Krisengebiet des Tages: Deutsche Bundeswehr

Deutsche Waffen, deutsches Geld morden mit in aller Welt – insbesondere Panzer und Handfeuerwaffen aus deutscher Produktion sind weltweit überaus beliebt. Und das natürlich insbesondere in Kriegs- und Krisengebieten, wohin die deutschen Rüstungsunternehmen eigentlich gar nicht liefern dürfen. Aber andererseits: Sollen denn immer andere das Geschäft machen und man muss ja auch an die Arbeitsplätze denken… Bundeswirtschaftminister Sigmar Gabriel hat sich trotzdem gerade erst bei der deutschen Rüstungsindustrie unbeliebt gemacht, weil er, wie vor der Wahl versprochen, bei Rüstungsexporten tatsächlich genauer hin sehen will, wohin die Rüstungsgüter denn eigentlich geliefert werden.

Wobei – gerade ist es ja wieder populär, in bestimmte Krisengebiete Waffen zu liefern. Momentan wird die Bundesregierung zur Abwechslung mal dafür kritisiert, dass sie peinlicherweise gar nicht dazu in der Lage ist, den Kurden im Irak ein paar olle Gewehre zukommen zu lassen, mit denen sie die Dschihadisten vom IS in Schach halten sollen. Frage: Wenn die Bundeswehr das nicht kann, warum lässt man das dann nicht die Experten aus der Rüstungsbranche machen? Die sind ja offenbar sehr gut in der Lage, ihre Produkte so ziemlich überall hin zu liefern.

Aber wo wir gerade bei der Bundeswehr sind: Ist es nicht eigentlich unglaublich beruhigend, dass die deutsche Armee in einem so desolaten Zustand ist, dass sie, um eine Spiegel-Schlagzeile aus den frühen 60er Jahren wieder aufzuwärmen – höchstens bedingt abwehrbereit ist? Ist doch egal! Deutschland ist seit Jahrzehnten nur noch von Freunden umzingelt! Wir müssen uns weder gegen Wikingerhorden aus dem Norden, noch gegen römische Imperialisten aus dem Süden wehren, Frankreich wurde vom Erbfeind zum Erzfreund, selbst der Ostblock besteht jetzt in erster Linie aus NATO-Partnern und Putin interessiert sich viel mehr für die Ukraine als für Mecklenburg-Vorpommern.

Was soll also das Geheul über flugunfähige Marinehubschrauber und kaputte Kampfjets? Uhuh, der Spiegel sagt, im Angriffsfall könnte die Bundeswehr die versprochenen 60 Eurofighter gar nicht stellen. Aber wer sollten denn beispielsweise im Baltikum angreifen? Russland? So blöd sind die nicht, die Russen machen das viel einfacher per Internet – der notorische russische Forentroll ist längst unter uns und hetzt die Bürger gegen die deutschen Qualitätsmedien auf. Gemein!

Deutschland könne nicht auf „kurzfristige Krisensituationen reagieren“. Na und?! Wir haben doch seit Jahren eine sich ständig verschlimmernde Krisensituation – aber die Banken bombardiert ja keiner. Hier würde es übrigens für den Anfang völlig ausreichen, ein paar Vorstände und Aufsichtsräte an die Wand zu stellen. Bei Handfeuerwaffen gibt es ja keine Engpässe. Aber nein, da, wo effektiv auf Krisen reagiert werden könnte, macht es keiner.

Und was den Einsatz der Bundeswehr gegen Ebola angeht: Da sehe ich auch nicht, was Waffen und Soldaten ausrichten sollen – bräuchte man da nicht eher Ärzte, Medikamente und medizinische Ausrüstung? Immerhin – die Bundeswehr hat laut Tagesschau einen Airbus 310 mit Handschuhen, Desinfektionsmitteln und Stiefeln nach Afrika geschickt. Das ist schon mal ein Anfang – die Bundesregierung hat rasante 12 Millionen Euro für Hilfsmaßnahmen zur Eindämmung der Ebola-Epidemie zur Verfügung gestellt. Zum Vergleich: Für den Kampf gegen die Terrormilizen des IS wird mal eben Kriegsgerät für
70 Millionen Euro in den Irak geschafft – über Transport- und Ausbildungskosten habe ich noch nichts gefunden, das wird aber auch noch mal ein paar Milliönchen kosten, allein das ganze Hin-und-Her-Laden von dem Zeug von maroden in funktionstüchtige Flugzeuge…

Insgesamt sollen die Auslandseinsätze der Bundeswehr seit 1992 17 Milliarden Euro gekostet haben – die Kosten für humanitäre Einsätze sind darin ausdrücklich nicht enthalten, weil die aus anderen Titeln des Verteidigungsministeriums finanziert werden. Mit der Kohle hätte man eine ganze Menge Seuchen in aller Welt bekämpfen und ganz ohne Waffen und Gewalt Millionen Menschenleben retten können. Aber damit macht man im imperialistischen Wettbewerb natürlich keine Punkte.

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Über modesty

Akademisch gebildetes Prekariat. Zeittypische Karriere: anspruchsvolle Ausbildung, langwieriger Berufseinstieg, derzeit anstrengender, aber schlecht bezahlter Job mit unsicherer Perspektive. Vielseitige Interessen, Literatur, Film, Medien, Wissenschaft, Politik, Geschichte, Gesellschaft, Zeitgeschehen. Hält diese Welt keineswegs für die beste aller möglichen, hofft aber, dass sie besser werden kann. Möchte gern im Rahmen der bescheidenen Möglichkeiten dazu beitragen.
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2 Antworten zu Krisengebiet des Tages: Deutsche Bundeswehr

  1. Braman schreibt:

    Wenn nur ein Drittel des Geldes, das weltweit für Rüstung aus gegeben wird, für Förderprojekte an der richtigen Stelle eingesetzt werden würde, es gäbe keine Terroristen, keine Krisen, keine Ebola Epidemie, usw.
    Allerdings müsste das Geld auch da ankommen, wo es benötigt wird und nicht auf Despoten- und Korruptionskonten. Dadurch könnte der Arbeitsplatz“verlust“ in der Waffenindustrie mehr als aufgefangen werden da ja dafür andere Waren geliefert werden müssten.
    Allerdings ist die humanistische Aufklärung bei etwa 5% des Weges stecken geblieben. Sie hat zwar dem (christlichen) Aberglauben etwas von seiner Macht genommen, aber das Geltungs- und Machtstreben einer kleinen Gruppe Menschen ist immer noch vorhanden.
    Der Wille, Macht über andere Menschen, Völker und Ressourcen aus zu üben ist von der humanistischen Revolution vollkommen unberührt geblieben. Und, zu einem ziemlich großen Teil sind es die gleichen Familien seit über 1 000 Jahren, die an dieser Machtausübung beteiligt sind (z.B. der europäische Hochadel).
    Übrigens, diese sogenannte Nicht-Einsatzfähigkeit der Bundeswehr war schon oft während des Afghanistan-Krieges festgestellt worden. Aber erst jetzt soll der Wehretat erhöht werden, also muss mit der Motivationskampagne begonnen werden. Die Methode ‚Holzhammer‘ des Herrn A.F. Rasmussen funktioniert in Deutschland bei der allgemeinen Kriegsmüdigkeit nicht so recht, also müssen etwas subtilere Methoden her. Den Deutschen muss man an der ‚Ehre‘ packen, dann macht er alles um diese wieder her zustellen.
    MfG: M.B.

  2. Die Bahn hätte gerne „Transnet“ mit dem Sozi Hansen zurück. der buckelte bereits, bevor der Vorstand was verlangte, wurde dafür auch schön Arbeitsdirektor der DB.
    Da brauchte den aber keiner mehr und mit schlappen 2,3 Mio Abfindung schlich er davon.

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