Familienpolitik ist machtlos: Geld kriegt keine Kinder

Die Zeit schreibt heute unter dem Titel Kinderschwund macht sprachlos eine Abrechnung mit der Familienpolitik der Ministerinnen von der Leyen und Schröder.

Offenkundig haben die Regierungen in Bund und Ländern kein Interesse daran, sich die Misserfolge ihrer bisherigen Familienpolitik möglichst rasch von der Statistik bestätigen zu lassen. Doch das neue Schweigen über den fortwährenden Kinderschwund wird auf Dauer eines nicht verhindern können: Den notwendigen Abschied von mechanistischen Politikmodellen; also vom Glauben, durch zwei oder drei familienpolitische Instrumente eine demografische Trendumkehr bewirken zu können. Die Entscheidung junger Paare für das Leben mit Kindern ist nämlich politisch genauso schwer zu beeinflussen wie ein gesundes Wachstum von Wirtschaft und Arbeitsmarkt.

Tja, so ist das mit der Statistik – wenn sie auch mit dem abgefeimtesten Tricks nicht mehr geschönt werden kann, redet man lieber über etwas anderes, etwa über den Feminismus, der sicherlich auch daran schuld ist, dass die Frauen nicht mehr genug Kinder kriegen, um Deutschland dauerhaft am Laufen zu halten. Oder die Rente mit 67, vermutlich wird das Eintrittsalter demnächst auf 75 Jahre hochgesetzt, wenn keine Jüngeren mehr nach kommen.

So viele gut verdienende Akademikerinnen gibt es offenbar dann doch nicht – und schon gar nicht genug solche, die sich durch die verhältnismäßig großzügige Gebärprämie verlocken lassen, den Rest des Lebens ein paar Plagen am Hals zu haben. Das ist das Blöde an Akademikerinnen – die sind im Durchschnitt einfach nicht dumm genug, um sich Kinder anhängen zu lassen. Und die haben ja auch den ganzen Tag was anderes zu tun.

Großzügig ist das Elterngeld für Gutverdiener ohnehin auch nur im Vergleich mit der Situation derer, denen die ohnehin schon lumpige Unterstützung von 300 Euro monatlich für ein Jahr jetzt auch noch gestrichen wurde. Wenn die CDU-Damen nicht wollen, dass arme Leute Kinder kriegen, müssen sie halt dauerhaft damit leben, dass noch weniger Kinder auf die Welt kommen. Da hilft es auch nicht, dass sich von der Leyen trotz Karriere sieben Kinder leisten kann. Schröder ist da die typischere Karrierefrau und leistet sich keins. Wie auch Kanzlerin Merkel.

Ich persönlich halte das auch keineswegs für ein Drama. Wenn nur noch die Leute Kinder bekommen, die das wirklich wollen, und das dann auch auf die Reihe kriegen, wäre das doch auch für die Kinder nicht schlecht. Die Welt ist nicht schön, das Leben ist hart und die Zukunftsaussichten sind bei realistischer Betrachtung in jeder Beziehung miserabel – eigentlich sollte man Kindern so etwas gar nicht zumuten.

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Über modesty

Akademisch gebildetes Prekariat. Zeittypische Karriere: anspruchsvolle Ausbildung, langwieriger Berufseinstieg, derzeit anstrengender, aber schlecht bezahlter Job mit unsicherer Perspektive. Vielseitige Interessen, Literatur, Film, Medien, Wissenschaft, Politik, Geschichte, Gesellschaft, Zeitgeschehen. Hält diese Welt keineswegs für die beste aller möglichen, hofft aber, dass sie besser werden kann. Möchte gern im Rahmen der bescheidenen Möglichkeiten dazu beitragen.
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