Kalte Sonne oder das Klima und die Katastrophen-Experten

Ach ja, das Klima. Es ändert sich ständig, mal wird es kalt, dann gibt es eine Eiszeit. Da reichen die Gletscher von den Alpen bis in die Uckermark und die Mammuts kriegen kalte Füße. Und dann gibt es wieder Warmzeiten, da schmilzt das Eis an den Polkappen und in Schottland boomt der Weinanbau. Alles schon da gewesen, alles nicht aufregend. Allerdings ging der Klimawandel – soweit man weiß – bisher eher gemächlich vonstatten, in Schritten von mehreren zehn- oder auch hunderttausend Jahren. Dazwischen gab es auch kleinskalige Klimaschwankungen, so genannte Interstadiale, die dann nur einige hundert bis einige tausend Jahre dauern.

Wie die kleine Eiszeit, die auf eine Mittelalterliche Warmzeit folgte. So war Grönland im 8. und 10. Jahrhundert sehr viel grüner als heute, in Norwegen wurde bis fast zum Polarkreis hin Getreide angebaut und im südlichen Schottland gediehen Weinreben. Anfang des 15. Jahrhunderts wurde es dann kälter, die Gletscher in den Alpen wuchsen und zerstörten bei ihrem Vordringen menschliche Siedlungen. Nicht nur die Grachten in den Niederlanden, auch die Themse in London fror im Winter regelmäßig zu. Sogar auf der Lagune von Venedig konnte man Schlittschuh laufen. Man vermutet unter anderem eine Reihe starker Vulkanausbrüche als Ursache für diese Kälteperiode, andere Theorien sehen eine schwächere Sonnenaktivität als Ursache und auch der Golfstrom soll damals nicht so kräftig gewesen sein wie heute. Es kann aber auch ganz anders gewesen sein – die Wissenschaft findet ja immer wieder heraus, dass sie sich früher mal geirrt hat.

Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) kommt jedenfalls durch neue Untersuchungen zum Ergebnis, dass die Strahlungsaktivitäten der Sonne das Weltklima kaum verändern. Das bringt mich nun endlich zum eigentlichen Thema: Der RWE-Manager Fritz Vahrenholt und der Geologe Sebastian Lüning haben ein Buch geschrieben, in dem sie behaupten, dass die Klimakatastrophe gar nicht statt findet, und wenn doch dann nur ein kleines bisschen. Das Werk heißt „Die kalte Sonne“ und will die festgefahrene (Klima-)Debatte beleben, wie Vahrenholt dem Spiegel gesagt hat.

Eine kalte Sonne vom vergangenen Sommer

Eine kalte Sonne vom vergangenen Sommer

Obwohl die Menschheit so viel CO2 in die Luft blase wie nie zuvor, wird sich das Klima kaum ändern, behaupten die Autoren des derzeit heftig ventilierten Klimawälzers – zumindest wird es nicht viel wärmer. Damit erhalten die Verschwörungstheoretiker von der CO2-Lügen-Front mal wieder Auftrieb. Mag ja sein, dass das CO2 nicht so schädlich ist, wie gern behauptet wird. Die einen sagen, das Methan sei viel schädlicher – wobei allein die ganzen Methan-rülpsenden Kühe ziemlich klimaschädlich sein müssen. Und natürlich die Biogas-Anlagen! Aber die hatten wir neulich schon.

Es gibt auch Leute, die sagen, dass der ganze Flugverkehr für mehr Wolken sorge und diese ganzen Flugabgase in der Atmosphäre sind bestimmt auch nicht gut für die Ozonschicht. Ich denke, dass vieles davon ein bisschen stimmt und halt keiner genau weiß, wie sich was am Ende auswirkt. Ehrlich gesagt kommt mir diesen ganze Katastrophen-Unkerei zu den Ohren raus. Ich bin mit dem Sauren Regen und dem Waldsterben, den verdreckten Flüssen und Seen und den Anti-Atom-Protesten aufgewachsen, mit denen vor Ereignissen wie Tschernobyl und Fukushima gewarnt wurde – nicht umsonst haben sich die Teenies in den 80er Jahren „No Future“ auf Jeans und T-Shirts gekritzelt. Erstaunlicherweise gibt es jetzt, dreißig Jahre später, noch immer den deutschen Wald und in einigen Flüssen und Seen kann man wieder baden. Wo anders hatten die Menschen weniger Glück.

Fakt ist nämlich auch, dass die derzeit global herrschende Wirtschaftsweise für Mensch und Umwelt extrem schädlich ist – und keineswegs nur wegen eines möglichen Klimawandels. Sondern wegen der Verschleuderung von lebenswichtigen Ressourcen, der Zerstörung der Umwelt und nicht zuletzt wegen der hässlichen Lebensbedingungen, denen vor allem die arbeitenden Menschen in aller Welt unterworfen sind. Ich finde, dass es auch ohne konkret drohende Klimakatastrophe mehr als genug Gründe gibt, mit dem herrschenden Wahnsinn aufzuhören.

Besonders originell sind die Thesen von Vahrenholt/Lüning ohnehin nicht, sie sind Vertreter der Sonnen-Aktivitäts-These: Weil die Sonne sich derzeit in einem Aktivitätsminimum befinde, werde es erstmal nicht wärmer, sondern eher etwas kühler. Wenn man den aktuellen heftigen Wintereinbruch auf sich wirken lässt, klingt das erstmal recht plausibel, derzeit werden ständig neue Kälterekorde gemeldet und insbesondere Südosteuropa versinkt im Schnee.

Andererseits hatten wir gerade erst den wärmsten und trockensten November seit Menschengedenken und es wurden in den vergangenen Jahren auch ständig neue Hitzerekorde verzeichnet. Und zwar nicht nicht in Deutschland. Die Gletscher in den Alpen, aber auch auf Grönland schmelzen viel schneller als erwartet ab und die Polkappen schmelzen rasant, so dass der Meeresspiegel spürbar steigt. Allerdings sind sich nicht mal die Experten einig, wie schnell und wie sehr der Meeresspiegel tatsächlich davon beeinflusst wird. Aber wenn schon: Es ist so oder so nicht von der Hand zu weisen, dass irgendetwas mit dem Klima passiert: Extreme Wetterphänome nehmen zu, die Jahreszeiten verschieben sich, mal wird es heißer, mal kälter als erwartet und zwischendurch gibt es Stürme, Dürreperioden und Überschwemmungen.

Natürlich ist Panik kein guter Ratgeber, aber den Kopf in den Sand stecken hilft auch nicht. Und warum man ausgerechnet einem Vertreter der Energiebranche glauben sollte, dass eigentlich alles in Ordnung ist, verstehe ich schon gar nicht. Selbst wenn er mal beim Umweltbundesamt und Umweltsenator in Hamburg war. Und jetzt bei RWE Innogy für erneuerbare Energien zuständig ist. Warum auch nicht, wenn sich mit erneuerbaren Energien ein Geschäft machen lässt. Genau deshalb traue ich Typen wie diesen nicht über den Weg.

Hat sich mal jemand im Internet angesehen, wie Herr Vahrenholt aussieht? Ein bisschen wie dieser andere Provo-Onkel von der SPD (der Herr V. auch angehört). Ich sag jetzt nicht, wen ich meine, aber es war auch einer, der mit steilen Thesen in einem Gebiet, von dem er nicht so richtig viel Ahnung hat, eine festgefahrene Debatte beleben wollte.

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Über modesty

Akademisch gebildetes Prekariat. Zeittypische Karriere: anspruchsvolle Ausbildung, langwieriger Berufseinstieg, derzeit anstrengender, aber schlecht bezahlter Job mit unsicherer Perspektive. Vielseitige Interessen, Literatur, Film, Medien, Wissenschaft, Politik, Geschichte, Gesellschaft, Zeitgeschehen. Hält diese Welt keineswegs für die beste aller möglichen, hofft aber, dass sie besser werden kann. Möchte gern im Rahmen der bescheidenen Möglichkeiten dazu beitragen.
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Eine Antwort zu Kalte Sonne oder das Klima und die Katastrophen-Experten

  1. Rainer schreibt:

    Im wesentlichen kann ich dem Beitrag zustimmen, wenn auch manches zu vorsichtig formuliert ist. Warum tun sich politisch Linke eigentlich so schwer, den ganzen Klimakram als das zu entlarven, was er ist: eine riesiges Verwertungspotential für das Kapital, ein Fundus neuer Geschäftsfelder. Mit dem CO2-Zertifikatehandel haben die Kapitalisten schon ihre Phantasie bewiesen. Gleichzeitig lassen sich die wahren Absichten wunderbar verschleiern, indem man durch die Medien das Herz der „Gutmenschen“ gewinnt.
    Um die Kaptialinteressen zu bedienen, errichtet der Staat Forschungseinrichtungen wie das PIK, bei denen folglich die politische Agenda im Vordergrund steht. Abgesehen davon ist festzustellen, dass dort einfach schlechte Wissenschaft betrieben wird. Von der physikalischen Grundlagen (Treibhaushypothese, Klimamodellierung) bis zur empirischen Datenbehandlung ist vieles fragwürdig oder wissenschaftlich dumm. Ich würde auch nicht so pauschal über Skeptiker urteilen („CO2-Lügen-Front“). Viele sind fachlich qualifiziert und urteilen nach wissenschaftlichen Maßstäben.
    Mein Fazit: Erfreuen wir uns am Klimaoptimum, solange es noch anhält, und konzentrieren uns auf die wahren gesellschaftlichen Widersprüche, um die Welt zu verändern.

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