektive. Vielseitige Interessen, Literatur, Film, Medien, Wissenschaft, Politik, Geschichte, Gesellschaft, Zeitgeschehen. Hält diese Welt keineswegs für die beste aller möglichen, hofft aber, dass sie besser werden kann. Möchte gern im Rahmen der bescheidenen Möglichkeiten dazu beitragen.
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