Ein Wink mit dem Laternenpfahl

Woran merkt man, dass Wahlkampf ist? Genau: Von den Laternenpfählen der Republik grinsen die einschlägigen Dumpfbacken über den immer gleichen blöden Parolen. Das kann einen auf- und die Fantasie anregen: Wenn man schon Politiker an die Laternenmasten hängt, könnte man es ja auch gleich richtig machen.

Ich will überhaupt nicht regiert werden und schon gar nicht von diesen Typen. Die exekutieren ja eh nur, was der Markt ihnen vorschreibt. Also die, die den Markt machen, die Wirtschaftsbosse, die Banker, die Eigentümer, die Industrieverbände, diese ganze dreckige Arbeitgeberlobby, die Deutschland bereits zum Niedriglohn-Paradies umgebaut hat und nun daran arbeitet, es zu perfektionieren.

Was soll man denn wählen unter solchen Umständen? Es gibt ja keine Partei, die die Interessen der arbeitenden Menschen wirklich vertritt – es gibt nur zugelassene Dienstleister am Staat, wie wir ihn halt haben. In all seiner Perfidie – mit der Wahl dürfen die Leute der neuen Regierung bestätigen, dass sie auch die nächsten vier Jahre brav alle Grausamkeiten ertragen werden, denn sie haben sich ihr Regierungspersonal ja selbst ausgesucht. Und somit wollen sie es ja gar nicht anders. Und es geht auch gar nicht anders, das versichern uns Merkel und Steinbrück ja mindestens einmal pro Stunde.

Nicht mal die Linke stellt infrage, dass der Mensch für seinen Lebensunterhalt gefälligst zu arbeiten hat – sie fordert immerhin, dass der Mensch dann auch vom Lohn leben können muss. Und das kann der Mensch schließlich auch vom schäbigen Mindestlohn, Millionen Geringverdiener in Deutschland sind der lebendige Beweis dafür. Vor hundert Jahren haben sich gewöhnliche Arbeiterfamilien auch mit Stube und Küche zufrieden geben müssen – warum sollte das heute nicht mehr möglich sein? Immerhin gibt es jetzt fließend Wasser und Zentralheizung. Und Telefon und Internet – wer will da behaupten, dass es keinen Fortschritt gäbe!

Selbst die ärmsten Schlucker haben inzwischen ein Handy und tragen somit zu ihrer effektiveren (Selbst-)Überwachung bei – wo wir schon dabei sind: Ist es nicht wunderbar, dass die NSA und ihre Handlanger mit ihrer ganzen Überwachungstätigkeit gerade mal wieder jede Menge Terroranschläge verhindern? Gut, dass die Al-Kaida-Chefs so kooperativ sind und gerade jetzt so viel konspirative Tätigkeit an den Tag legen, damit die Amis der ganzen Welt zeigen können, wie nötig diese ganze Datenwühlerei ist, wo doch gerade das eine oder andere kritische Stimmchen erscholl. Aber Sicherheit gibt’s nicht umsonst, die hat ihren Preis, genau wie die vielgerühmte Freiheit, die angeblich durch diese ganze Datenschnüffelei gefährdet, äh, verteidigt wird.

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Über modesty

Akademisch gebildetes Prekariat. Zeittypische Karriere: anspruchsvolle Ausbildung, langwieriger Berufseinstieg, derzeit anstrengender, aber schlecht bezahlter Job mit unsicherer Perspektive. Vielseitige Interessen, Literatur, Film, Medien, Wissenschaft, Politik, Geschichte, Gesellschaft, Zeitgeschehen. Hält diese Welt keineswegs für die beste aller möglichen, hofft aber, dass sie besser werden kann. Möchte gern im Rahmen der bescheidenen Möglichkeiten dazu beitragen.
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