Meinungstrolle in Ost und West

Jetzt also auch heise: Putins Trolle schwemmen die Online-Foren. Es geht ja schon seit einiger Zeit die Mär um, dass die eigenartig prorussische Stimmung der Menschen in diesem unserem Lande das Werk einer digitalen Kolonne sei, die von Moskau gesteuert wird, allerdings in Sankt Petersburg sitzen soll. Nun berichtet auch das vergleichsweise seriöse Tech-Portal heise.de über jene mysteriöse „Agentur zur Analyse des Internets“, die in der Zarenstadt an der Newa 600 professionelle Trolle auf westliche Foren angesetzt haben soll, um das Meinungsbild der Westbürger im Sinne der russischen Regierung unter Putin zu beeinflussen.

Konkret soll es darum gehen, die Meinung in den Foren wichtiger Medienportale und sozialer Netzwerke mit entsprechenden Kommentaren im Sinne Putins zu drehen – eine Million US-Dollar soll die Agentur monatlich dafür bekommen. Nun würde ich behaupten, dass das im Vergleich zu dem, was die NSA und ihre Partnerorganisationen monatlich bekommen, vergleichsweise mickrig ist, aber die haben ja auch noch andere Aufgaben. Die Beeinflussung der kompletten Welt ist halt ein bisschen aufwendiger, als ein paar ausgewählte Foren im Auge zu behalten.

Der Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen ist jedenfalls besorgt und weist darauf hin, dass russische Spione ihre Tätigkeiten ausgeweitet hätten. Auch russische Geheimdienste würden sich bemühen, das Meinungsbild in Deutschland zu beeinflussen. Das ist schon irgendwie niedlich – ist nicht kürzlich erst im Zusammenhang mit den in deutschen Medien fast totgeschwiegenen Luxemburger Bommeleeer-Prozess erneut ans Licht gekommen, dass die CIA mit Gladio eine komplette Geheimarmee in Westeuropa installiert hatte, die leider nicht nur in Foren getrollt hat, weil es die in dieser Form noch gar nicht gab, sondern ganz handfeste Sabotage-Aktionen wie Bomben-Anschläge ausgeführt hat, um eine antisowjetische Stimmung zu schüren?

Und auch sonst sind die USA ja nicht zimperlich, wenn es um die Beeinflussung der öffentlichen Meinung geht. Prominentes Beispiel sind die von der Agentur Hill&Knowlton produzierten Videos, in denen angebliche irakische Soldaten kuwaitisches Babys aus Brutkästen reißen und auf dem Boden sterben lassen, um in der Zeit vor dem ersten Golfkrieg die Stimmung zugunsten einer Militär-Intervention gegen Irak zu drehen. Was ja auch funktioniert hat. Allerdings läuft es im Irak bekanntlich nicht so gut, seit die Amis nach jahrelanger Besatzung wieder abgezogen sind. In Sachen Irak ist übrigens gerade auch ein bemerkenswerter Stimmungsschwenk zu beobachten:

Seit die sunnitischen Kämpfer der ISIL (Islamischer Staat im Irak und der Levante) die zweitgrößte irakische Stadt Mossul praktisch im Handstreich erobert haben, gelten die Jungs nicht mehr als Freiheitskämpfer, die man zuvor in Syrien erst hochgerüstet hatte, damit sie gegen den syrischen Präsenten Assad kämpfen konnten. Sondern als islamistische Terroristen. Hatten wir schon mal – genau, Afghanistan. Okay, es gibt auch prowestliche islamische Gottesstaaten, etwa Saudi-Arabien, aber da will man als Westler auch nicht unbedingt tot überm Zaun hängen. Und dann gibts noch die anderen – muss nicht sein, dann doch lieber Wodka mit Putin.

Womit wir wieder beim Thema wären: Die Süddeutsche war fleißig und hat nach eigenen Angaben 138 Megabyte Daten ausgewertet (was mir eigentlich gar nicht so viel erscheint), die belegen sollen, dass in ausgewählten Foren von Moskau gesteuerte Meinungstrolle unterwegs sind. Denn eigentlich hätten nur etwa 8 Prozent der Deutschen eine gute Meinung von Putin – der Autor kann sich den Hinweis nicht verkneifen, dass das ja ungefähr dem Wahlergebnis der Linkspartei entspräche. Zwei Drittel der Deutschen würden dagegen den Druck von USA und EU auf Moskau für sinnvoll halten und Wirtschaftshilfen für Kiew begrüßen. In den Foren bestimmter Portale könne man dagegen den Eindruck gewinnen, dass man mit einer solchen Meinung allein da stünde.

Wo jetzt welche Meinung beeinflusst wurde, ist vielleicht gar nicht so schwer zu sagen – ich für mich kann allerdings versichern, dass ich kein bezahlter Meinungstroll bin.

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Über modesty

Akademisch gebildetes Prekariat. Zeittypische Karriere: anspruchsvolle Ausbildung, langwieriger Berufseinstieg, derzeit anstrengender, aber schlecht bezahlter Job mit unsicherer Perspektive. Vielseitige Interessen, Literatur, Film, Medien, Wissenschaft, Politik, Geschichte, Gesellschaft, Zeitgeschehen. Hält diese Welt keineswegs für die beste aller möglichen, hofft aber, dass sie besser werden kann. Möchte gern im Rahmen der bescheidenen Möglichkeiten dazu beitragen.
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6 Antworten zu Meinungstrolle in Ost und West

  1. Braman schreibt:

    Zu Ihrem letzten Satz: …ich, für mich, kann versichern.. usw., welcher Troll würde denn sagen: hallo Ihr Lieben, ich schreibe im Auftrag und zu Gunsten von…………….!
    Und dann noch zum Satz: Im Irak läuft es bekanntlich nicht so gut, seit die Amis abgezogen sind.
    Dem muss ich doch entschieden widersprechen und würde doch das Wort „abgezogen“ (2011) durch das Wort „eingefallen“ (2004) ersetzen.
    Ansonsten, einverstanden!

    MfG: M.B.

  2. Data schreibt:

    Da fehlen mir die Worte:-) ich kann mich aber erst später dazu äußern, mein russischer Führungsoffizier mus erst noch den Kommentar schreiben:-)

    • aurorakater schreibt:

      Написать застройку!
      Главное Путин является самым большим, опередив Петра I.

      Из денег как всегда 50%!

  3. Arsenal injustitia schreibt:

    Willkommen bei den 8% :o), das müssen viel mehr sein, denn ich kenne niemanden, der das üble Spiel der AMIKOLONIALISIERUNG nicht durchschaut.
    Da gibts noch ein paar poplige Hurenschreiber der CIA/VSA in der Blöd und anderer Journalle, na ob die daran glauben was sie schreiben? Propaganda muss schon sein, wenn man als besetzte Kolonie für die VSA Drohnenmorde Stimmung machen will.
    http://arsenalinjustitia.wordpress.com/2014/06/12/nr-1070-und-wieder-schweigen-die-medien/
    http://arsenalinjustitia.wordpress.com/2014/06/12/nr-1069-alles-geplant-ruckblick-von-2011-bis-heute/
    http://arsenalinjustitia.wordpress.com/2014/06/12/nr-1072-die-zundschnur-der-amis/
    http://arsenalinjustitia.wordpress.com/2014/06/06/nr-1061-wer-stoppt-merkel-und-co/
    Ja dann ich bin Putin Versteher und AMI Verachter! Leider bezahlt mich niemand für meine Meinung, denn es ist meine eigene und die ist, zumindest für mich unbezahlbar!!!

  4. KHM schreibt:

    Schon bemerkenswert, welche Gedankenspiele in Sachen Neujustierung des Verhältnisses der imperialistischen Zentren EU und USA es im Gefolge der neuen Weltlage in deutsche Leitmedien wie die ZEIT schaffen:

    german-foreign-policy.com: Eine neue Grand Strategy (13.06.2014)

    Eine einflussreiche deutsche Wochenzeitung stellt die Forderung nach einer Neudefinition der Beziehungen zwischen der EU und den USA zur Debatte. Die aktuelle westliche Ukraine-Politik laufe „europäischen“ Interessen diametral zuwider, heißt es in einem aktuellen Beitrag auf dem Online-Portal der Wochenzeitung „Die Zeit“. „Europa“ dürfe sich die Zusammenarbeit mit Moskau nicht nehmen lassen, es müsse sie vielmehr noch stärker ausbauen, heißt es weiter. Gleichzeitig solle die EU auch ihre Beziehungen zu Washington intensivieren, dabei aber ihre „eigenen Vorstellungen“ mit größerer Entschlossenheit durchsetzen; das Ziel sei eine „neue und zukunftsträchtigere transatlantische Grand Strategy“. Autor des Beitrags ist ein Mitarbeiter des Londoner Think-Tanks „Global Policy Institute“; die in ihm vertretenen Positionen geben jedoch Auffassungen wieder, wie sie auch im deutschen Außenpolitik-Establishment vertreten werden. Die Auseinandersetzungen um die deutsche Ukraine-Politik, die hinter den Kulissen seit je geführt werden, drängen vorsichtig an die Öffentlichkeit.

    http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/58889

    ZEIT ONLINE: Europa muss seine Beziehungen zu den USA neu justieren (6. Juni 2014)

    Die EU darf sich nicht mehr einer Strategie made in Washington unterwerfen. Sie muss für ihre eigenen Interessen eintreten und auch Freunden klare Grenzen aufzeigen.

    http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-06/europaeische-interessenpolitik

  5. Wetterfrosch schreibt:

    8 % schreibt die SZ ? Es sind sicher 80 %. Ich bin einer davon. Auch unbezahlt – leider.
    Diese Drecksamis soll der Teufel holen. Und unsere a****kriechenden und kriegstreibenden Politikvasallen ebenfalls. Ich hoffe, die Eurasische Union setzt sich durch, damit unsere Kinder endlich wieder eine Zukunft haben.

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