Ein krankes Gesundheitssystem

Tja, so kanns gehen. Waren die Leute vor einigen Wochen bei der City BKK laut Eigenwerbung der Kasse mit dem Smile-Effekt noch versicherter als sonstwo, sind sie nun verunsicherter oder schlimmstenfalls gar nicht mehr versichert. Da sieht man, wie schwachsinnig ein Gesundheitssystem ist, das nicht der Gesundheit dient, sondern dem Geschäft. Wenn gewollt würde, dass die Menschen im Krankheitsfall unkompliziert und effektiv versorgt würden, würde es einfach ein einheitliches staatliches Gesundheitssystem geben, in dass die Leute gar nicht mehr extra einzahlen müssten, weil es ohnehin aus Mitteln der öffentlichen Hand finanziert würde. Dann würden Ärzte einfach vom Staat angestellt und bezahlt und könnten sich ganz auf ihre Patienten und deren Genesung konzentrieren, statt in der Hauptsache Unternehmer zu sein, die ihre Energie mit Selbstpromotion verballern und mit Verwaltungskram. Und wenns unbedingt eine Kranken- oder Gesundheitsversicherung geben muss, dann würde es auch eine Einheitskasse tun, in die alle einzahlen und die deshalb auch nicht pleite geht, nur weil sie auch alte, kranke und finanzschwache Leute versichern muss. Statt des ganzen Verwaltungspersonals, das in den Krankenhäusern die Finanzen optimieren muss, könnten Krankenschwestern und Pfleger eingestellt werden, die sich um die Leute kümmern und nicht ums Geld und vor allem dessen Einsparung.

Aber die Ideologen der heiligen Konkurrenz sind der Meinung, dass es zum einen viele Krankenkassen braucht, damit ein Gesundheitssystem funktionieren kann, und es dann noch eine Konkurrenz zwischen gesetzlichen Kassen, die jeden versichern müssen, der ihnen per Gesetz zugeteilt wird, und den privaten Kassen, die sich ihre Kunden aussuchen können, braucht. Das ist so, als ob man eine Kuh und ein Rennpferd ins Rennen schickt und am Ende überrascht ist, dass das Rennpferd weit vor der Kuh ins Ziel kommt. Warum kann man nicht einfach einen Gaul vor den Karren spannen, der alle ans Ziel bringt? Weil das zu sozialistisch ist. Wäre ja noch schöner, wenn der eine kein Einzelzimmer mit Chefarztbehandlung bekommen kann, nur weil einer, der weniger Geld verdient, den Chefarzt gerade dringender braucht.

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Über modesty

Akademisch gebildetes Prekariat. Zeittypische Karriere: anspruchsvolle Ausbildung, langwieriger Berufseinstieg, derzeit anstrengender, aber schlecht bezahlter Job mit unsicherer Perspektive. Vielseitige Interessen, Literatur, Film, Medien, Wissenschaft, Politik, Geschichte, Gesellschaft, Zeitgeschehen. Hält diese Welt keineswegs für die beste aller möglichen, hofft aber, dass sie besser werden kann. Möchte gern im Rahmen der bescheidenen Möglichkeiten dazu beitragen.
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Eine Antwort zu Ein krankes Gesundheitssystem

  1. A. K. schreibt:

    So ähnlich habe ich das vor Margaret Thatcher in Großbritannien erlebt. Null Wartezeit, perfekt ausgestattete Praxis, nach der sich jeder deutsche Arzt alle zehn Finger geleckt hätte, erstklassige Behandlung, keinerlei Bezahlung. Alles steuerfinanziert. Damals ging das. Später dann angeblich nicht mehr, weil es den Vertretern der neuen Ideologie nicht mehr in den Kram paßte.

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