Der Krieg gegen Drogen ist längst verloren

Die USA befinden sich bekanntlich im permanenten Kriegszustand – neben dem Krieg gegen den Terror gibt es ja auch noch den Krieg gegen die Drogen. Der ist, genau wie der Krieg gegen den Terror, nicht zu gewinnen. Das dämmert den Klügeren der westlichen Wertegemeinschaft zwar schon eine ganze Weile, aber weil der Klügere ja immer nachgibt, triumphiert zuverlässig die Idiotie.

Menschen haben nun mal ein Bedürfnis, high zu sein – wovon auch immer. Während sich die selbsternannten Tugendbolde an Moral besaufen, nehmen andere lieber Alkohol, Gras, Hasch, Kat, Coca, Kokain, Opium, Heroin, Crack, Meth oder was aus den Drogenküchen der Welt sonst noch so auf den Markt gelangt. Die Welt ist schlecht, die Lage für viele Menschen hoffnungslos, da verwundert kaum, dass der ausgeprägte Wunsch besteht, der hässlichen Realität für ein paar Stunden zu entfliehen.

Und dank der kapitalistischen Logik, nach der jeglicher Markt funktioniert, bieten gerade Drogen interessante Geschäftsmodelle, in denen ein hohes Risiko mit hoher Rendite belohnt wird. Mit Drogen wird so viel Geld verdient wie kaum mit etwas anderen – von Waffen- und Menschenhandel mal abgesehen. Und weil das ja völlig illegal ist, werden auch keine Steuern oder Sozialabgaben fällig, die Gewinnspannen sind also atemberaubend. Genau deswegen wird der Drogenmarkt auch immer größer, egal was im Krieg gegen die Drogen auch aufgefahren wird.

Kleiner Exkurs: Wie verlogen dieser Krieg gegen die Drogen ist, sieht man beispielsweise an Afghanistan, einem Land, das erst jahrzehntelang als Stellvertreter-Kriegsschauplatz im Kalten Krieg und danach durch den Krieg gegen den Terror so zerstört wurde, dass den armen Leuten dort kaum eine andere Existenzgrundlage bleibt, als Schlafmohn und Cannabis als Rohstoffe für den Weltmarkt zu produzieren – nur ist das leider der von der Weltpolizei ungeliebte illegale Drogenweltmarkt. Also kommen jetzt mal wieder US-Bomber angeflogen, die im Rahmen des Kriegs gegen die Drogen die Felder und damit die Lebensgrundlage der afghanischen Bauern zerstören. Damit schaffen sie nebenbei noch eine schöne Grundlage für eine nächste Runde im Kampf gegen den Terror, denn Freunde macht man sich auf diese Weise sicher nicht. Alles klar soweit?

Nun gibt es eine Global Commission on Drug Policy, in der Leute wie Javier Solana, Ernesto Zedillo, César Gaviria, Aleksander Kwasniewski und Ruth Dreifuss (Mexiko, Kolumbien, Polen, Schweiz) angehören, den Vorsitz führt das frühere Oberhaupt von Brasilien, Fernando Henrique Cardoso und Richard Branson sowie Kofi Annan gehören auch dazu. Diese Kommission hat in diesem Jahr einen neuen Bericht vorgelegt, in dem eine radikale Neuausrichtung der Drogenpolitik gefordert wird. Sie empfiehlt nicht nur die Legalisierung von Cannabis, sondern eine komplette Entkriminalisierung des Drogenkonsums. Der Gebrauch sämtlicher psychoaktiven Substanzen solle nicht freigegeben, aber reguliert werden, so dass ein kontrollierter legaler Konsum möglich wird.

Die bisherige Politik von Prohibition und Kriminalisierung führe nachweislich nur zu überfüllten Gefängnissen und schweren gesundheitlichen und sozialen Problemen. Die Illegalität von Drogenbesitz und Konsum ändert nichts daran, dass Menschen, die Drogen nehmen wollen, genau das tun, allerdings hat sie zur Folge, dass es prohibitionsbedingt unnötige und schwere Schäden gibt, nicht nur Überdosierungen oder ungewollte Auswirkungen durch verunreinigten Stoff oder Infektionen, sondern eben auch Korruption, Menschenrechtsverletzungen und alles, was zum organisierten Verbrechen noch dazu gehört. Mit einer legalen Abgabe könne all das unterbunden werden.

Dazu müssten sich die Verantwortlichen relevanter Länder in der UN – vor allem USA, Russland, China, die in Sachen Drogenpolitik bekanntlich alle den totalen Knall haben – allerdings klar machen, dass die Idealvorstellung einer drogenfreien Welt schwachsinnig ist, weil es die niemals geben wird, egal wieviel Aufwand und Mittel in den Krieg gegen Drogen investiert wird. (Und der ja praktisch in erster Linie ein Krieg gegen die Süchtigen ist, und eben nicht gegen das Organisierte Verbrechen.) Und natürlich wird es weiterhin Süchtige und Drogenabhängige geben, die ihr Leben mit (und auch ohne) Drogen nicht auf die Reihe kriegen. Das ist nun mal so, dazu produziert dieses System zu viele Verlierer – was ja von den Markt- und Wettbewerbsfanatikern auch so gewollt ist. Aber man könnte diesen ganzen Verlierern ihr ohnehin schon beschissenes Leben ein bisschen weniger schwer machen.

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Über modesty

Akademisch gebildetes Prekariat. Zeittypische Karriere: anspruchsvolle Ausbildung, langwieriger Berufseinstieg, derzeit anstrengender, aber schlecht bezahlter Job mit unsicherer Perspektive. Vielseitige Interessen, Literatur, Film, Medien, Wissenschaft, Politik, Geschichte, Gesellschaft, Zeitgeschehen. Hält diese Welt keineswegs für die beste aller möglichen, hofft aber, dass sie besser werden kann. Möchte gern im Rahmen der bescheidenen Möglichkeiten dazu beitragen.
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2 Antworten zu Der Krieg gegen Drogen ist längst verloren

  1. Clara Himmelhoch schreibt:

    Sehr gut geschrieben – ein flammendes Plädoyer gegen den Kontrollwahn in der Welt. – Nur – ich hätte es trotzdem nicht gern, dass meinen Enkeln Drogen auf dem Schulhof untergejubelt werden, damit man sie damit ungewusst abhängig macht. Wo fängt die Kontrolle an und wo hört sie auf?

  2. Stephan Jaeger schreibt:

    Hallo,
    Attac wird von der Finanzverwaltung als ausländischer (französischer) Agent gesehen und
    verliert Rückwirkend den Status der Gemeinnützigkeit.
    Das wird teuer und Kampagnen können nicht mehr finanziert werden.

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