Das Jahr 2013: Schnellrückblick durch die Google-Brille

Jetzt kann Weihnachten werden, wir werden endlich wieder ordentlich regiert. Und auch sonst scheint alles in Butter zu sein, zumindest wenn man sich die Google-Suchbegriffe des Jahres 2013 ansieht. Suchbegriff Nummer 1 ist ausgerechnet „Wahlomat“ – wobei, wenn ich drüber nachdenke, verwundert mich das auch nicht, denn offenbar wussten nicht nur die viele Nichtwähler nicht, wen sie wählen sollten, sondern auch diejenigen, die dann doch irgendwen gewählt haben. Damit man die Parteien und ihre Positionen heutzutage noch unterscheiden kann, braucht man halt den Wahlomat. Da erfährt man zumindest ansatzweise, welche Partei mit den eigenen Positionen zu bestimmten Themen passt. Denn bei den professionellen Polit-Darstellern weiß man es nicht.

Wobei das auch egal ist, denn eins ist klar: Der Standort Deutschland muss voran gebracht werden, egal was es kostet, und die Kosten übernimmt die arbeitende Bevölkerung, egal ob mit Mindestlohn, Armutsrente oder Hartz-IV-Sanktionen. Die googelt eh lieber nach dem iPhone 5S oder dem Dschungelkamp oder nach Schauspielern, die sich nicht nur im Film, sondern auch im wahren Leben den Hals ab fahren, als nach Bombenrezepten oder Anleitungen zum Barrikadenbau. Spätestens seit dem Bekanntwerden wie vollumfänglich wir alle in unserem digitalen Dasein überwacht werden, surft ohnehin die Angst ständig mit.

Also weichen die Leute zur Entspannung lieber auf politisch unauffällige Internetseiten wie Youporn oder Redtube aus – was aber auch wieder unangenehm werden kann, wenn findige Anwälte dort ein Geschäftsmodell wittern und den Porno-Kuckern eine freundliche Zahlungsaufforderung schicken – die IP-Adressen, die eigentlich gar nicht gespeichert und noch weniger weitergegeben dürften, kommen in diesem Fall aber nicht von der NSA, sondern aus anderen illegalen Quellen. Die Staatsanwaltschaft Köln ermittelt gegen Unbekannt. Vielleicht sollten die einfach mal bei Google anfragen…?

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Über modesty

Akademisch gebildetes Prekariat. Zeittypische Karriere: anspruchsvolle Ausbildung, langwieriger Berufseinstieg, derzeit anstrengender, aber schlecht bezahlter Job mit unsicherer Perspektive. Vielseitige Interessen, Literatur, Film, Medien, Wissenschaft, Politik, Geschichte, Gesellschaft, Zeitgeschehen. Hält diese Welt keineswegs für die beste aller möglichen, hofft aber, dass sie besser werden kann. Möchte gern im Rahmen der bescheidenen Möglichkeiten dazu beitragen.
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