Endlich eine kapitalismuskritische Fernsehserie! Wirklich?

Einerseits tut es mir schon leid, dass ich meinen Blog und damit meine Leser in letzter Zeit so vernachlässige – andererseits bin ich einfach müde und erschöpft vom Kampf ums Überleben. Es ist halt nicht so leicht, den Lebensunterhalt für drei Menschen zu verdienen und danach noch politische Analyse zu betreiben. Insbesondere, da es in meinem Laden derzeit nicht besonders rund läuft, aber das führt jetzt zu weit.

Des Abends zerstreue ich mich gern mit fernsehen – und es ist nicht alles schlecht im Kapitalismus: Weil immer mehr Pay-TV- und Streaming-Anbieter um die Gunst der Kunden buhlen, gibt es doch einige Serien, die ich richtig gut finde. Etwa Breaking Bad, True Detective oder ja, auch Sense8, obwohl mir das schon bisschen zu paranormal ist, aber hey, es ist doch eh Fiction, warum also nicht mal was Übernatürliches. Gibt immerhin auch viel Lebenswirklichkeit und das ganz global. Und mein neues Serien-Highlight ist Mr. Robot.

Mr Robot - Bild: USA Network

Mr Robot – Bild: USA Network

Mr. Robot ist eine Serie des US-Kabelsenders USA Network über den depressiven, soziophen Computerhacker Elliot Alderson, der an seiner Existenz in dieser Gesellschaft leidet und gern die Welt retten würde, aber nicht so recht weiß, wie er es anfangen soll. Weil er sehr intelligent ist, ist er trotz seiner Störungen in der Lage, zu tun, was von ihm verlangt wird, um in der kapitalistischen Gesellschaft zu überleben – er hat einen Job in einer Cyber-Security-Firma und sein Vorgesetzter liebt ihn, weil er einfach sehr gut in seinem Job ist. Aber eigentlich hasst Elliot alles, was er da tut, genau wie er diese ganze Gesellschaft hasst, die Menschen dazu bringt, ständig Dinge zu tun, die sie eigentlich nicht tun wollen. Nachts dagegen tut Elliot, was er eigentlich will, oder meint zu wollen: Er hackt sich in das Leben anderer Menschen, um seiner Einsamkeit zu entgehen. Darin ist er sehr gut, und weil er überhaupt ein guter Junge ist, versucht er, sein Talent auch für das Gute einzusetzen: Die Menschen, die er mag, beschützt er mit seinen Aktivitäten vor den Bösen, die er entlarvt und unschädlich machen will. Das geht allerdings nicht immer so aus, wie der für seine Intelligenz dann doch wieder erstaunlich naive Elliot sich das vorstellt.

Nun ist Mr. Robot zwar eine überdurchschnittlich gute Fernsehserie, die ich durchaus auch empfehle, aber eigentlich kein Gegenstand für ein kapitalismuskritisches Polit-Blog. Eigentlich. Aber ich fand zufällig diesen Artikel: USA’s Mr. Robot Is the Anti-Capitalist TV Show We’ve Been Waiting For.

Und damit dann doch einen Grund für einen neuen Artikel. Denn man kann an dieser Serie sehr viel gut finden, aber nicht, dass sie kapitalismuskritisch sei. Auch wenn Elliot Geld egal ist: „I don’t give a shit of money“, sagt er dem Betreiber eines Kinderporno-Netzwerks, dem er das Handwerk legt. Er tut das, weil er das richtig findet. Offenbar kann er sich diesen Luxus leisten, weil er mit seinem Tagesjob als Cyber-Security-Ingenieur genug für seinen Lebensunterhalt verdient – und wie man im Verlauf der Serie sieht, braucht Elliot nicht viel, er hat eine schäbige Wohnung in einer schlechten Gegend von New York, er trägt immer die gleichen Klamotten und scheint auch selten zu essen – er braucht nur Geld für sein Morphin und seinen Internetanschluss.

Elliot vermutet eine große Verschwörung hinter allem – von den „top 1 percent of the top 1 percent secretly running the world without permission.“ Aber hier geht es schon los: Wäre es denn okay, wenn diese Typen eine Erlaubnis dazu hätten? Und überhaupt: Eigentlich haben sie die ja. Unser ganzes Demokratiegewese dient ja eben dazu, dass wir, die Wähler, denen, die zur Wahl gestellt werden, die Permission/Erlaubnis/Befugnis zum Regieren gegeben. Das ist keine Verschwörung, sondern Demokratie – Demokratie ist leider auch, dass das von den Wähler gewählte Politpersonal letztlich nicht viel zu sagen hat, weil es zum Regieren da ist, wie man das so macht in heutigen Zeiten: Politik verfolgt einerseits nationale und andererseits wirtschaftliche Interessen und genau das ist der demokratisch gewollte Service am politisch-industriellen Komplex, der eigentlich dafür sorgt, dass der Laden läuft. Und das ganze nennt man Kapitalismus. Demokratie und Freiheit inbegriffen.

Auch wenn sich das nicht nach Freiheit anfühlt, denn da ist diese unsichtbare Hand, die Elliot (und wir alle) immer wieder zu spüren bekommen: “The one that brands us with an employee badge. The one that forces us to work for them. The one that controls us every day without us knowing it. But I can’t stop it.” In dem Punkt hat Elliot leider recht: Er kann das nicht stoppen. Er kann sich gebrandmarkt und genötigt fühlen, weil auch ein depressiver Hacker seine Wohnung und seinen Internetanschluss bezahlen muss, und dass er das offensichtlich tut, finde ich durchaus sympathisch: Er könnte ja auch von seinem Hackertum leben, sich als Cyberkrimineller sein Konto füllen und in der typischen Autonomen-Arroganz sagen: Seht her ihr blöden Mitläufer, ich hab das alles gar nicht nötig! Und sich freuen, wie erfolgreich man doch auf den Staat scheißen und das System ficken kann.

Mr Robot (Christian Slater) und Elliot (Rami Malek) Bild: USA Network

Mr Robot (Christian Slater) und Elliot (Rami Malek)
Bild: USA Network

Aber Elliot ist weder ein Autonomer, noch ein Krimineller, er ist ein ziemlich intelligenter, aber am Ende doch erstaunlich normaler Mensch, der mit der Gesellschaft, so wie sie ist, halt nicht klar kommt, sich dessen auch bewusst ist und trotzdem versucht, sich an die Regeln zu halten. Elliot hält sogar ziemlich viel von Regeln, er hat sich selbst streng reguliert, sowohl, was sein Verhalten den anderen gegenüber angeht, auch wenn er die meisten Menschen nicht leiden kann (was absolut nachvollziehbar ist, nur sind die meisten nicht so ehrlich), als auch, was sich selbst angeht: Nicht mehr als 30 Milligramm Morphin pro Tag und nur, wenn noch Suboxon da ist. Und die meisten Hacks, die er macht, macht er ja, weil andere Regeln brechen und Elliot die Regelbrecher aus dem Verkehr ziehen will.

Das macht Elliot für die meisten Zuschauer auch so sympathisch – er ist abgesehen von seinen beeindruckenden analytischen Fähigkeiten – wie alle anderen: Irgendwie fühlt fühlt sich doch jeder mal missverstanden und einsam und sehr viele von uns können eben nicht besonders gut kommunizieren, wenn sie überhaupt wissen, sie eigentlich wollen. Jetzt mal ehrlich: Wer weiß wirklich, was er oder sie wirklich will in diesem Leben?! Und weil das alles so unklar und schwierig ist, arrangiert man sich eben mit dem, was man vorfindet und redet sich ein, dass das ja im Grunde ist, was man haben wollte – es ist eben nichts perfekt in dieser Welt. Früher hat man das mit dem Willen Gottes erklärt, heute erklärt man es halt mit der allgemein menschlichen Unzulänglichkeit.

Und wenn es einem nicht gelingt, sich die Zustände, in die man es aushalten muss, schön oder zumindest erträglich zu reden, kann man sie sich ja immer noch schön trinken, oder wie Elliot Morphin nehmen, um sie irgendwie auszuhalten. Oder ist das altbewährte Opium fürs Volk reinziehen und sich irgendeiner Glaubensgemeinschaft anschließen.

Was aber jetzt die Kapitalismuskritik betrifft, die hier angeblich geübt wird, so kann ich sie leider nicht entdecken – okay, man kann es kritisch nennen, wenn Dinge gezeigt werden, die wirklich nicht so schön sind am real existierenden Kapitalismus. Etwa, dass die einen arbeiten gehen oder gar verhungern müssen, wenn sie niemanden finden, der an ihrer Arbeitskraft interessiert ist, während die anderen sich nur überlegen müssen, welche neue Luxusuhr ein noch passenderes Statement ihrer hoffnungslosen Überlegenheit abgeben könnte.

Klar, und es ist irgendwie auch nicht schön, dass sich nette Mädchen wie Shayla ins Drogenbusiness begeben und sich mit durchgeknallten Killertypen wie Fernando Vera einlassen müssen – okay, Shayla hätte auch gleich den anständigen, aber weniger lukrativen Job als Kellnerin wählen können, dann wäre sie vielleicht noch am Leben. Arm aber sexy zu sein ist allerdings auch nicht so einfach, dass schafft vielleicht eine Stadt wie Berlin, aber nicht jedes Mädchen in Chinatown. Wenn Shayla diesen Job nicht macht, dann macht es halt eine andere – auch das Drogengeschäft gehört zum Kapitalismus, es ist sogar besonders typisch dafür: Mehr Risiko, mehr Gewinn. Das gleiche gilt für den Umweltskandal, den E-Corp vertuscht hat, nur dass der E-Corp-Manager Terry Colby noch am Leben ist – aber auch das zeigt ja, wie diese Welt funktioniert: Die kleinen Straßendealer und -dealerinnen werden von ihren Bossen umgelegt, den großen Konzern-Bossen legt man halt eine Fußfessel an – und das auch nur, wenn sie über eine dumme Sache gestolpert sind, die man einfach nicht mehr ignorieren kann.

Sind diese dezente Hinweise schon Kapitalismuskritik? Nein, das sind sie nicht. Über derartige „Ungerechtigkeiten“ oder „Fehler“ im System lamentieren ja viele, die den Kapitalismus eigentlich doch gut finden, weil er angeblich das einzige funktionierende System sei, mit dem sich diese Welt betreiben ließe. Genau das müsste aber in einer ernsthaften Kapitalismuskritik hinterfragt werden. Das sehe ich in Mr. Robot (noch?) nicht.

Vielleicht kommt in der Richtung später noch ein bisschen mehr, wenn wir mehr über die Motive von Mr. Robot erfahren – aber Mr. Robot wurde als wirklich ernst zu nehmender Kapitalismuskritiker ja von Anfang an disqualifiziert: Er wird als spinnerter Anarchist eingeführt, von dem Elliot sicher ist, dass er verrückt ist – und Elliot weiß einiges über klinische Störungen der Psyche. Aber vielleicht stellt sich ja noch heraus, dass Mr. Robot nicht verrückt ist, sondern neben seinem größenwahnsinnigen Plan, den mächtigsten Konzern der Welt zu zerstören, auch noch eine Idee hat, wie er die Welt danach organisieren will. Denn ich sehe nicht, dass mit der Zerstörung eines Konzerns – selbst wenn es der größte der Welt ist, der Kapitalismus überwunden wäre. Das ist bestenfalls eine Kritik an Evil Corp oder meinetwegen auch an Großkonzernen – aber die offenbar in Stein gemeißelte Tatsache, dass es Eigentum, Geld, Geschäfte und Profit geben muss, ist damit noch lange nicht infrage gestellt.

Hier wittere ich eher die schräge Idee so vieler anderen „Kapitalismuskritiker“, dass es eine „gute Marktwirtschaft“ für die kleinen Leute geben könne, wenn man den „bösen Gierkapitalismus“ der Banken und Großkonzerne irgendwie an die Kette legen könnte. Aber genauso, wie man aus einem Raubtier kein Schoßhündchen machen kann, kann man keinen guten Kapitalismus machen: Das Perverse am Kapitalismus ist prinzipiell, dass es bei der ganzen Veranstaltung NIEMALS um die Interessen der Menschen geht, sondern immer nur ums Geschäft und ums Geldverdienen: Deshalb finden nur die Dinge statt, die in irgendeiner Form ein Geschäftsmodell sind – die Leute in den armen Ländern verhungern ja nicht, weil es auf der Welt zuwenig Lebensmittel gäbe. Die EU hat im vergangenen Jahr einen dreistelligen Millionenbetrag investiert, um Nahrungsmittel zu vernichten.

Nicht aus Bosheit, sondern um die Preise zu stützen – und damit den europäischen Bauern zu helfen, die nun einmal darauf angewiesen sind, dass ihre Produkte GEKAUFT werden. Dieses simple Beispiel zeigt das kapitalistische Dilemma sehr deutlich: Wenn es nicht ums Geld verdienen, sondern um die Ernährung der Welt ginge, könnten sich die Bauern und mit ihnen alle Menschen über Rekordernten freuen. Im kapitalistischen System sind Rekordernten ein Problem, weil die Preise und damit die Profite fallen. Ein solches System ist von hinten bis vorn pervers. Aber darüber erfahre ich in Mr. Robot gar nichts.

Klar, die Idee von Mr. Robot, dass 70 Prozent der Verbraucherkredite weltweit einfach gelöscht werden, hat einen gewissen Charme, und die armen jungen Amis, die ihr ganzes Berufsleben damit verbringen, ihre Studienkredite zurückzubezahlen, werden erstmal glücklich sein, genau wie die armen Hauskäufer, die dann nicht mehr befürchten müssen, dass sie die Rate für die Hypothek nicht mehr aufbringen. Aber es stünden nur wenige Augenblicke später schon die ganzen zweit- und drittgrößten Konzerne bereit, den großen E-Corp Kadaver zu zerfleischen und aufzufressen und alles ginge nach der Neuverteilung auf den Märkten von vorn los: Eine solche „Revolution“ ist eben keine, obwohl mir der Gedanke, mal eben einen Großkonzern platt zu machen, prinzipiell schon gefällt – aber das ist eher raffinierter Vandalismus und eben kein grundlegender Systemchange: Den bekommt man nur, wenn man weiß,wo das eigentliche Übel liegt, das es abzuschaffen gilt. Auch das sehe ich in Mr. Robot nicht: Es gibt Elliots Unbehagen mit dem System, das viele Menschen teilen, aber es wird nicht wirklich erklärt – oder schlimmer noch: Es wird falsch erklärt, nämlich mit Elliots und Angelas persönlicher Betroffenheit. Weil ihre Eltern durch illegale Machenschaften von Evil Corp (wie Elliot E-Corp konsequent nennt) gestorben sind, haben die beiden einen nachvollziehbaren Hass auf E-Corp. Was aber nicht dasselbe ist wie der absolut berechtigte Hass gegen das unmenschliche System an sich, gegen den Kapitalismus. Im Gegenteil: Angela und Elliot versuchen jeweils auf ihre Weise, mit diesem System klar zu kommen. Das ist aber das Gegenteil von Kapitalismuskritik.

Was ist jetzt also das prinzipielle Problem mit dem Kapitalismus? Es liegt, wie die Bezeichnung Kapitalismus schon vorwegnimmt, in der besonderen Eigenschaft von Geld auch Kapital zu sein, also Geld, das investiert wird, um mehr Geld zu verdienen. Das Problem ist eben nicht, dass die meisten Menschen zu wenig davon haben, und andere sehr viel, auch wenn es immer wieder so dargestellt wird.

Genau das ist der Punkt: Geld ist eben kein harmloses Tauschmittel, mit dem ein Gebrauchswert gegen einen anderen getauscht wird, sondern sehr viel mehr, vor allem ist es Zugriffsmacht auf alle möglichen und unmöglichen Dinge. Und die Grundlage dafür, mehr – und zwar extrem viel mehr – Zugriffsmacht auf alles zu bekommen. Und solange auf allem, was Menschen zum Leben brauchen, ein Preisschild klebt, braucht man Geld, um zu überleben. Daran ändert auch die größte Umverteilungsaktion der Geschichte nichts: Das Problem mit dem Kapitalismus ist eben kein Verteilungsproblem. Das Problem ist viel grundsätzlicher. Es geht um die Frage, zu welchem Zweck überhaupt Produktion statt findet – siehe oben. Wenn man sich darüber einig werden könnte, dass alle Menschen satt werden und ein schönes Leben haben sollen, könnte man über eine sinnvolle Verteilung der Produkte nachdenken und ich bin sicher, dass mit den heutigen Möglichkeiten kein Kind mehr hungrig ins Bett gehen müsste, weil es erstens genug zu verteilen und zweitens genug Transportmittel geben würde, wenn genau dieses Ziel Sinn und Zweck der menschlichen Anstrengungen wäre. Aber genau das ist im kapitalistischen System nicht der Fall, und deshalb gibt es so viel Elend auf der Welt.

Und an alle, die jetzt damit kommen, wie schrecklich doch der realexistierende Sozialismus gewesen wäre, weil es da noch mehr Elend, Unfreiheit und weniger Fortschritt gegeben hätte: Das stimmt zwar alles so nicht, wenn man sich näher damit beschäftigt, kann man feststellen, dass etwa in Kuba die Lebensumstände der Leute zwar nicht super toll sind, aber doch noch deutlich besser als in anderen Ländern der Karibik, in denen kein Sozialismus, sondern kapitalistische Anarchie herrscht – aber das ist auch nicht unbedingt das, was ich mir als Alternative vorstelle. Auch in den sozialistischen Systemen gab es zu wenig Vertrauen in die Menschen: Hier wurden die Leute nicht mit der harten Knute von Verarmung („Freiheit“) in die (Selbst-)Ausbeutung gezwungen, sondern mit ideologischer Bevormundung. Die ironischerweise dazu geführt hat, dass die zuvor rundum vom Staat versorgten Osteuropäer für die nicht weniger ideologische westliche Propaganda besonders anfällig waren: Freiheit und Demokratie bedeuten eben nicht Bananen und neue Fernseher für alle, sondern in erster Linie, dass jeder selbst zusehen muss, wie er mit seinem Leben klar kommt. Was aber für die Menschen in den USA dermaßen selbstverständlich ist, dass sie sogar die Idee einer Krankenversicherung für alle Bürger schon als kommunistische Zumutung empfinden. Insofern kann man auch nicht erwarten, dass ausgerechnet eine US-Serie zeigt, wie kapitalismuskritisches Fernsehen geht. Aber sie kann ein Anlass sein, tatsächlich mal darüber nachzudenken, wie eine wirklich kapitalismuskritische Serie sein müsste. Nicht, dass ich die Hoffnung hätte, dass man dann noch einen Sender oder eine Produktionsgesellschaft dafür findet. Aber die Gedanken sind frei. (Achtung: Ironie. Genau diese bürgerliche Idee der Freiheit muss darin ja kritisiert werden)

Nun will ich Mr. Robot keineswegs schlecht machen, es ist eine intelligent konstruierte Serie, die mir sehr viel Spaß macht – und weil eben so viel Hirn darin zu spüren ist, habe ich die Hoffnung, dass es tatsächlich intelligentes Leben auf diesem Planeten geben könnte.

Es gibt ja Aktivisten, die fordern, dass der Zugang zu sauberem Wasser, frischer Luft und ausgerechnet: Zum Internet samt sämtlichen dort vorhandenen Inhalten ein Menschenrecht und damit kostenlos möglich sein müsse – das ist natürlich ein Anfang, aber das gleichzeitig reichlich inkonsequent und deshalb auch Unsinn: Warum sollte man denn ausgerechnet die Dinge, mit denen man richtig Geld verdienen kann, weil jeder darauf angewiesen ist, von der sonst flächendeckend durchgesetzten kapitalistischen Verwertung von allem (inklusive Fortpflanzung, Gesundheit, Lebensglück und zunehmend selbst dem Sterbeprozess) vor lassen?! Ein menschenwürdiges Leben ohne den Zwang zu Selbstausbeutung und Erwerbsarbeit für alle ist meiner Ansicht nach die Mindestforderung, und dann muss man sich halt darüber einigen, wie schnell der kostenlose Internet-Anschluss für alle denn mindestens sein muss.

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Über modesty

Akademisch gebildetes Prekariat. Zeittypische Karriere: anspruchsvolle Ausbildung, langwieriger Berufseinstieg, derzeit anstrengender, aber schlecht bezahlter Job mit unsicherer Perspektive. Vielseitige Interessen, Literatur, Film, Medien, Wissenschaft, Politik, Geschichte, Gesellschaft, Zeitgeschehen. Hält diese Welt keineswegs für die beste aller möglichen, hofft aber, dass sie besser werden kann. Möchte gern im Rahmen der bescheidenen Möglichkeiten dazu beitragen.
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Eine Antwort zu Endlich eine kapitalismuskritische Fernsehserie! Wirklich?

  1. Stephan Jaeger schreibt:

    Der DLF hat Heute eine neue Stalin Biografie Vorgestellt.
    Oleg Chlewnjuk hat dort sein Buch besprochen.
    Ende August erscheint es bei Randomhouse.

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